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Ein Münchner Meisterstück und zwei Gesellenstücke aus Garmisch-Partenkirchen widmen sich in ähnlicher und doch individueller Art dem Thema Sitzen. Die Entwürfe erinnern an den Typus des Easychairs der 1950er-Jahre und den klassischen Shaker-Schaukelstuhl, finden aber durch scharf gezeichnete Konturen zur jeweils eigenen Formensprache.

Der Easychair der 1950er-Jahre ist eigentlich ein Sessel: Ein massives Gestell, elastische Gurte, zwei lose aufliegende Polster mit Schaumstoffkern. Felix Scheickl übernimmt das Grundmuster und setzt in der feinen Ausarbeitung des Gestells eigene Akzente: Die konische Stollengeometrie ist stärker betont als beim Vorbild, sichtbare Stemmzapfen unterstreichen den handwerklichen Duktus. Einen passenden Couchtisch entwickelt er kühn aus den Grundelementen der Sessel: abgewinkelte Flächen und flache Volumen. Letztere gliedern sich, durch geschwärztes Stahlblech stark konturiert, offen und geschlossen in den brückenförmigen Grundkörper ein, der aus spiegelgleichen Hälften mit jeweils zu zwei Dritteln eingefrästen Rundstäben verbunden ist. Obwohl sich die beiden Stahlblechvolumen auf einer Höhe befinden, scheint das offene Element tiefer positioniert – bewirkt durch die Abstufung des Grundkörpers, auf der das Schubkastenelement aufliegt. Eine spannende Komposition!

Der Schaukelstuhl von Sebastian Reithmeier ist ein leichtes Gestellmöbel, mit Schlitz und Zapfen verbunden und in den Querschnitten rechtwinklig. Die dünne Sitzfläche ist wie die Rückenlehne nur partiell mit dem Gestell verleimt und kann über Fremdfedern in Schwundrichtung arbeiten. Das Bücherbord besteht aus einem Untergestell und dem linoleumbelegten Winkel plus Kästchen. Die Neigung gibt Büchern Halt; zum Abstellen einer Tasse wird ein Segment waagerecht vorgeklappt.
Das Ensemble von Lorenz von Seidlein könnte vom anthroposophischen Möbelstil inspiriert sein: Fasen und Verjüngungen gliedern die Gestelle bei näherem Hinsehen in spitzwinklige Trapeze. Die fließende Sitzfläche setzt dazu einen Gegenpol, nur ihre gekappten Ecken korrespondieren wieder mit den stark plastisch bearbeiteten Rahmenfriesen. Der monolithische Korpus des Beistelltisches mit zwei Schubkästen (vorn mit Nutführung, rückseitig zum Ausschwenken) erdet die bewegte Form. –JN

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