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Traum in Lack

Möbel
Traum in Lack

Für den Lackkünstler Manfred Schmid ist ein Traum Wirklichkeit geworden: Mit den Deutschen Werkstätten Hellerau entstand ein kostbares Kabinettmöbel.

Kabinettkästchen kennt man fast nur noch aus dem Museum, so entwaffnend nutzlos erscheinen sie dem rationalen Geist. Ihr dennoch ungebrochener Reiz liegt darin, dass die Kunstfertigkeit oft mehrerer Gewerke in einem Produkt zusammenfließt, was die einzelnen Künste über sich hinausführt. Man begegnet solch einem Kleinod mit Staunen! Der Lackkünstler Manfred Schmid hatte das Glück, seinen Traum eines Lackkabinetts vom Prototypen bis zum fertigen Produkt mit den Deutschen Werkstätten Hellerau verwirklichen zu können. Auf Basis der ersten Skizzen entstand ein papierbespanntes Modell im Maßstab 1:1, auf das die mögliche Teilung aufgezeichnet wurde, um die Wirkung zu testen. Der Grundriss, eine gestauchte Ellipse, entstand als freie Form auf dem Papier. Zentrale Idee: Kern und Hülle, die sich kaum berühren. Die Außenschale besteht aus verklebten Lagen harzgetränkten Papiers – da der Urushi-Lack bei hoher Luftfeuchtigkeit am besten polymerisiert, musste ein Werkstoff gefunden werden, der unter diesen Bedingungen die Form hält. Auch die Suche nach einem Furnier für den Kern, das in Struktur und Fladerung den Anforderungen genügt, war eine Reise ins Ungewisse – und ein großes Glück, als sich bei einem Würzburger Händler die ersehnte »Ungarische Blumenesche« in der erforderlichen Breite fand. Nichts für Ungeduldige auch die Konstruktion der Drehladenmechanik – hier hat der Prototyp mit voller Funktion der unteren Kästen gute Dienste geleistet. Auf einer zentralen Stange sind kugelgelagerte Scheiben befestigt, die Vertiefungen für das Einrasten von gefederten Kugeln an bestimmten Punkten haben. So ist der Winkel der Drehbewegung definiert. Die »Hochzeit« der lackierten Hülle mit dem Innenleben und den Silberbeschlägen erlebten alle Beteiligten als besonderen Moment: Tobias Kandt, Bernd Eichler, Robert Dreyer und Heiko Hamann von den Deutschen Werkstätten haben mit Manfred Schmid ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Maximal fünf Objekte sollen insgesamt gefertigt werden. M. Schmid: »Wenn ich gefragt werde, was man in dem Kabinettschrank aufbewahrt, sage ich durchaus auch: Träume.« JN

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