Möbel

Mehr als nur Verpackung

Jeder kennt Polystyrol als Einwegverpackung im Supermarkt oder als dämmende Platte auf der Baustelle. Studierende der Innenarchitektur an der Fachhochschule Mainz haben dem Werkstoff darüber hinaus ästhetische Qualitäten entlockt. Zweiter Teil unserer Serie »Material als Design-Impuls« von Prof. Bernd Benninghoff.

Prof. Bernd Benninghoff, Fachhochschule Mainz

Das Material Polystyrol umgibt uns täglich, zum Beispiel als isolierende Einwegverpackung im Supermarkt, als dämmende Platte an der Fassade, als stossdämpfender Transportschutz von Elektrogeräten oder als kleine Kügelchen, die sich in Polstern oder Stofftieren befinden und unendlich nerven können, wenn sie erst mal ihre Hülle verlassen haben.
Kaum ein Architektur- und Designstudent kommt beim Modellbau an der Verwendung von Polystyrol vorbei: Das Material ist günstig und lässt sich leicht mit einem heißen Draht verarbeiten. Am Styro-Cutter entstehen Modelle, die zur Überprüfung von Form, Proportion und Volumen geeignet sind, aber in der Regel kein Endprodukt darstellen.
Doch welches Potenzial steckt noch in diesem Material – hat es womöglich ästhetische und raumbildende Qualität? Lassen sich aus dem geschäumten und recycelbaren Stoff benutzbare Möbel, Leuchten und Raummodule entwickeln?
Voraussetzung für das Gelingen des Projekts war erneut die Kooperation mit Industrieunternehmen. Firma Step-Four aus Österreich stellte den Studierenden für das Projekt eine digital gesteuerte Heizdraht-Schneideanlage zur Verfügung und stand mit Rat und Tat zur Seite, die Technik kennen und nutzen zu lernen. Auch Firma Knauf war begeistert von der gestalterischen Auseinandersetzung mit Polystyrol und lieferte das Rohmaterial EPS 035 zu.
Aus Platzmangel in der Modellbauwerkstatt wurde an der FH Mainz eine Garage zum »Styro-Lab« umgewandelt. Das offene Tor sorgte für gute Luft und gewährte zahlreichen Besuchern einen Einblick in die Heizdraht-Technologie: Die digital gesteuerte Formgebung mit dem Heizdraht ist ein ideales Werkzeug für den Entwurf, das schnelle Arbeitsmodelle und Korrekturen ermöglicht.
Für maßstäbliche Experimente an der Hochschule kamen handelsübliche Plattenformate zum Einsatz; Prototypen entstanden dann aus insgesamt 15 zwei Kubikmeter großen Blöcken Polystyrol bei Step-Four in Salzburg. Das Projekt wurde 2011 zur Euromold, Messe für Formenbau, Design und Produktentwicklung, in Frankfurt gezeigt.

Kompakt Material als Designimpuls
Studierende der Innenarchitektur setzen sich an der FH Mainz mit dem Potenzial verschiedener Materialien auseinander und werden dabei von Industriepartnern unterstützt. In der folgenden Ausgabe wird es um Mineralwerkstoff gehen. www.materialimpuls.ia-mainz.de

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