Möbel

Pioniergeist gehört dazu

Die Kölner Tischlerei Lamp & Sohn und der Designer Masin Idriss haben gemeinsam ein Regalsystem entwickelt, das ohne Beschläge auskommt und vom Kunden vor Ort aufgebaut werden kann. Einblicke in das Projekt »Cubes« und eine inspirierende Zusammenarbeit.

Über ein zweites Standbein haben wohl schon viele selbstständige Tischler nachgedacht: Unabhängig von der Auftragslage ein Möbelsystem herzustellen und ab Lager zu verkaufen, das wäre eine willkommene Auslastung der Produktion und ein erfreuliches Nebengeschäft! Doch so einfach geht es nicht, das weiß der Designer Masin Idriss aus Erfahrung. In seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Tischlern hat er sich darauf spezialisiert, an der Schnittstelle zwischen Design und Handwerk Entwicklungspartner zu sein: Er versucht, nach wie vor existierende Grenzen aufzulösen und deutlich zu machen, dass jedem handwerklichen Tun ein gestalterischer Prozess vorausgeht.

So stand auch bei der Entwicklung der Cubes am Anfang die Frage nach einem Design, das in die heutige Zeit passt: »Etwas zusammenrücken, keine Beschläge, keine Montage. Ein komfortables und wertiges Material.« Das waren die Eckdaten. Mit der ausgearbeiteten Entwurfsidee in der Tasche hat sich Masin Idriss dann an die Kölner Tischlerei Lamp & Sohn gewandt. Die Vertrauensbasis war bereits gelegt – der Designer hatte für die Tischler die Geschäftsausstattung vom neuen Logo über den Vorschlag für eine modifizierte Fassade bis hin zu Imagebroschüre und Website entwickelt. Der Entwurf der Cubes kommt sofort an: Ein Regal aus zwei oder drei Elementen, die einfach ineinander- greifen und sich gegenseitig ohne Verbinder und Montage stabilisieren – eine prima Idee, aus der sich etwas machen lässt, da ist man sich einig.
Nun folgt die Entwicklungsarbeit am Prototyp, hier sind die Tischler mit ihrer Kompetenz gefragt: Was wäre die belastbarste Korpusverbindung für die auskragenden Böden? Welcher Plattenwerkstoff ist geeignet, welche Kanten passen am besten? Den Cubes soll eine vornehme Ausstattung zuteil werden: Leichtspanplatten werden beschichtet mit Fenix HPL und erhalten Acrylkanten in Glasoptik. Diese Wertigkeit soll das Produkt entsprechend der Entwurfsqualität in einer angemessenen Preisliga verorten. Für die Vermarktung kommen drei Wege infrage: der strategisch eingefädelte Verkauf über das Internet, Zusammenarbeit mit ausgewählten Möbelhändlern und die Kombination beider Wege. Alle Optionen werden zur Zeit intensiv geprüft.
Überzeugungsarbeit leisten
Masin Idriss ist davon überzeugt, dass die kleinen, inhabergeführten Geschäfte wieder an Bedeutung gewinnen werden. Dass Kunden die Macher und die Philosophie eines Produktes mehr als der Preis interessieren wird. Dass es also darum geht, diese Kunden zu finden und gezielt anzusprechen, ob im Internet oder im eigenen Kiez. Im Gegensatz zu vielen Handwerkern hat der Designer hier keine Berührungsängste und sprudelt vor Ideen, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Die Erfahrung liegt vor, dass es funktionieren kann. Ein Prozess, der immer wieder viel Energie und langen Atem erfordert, doch ein Einsatz, der sich lohnt.
Weder Frank und Marcel Lamp noch Masin Idriss sind Draufgängertypen – dass wird jedem klar, der mit ihnen spricht. Trotz allem Idealismus gilt es, pragmatisch vorzugehen: Auf beiden Seiten des Teams ist man sich darüber einig, dass sich die investierte Arbeit auch auszahlen muss. Üppige Handelsmargen können Handwerksbetriebe nicht gewähren, das Geschäft über die Stückzahl muss man also anderen überlassen. Die eigenen Grenzen und Möglichkeiten herauszuarbeiten und Wege auszuloten, die zum Ziel führen – darum geht es auch in der zukunftsträchtigen Zusammenarbeit von Tischler und Designer. – JN

Steckbrief

Agentur Designpraktiker Masin Idriss, Möbeldesigner 34119 Kassel www.designpraktiker.de
Tischlerei Lamp & Sohn Möbel und Innenausbau 50859 Köln www.tischlereilamp.de

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