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Mut zur Freiheit

Möbel
Mut zur Freiheit

Christoph Burkhart hat die gegensätzlichen Nutzungen Aufbewahren und Sitzen in einem freistehende Raumteiler verbunden. Die luftige Bank und der voluminöse Schrank hätten in ihrer Polarität noch stärker ausgearbeitet werden können.

Prof. Peter Litzlbauer, Staatl. Akademie der bildenden Künste Stuttgart, Fachbereich Architektur und Design

Kraftvoll und im Fußboden fest verankert steht der Schrank wie eine Bastion im Raum und trägt auf seinem starken Rücken – respektlos ausgedrückt – einen Lattenzaun mit Sitzkomfort. Das Objekt trennt die Bereiche Wohnen und Essen allerdings eher durch seine Massivität als durch diese Palisadenwand, deren Format von etwa 1400 x 1400 mm die Blicke frei in den jeweils anderen Bereich schweifen lässt. Die angedeutete und auch beabsichtigte Transparenz in der Lattenkonstruktion wird nur in einer geraden Blickrichtung erreicht, die etwas zu schmal angelegten Überstände seitlich und nach oben sind in ihrer Wirkung geschlossen.
Gestalterisch ist das Potenzial, das im Gegensatz zwischen voluminösem Schrank und luftiger Bank im Rücken liegt, nicht voll ausgeschöpft worden – ein höherer Überstand nach oben und eine asymmetrische Verlängerung der Bank zu einer Seite hätten ein wahres Wunder bewirkt, zumal im Bezug auf den von Le Corbusier entwickelten und von Christoph Burkhart eingesetzten Modulor, der eine Fülle an spannenden Maßverhältnissen am Möbel bereithält. Interessant wäre auch gewesen, ob eine horizontale Ausrichtung der Bretttüren den Kontrast zu den vertikalen Strukturen der Bank verstärkt hätte.
An manchen Stellen wünschte man sich einfach mehr Mut zu einer größeren gestalterischen Freiheit – auch was das eher biedere Innenleben des Schrankes angeht: Die Schubkästen verstärken die kantige Grundstimmung des gesamten Möbels, hätten sie aber auch mit einer schwungvollen Leichtigkeit aufbrechen können. Ungeachtet dieser Kritikpunkte ist die handwerkliche und konstruktive Ausarbeitung meisterlich gelungen. Die klassischen Holzverbindungen sind ein Blickfang und schaffen dadurch auch gestalterische Präsenz.
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