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Neue Möbel vom flachen Land

Gestaltung
Neue Möbel vom flachen Land

Die Niederlande waren auf der Möbelmesse 2008 als Partnerland nominiert. Trotz Sonderausstellung musste sich unser Autor Dirk Schellberg das Möbelspektrum zwar quer über die Messe erlaufen, doch der Einsatz hat sich gelohnt.

Dipl. Designer Dirk Schellberg

Wie zur Frankfurter Buchmesse wählt nun auch die Kölner Messegesellschaft zur Möbelmesse ein Partnerland, dessen Designer und Möbelhersteller dort ein besonderes Forum bekommen. Es war durchaus naheliegend, dass einer unserer direkten Nachbarn den Anfang machte: In einer als Businessplattform angekündigten Designausstellung präsentierten einige niederländische Firmen je ein Produkt. Die Plattform wurde dem Anlass leider nicht gerecht. Sie war fantasielos und hat keine Botschaft transportiert. Weder wurden die Entwürfe grafisch ausreichend erklärt, noch gab es offensichtliche Ansprechpartner an einem Infocounter. Interessierte Messebesucher wurden allein gelassen. Auch der vorab so angepriesene urbane Masterplan des renommierten niederländischen Architekten Bert van Berkels erschloss sich nur dem Informierten. Das holländische Möbelspektrum musste Hersteller für Hersteller kreuz und quer durch die Messehallen erlaufen werden.
Niederländisches Design
Während meiner Studienzeit an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam fragte ich einmal einen Kollegen, was niederländisches Design ausmache. Die Antwort kam prompt: »Die Sparsamkeit des Materials und das flache Land.« Gilt das immer noch? Die Erben von Rietveld und Mondrian haben in Zeiten der Globalisierung eigene Wege beschritten. Die erschließen sich am ehesten dem, der die niederländische Volksseele kennt. Ist von holländischer Produktgestaltung die Rede, werden oft die Gruppe Droogdesign, Gris Bakker, Hella Jongerius oder der Jungstar Joris Laarmann genannt. Was viele ihrer Entwürfe auszeichnet, sind philosophische Konzepte, die die Sinnhaftigkeit der Produkte hinterfragen. Humor und Risikofreude finden sich in diesen Entwürfen jenseits von jeglichem Perfektionismus. Eine lockere Herangehensweise gepaart mit Hartnäckigkeit sorgt dafür, dass nicht selten künstlerische Konzepte ihren Weg in die Produktion finden.
Auf der Messe wurde ein großes Spektrum gezeigt, das vom klassischen traditionellen hochwertigen Möbel bis zu experimentellen Entwürfen reichte. Die Firmen beschäftigen internationale Designer, bevorzugt werden allerdings Gestalter aus dem eigenen Land. Ganz nahe am Geschehen waren die jungen holländischen Designer. Der interaktive Meetingpoint wurde von der Maastrichter Kunstakademie geplant.
Mit einem Gemeinschaftsstand haben sich Designer der Gruppe »Qreamteam« präsentiert. Dort gab es dann endlich Gelegenheit, mit Kollegen über neues holländisches Design zu reden. Stephan Siepermann ist Eindhoven-Absolvent und arbeitet als freier Designer in Utrecht. Seiner Meinung nach ist in den Niederlanden der Netzwerkgedanke unter den Designern sehr verbreitet. Die Bevölkerung ist »quergedachten« Entwürfen gegenüber aufgeschlossen und die Bereitschaft, Designermöbel zu erwerben, relativ groß. Wenn in Holland vom Designer die Rede ist, wird vom »Ontwerper« (dem Entwerfer) gesprochen, was schon rein sprachlich auf eine tiefere Verwurzelung in der Bevölkerung schließen lässt. Auch die Entstehung von Qreamteam verdeutlicht, wie Design in Holland wahrgenommen wird. Die Gemeinde Venlo hat aus einem Stadtviertel, das als notorischer Drogenschwerpunkt bekannt war, ein Kreativviertel gemacht. Junge Designer der verschiedensten Disziplinen können sich kostengünstig dort ansiedeln. Also Sozialisierung durch gutes Design? Die trauen sich was, die Holländer!
»Niederländer sind für quer gedachte Entwürfe aufgeschlossen.«
Dirk Schellberg
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