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Ornament als Blickfang

Möbel
Ornament als Blickfang

Das faszinierend gearbeitete Kleid in Weißtanne lässt die ausbaufähige Nutzbarkeit dieses Hängesideboards zweitrangig erscheinen: Das für die Verkostung von Wein bestimmte Möbel trägt seine Meisterlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes auf der Haut.

Eckhard Heyelmann, Garmisch- Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer, Schulleiter a.D.

Das Meisterstück von Josef Freundl, ein vertikal ausgerichteter schlanker Quader, spricht auf den ersten Blick durch die Licht- und Schattenwirkung an, die auf dem Korpus facettenartige, dreieckige Flächen entstehen lässt. Das Hängesideboard ist für die Verkostung von Wein bestimmt. Es besteht aus einem fest verleimten Korpus, einer großen Klappe und zwei Schubläden. Die geöffnete Klappe gibt den Zugriff frei auf Kleinutensilien im oben mittig laufenden Schubkasten sowie den Bereich, der zur Aufbewahrung für Gläser vorgesehen ist. Ein kleinerer Teil der Oberseite des Möbels bleibt als Theken- oder Abstellfläche erhalten. Darunter befindet sich ein zur Seite öffnender Auszug, auf dem, liegend in Schalen aus Mineralwerkstoff, bis zu acht Weinflaschen präsentiert werden können. Da keine Klimatisierung vorgesehen ist, müssen die Weine hier kurzfristig bereitgestellt werden.
Die für das Möbel gewählten Materialien sind sehr fein aufeinander abgestimmt. Sie wirken edel und zurückhaltend: Schlichte Weißtanne, deren Textur in matt geölten Oberflächen dezent hervorsticht, dazu ein weißer, homogener Mineralwerkstoff mit seiner richtungslosen, gleichmäßigen Färbung und Struktur sowie einer seidenmatt geschliffenen Oberfläche.
Für die Wirkung bestimmender ist jedoch das die Vorder- und beide Seitenfronten umfassende Ornament aus 27 mm dicker massiver Tanne, das über Gratleisten fachgerecht mit dem Korpus als Träger verbunden ist. Die Entwurfsidee wurde präzise in subtraktiven Bearbeitungsprozessen mittels CNC-Technik umgesetzt. Die als Ergebnis entstandenen irregulären Tetraeder bilden ein Flachrelief, das sich von einer fiktiven Grundebene nur geringfügig um 15 mm abhebt. Es bewirkt durch den jeweiligen Lichtwinkel dennoch feine Schattierungen und Tonnuancen, die im Ergebnis eine große Plastizität erzeugen.
Die geometrische Struktur der Fassade macht eine innere Gliederung des Möbels nicht ablesbar, auch gibt sie keine Hinweise auf die praktische oder eine symbolische Funktion. Der Betrachter ist fasziniert von der ästhetischen Wirkung des Korpus durch belebte und gegliederte Flächen. Der praktische Nutzen des Möbels erscheint dem untergeordnet: So fehlt eine bedienungsfreundliche Lösung zum Abstellen und Herausnehmen unterschiedlicher Weingläser im linken Korpusbereich. Zu bedenken ist auch, dass die Verkostung von Wein auf Dauer unvermeidliche Gebrauchsspuren auf dem weißen Oberboden zwischen den Weißtannenkanten und den Fugen hinterlassen wird.
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