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Poetische Wohnlandschaft

Möbel
Poetische Wohnlandschaft

Einen Loft in eine Wohnung zu verwandeln ist eine Steilvorlage für das international tätige Designstudio Ippolito Fleitz Group, noch dazu, wenn die Baustelle ausnahmsweise nur 20 Kilometer entfernt liegt. Auf 400 m2 entstand in typischer Handschrift ein offener Raum mit spannenden Sichtbeziehungen zwischen den definierten Wohnbereichen.

Wieland Hoehne, Ippolito Fleitz Group

Der Palmsche Park in Esslingen, ehemaliges Kasernengelände aus der spätwilhelminischen Zeit, wurde zur Jahrtausendwende in eine Wohnanlage umgewandelt. In attraktiver Hanglage und zu Fuß nur zehn Minuten von der Esslinger Innenstadt entfernt, ist die Wohngegend heute sehr beliebt.
Als an der Stirnseite eines zweigeschossigen Gebäuderiegels ein zuvor als Agentur genutzter Loft frei wurde, hat eine Familie mit zwei kleinen Kindern sich entschlossen, diesen Ort zu ihrem neuen Zuhause zu machen. Auf 400 m2 entstand ein großzügiger, offener Wohnraum mit präziser Zonierung und spannenden Sichtbeziehungen.
Betritt der Besucher das Loft, eröffnet sich von hier aus in horizontale wie vertikale Richtung ein weiter Raum. Wohnbereich und Eingangsbereich trennt lediglich ein L-förmiger Vorhangfilter. Hinter der verspiegelten Wand am Treppenaufgang, die mit Tom Dixons »Mirror Ball« um die Wette reflektiert, verbirgt sich die Garderobe.
Das Zentrum des Erdgeschosses bildet der Essbereich. Die lange Tafel wird durch einen Teppich und feingliedrige abgependelte Lampen im Raum verortet. Die offene Küche schafft durch drei frei gestapelte Quader aus Mineralwerkstoff eine großzügige Verbindung. Die rückwärtige Küchenzeile mit den diversen Haushaltsgeräten und einem schlanken, hohen Weinregal bricht den Materialmix aus Edelstahl, lackierten Holzoberflächen und Mineralwerkstoff auf: Die Fliesenwand aus glasierten italienischen Fliesen ist eine Reminiszenz an Herkunft und Kindheit der Besitzer. Gleichzeitig schirmt die Küchenzeile den dahinterliegenden Wohnbereich der Kinder ab; ihre Rückwand mit den integrierten Schränken bildet den Flur zu den drei Kinderzimmern.
Eine weitere eingezogene Wandscheibe trennt den Wohn- vom Essbereich. Zur Küche hin besteht deren Oberfläche aus Tafellack, auf der anderen Seite aus farbig lackiertem Glas. Auf beiden Seiten sind Flachbildschirme integriert. Im Wohnbereich dominiert eine ausladende Couchlandschaft mit einem hochflorigen Teppich. Zum Ende hin steht vor einer textilgepolsterten Wand ein Flügel, über dem sich ein Oberlicht öffnet.
Spiel mit der Illusion
Gegenüber führen zwei Türen auf die Terrasse. Die sie umgebende Wand ist raumhoch verspiegelt und auf Spiegelflächen und Glastüren eine verästelte Liniengrafik aufgebracht. Sie weckt Assoziationen an Büsche und Bäume und überlagert sich mit dem tatsächlichen Ausblick auf den Garten. Die Spiegelwand stößt an ein hohes Regal für Feuerholz, das die »Nahrung« für den schwebenden, skulpturalen Kamin aufnimmt. Die präzise, glatte Glasfläche und das zufällig aufgestapelte Holz stehen hier in einem spannungsvollen Kontrast, der sich in der gesamten Ebene wiederfindet. Das dunkel gebeizte Eichenparkett, die erdigen Töne an Wänden und Vorhängen, aber auch goldene Flächen finden als natürliche Farben einen Gegenpol in den pinken Farbfeldern, kubischen Mineralstoffquadern oder Glasoberflächen. Zusätzliche Dynamik erhält der Raum durch die abgeschrägten Decken, deren einzelne Flächen durch die unterschiedliche Farbgebung betont werden.
Ein Haus im Haus
Das Obergeschoss ist den Eltern vorbehalten. Da explizit kein Arbeitszimmer gewünscht war, findet sich lediglich ein kleiner Arbeitsplatz im offenen Raum vor einer Wand. Diese gehört zu einem Haus im Haus, das das Schlafzimmer beherbergt, denn es war ebenfalls Kundenwunsch, hier über einen absolut lichtdichten Raum zu verfügen. Der fast hermetisch abgeschlossene Raum, dessen Kontur dem einfachsten aller Häuseraufrisse folgt, hält nur über die Türen und einen vorhangverhangenen Durchgang zu Oberlicht und Fenster den Kontakt zur Außenwelt. Das warme Nachtblau der Decke wird unterbrochen von einem grauen Kreis. Wie auch die Seitenwände ist der Kreis die Leinwand für ein labyrinthisches Schattenspiel, welches fünf Lichtkugeln darauf projizieren.
Ganz anders als das in sich geschlossene Schlafzimmer, nämlich nach oben offen, präsentiert sich das Bad. Lediglich eine verspiegelte Wand trennt es vom Flur, die darüber schwebenden Lichttropfen erhellen somit beide Bereiche und verbinden die collagenhaft eingestellten Objekte und Räume zu einer poetischen Wohnlandschaft.

Identitäten entwickeln
Ippolito Fleitz Group ist ein international tätiges Studio für Gestaltung mit Sitz in Stuttgart. Die Mission: »Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Architektur, Produkte und Kommunikation, die immer Teil eines Ganzen und doch etwas Unverwechselbares sind. So definieren wir Identität.«
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