Möbel

Material als Designimpuls

Beton – es kommt drauf an, was man draus macht. Mit diesem Slogan wirbt die Betonindustrie seit vielen Jahren für ihren Werkstoff. Doch ist Beton auch geeignet, um Innenräume, Möbel und Produkte zu gestalten? Studierende der Fachhochschule Mainz sind dieser Frage nachgegangen.

Prof. Bernd Benninghoff, Fachhochschule Mainz

Seit mehreren Jahren bietet der Studiengang Innenarchitektur an der Fachhochschule Mainz unter dem Titel »Material als Design-Impuls« ein Semesterprojekt in Zusammenarbeit mit Industriepartnern an. Auslöser für die Designentwicklung ist jeweils das Material selbst. Wie lässt sich Beton für die experimentelle und konzeptionelle Verwendung bei der Entwicklung neuer Möbel- und Raumprodukte nutzen? Als Hauptpartner konnte die Manufaktur Villa Rocca gewonnen werden. Bei einer ersten Exkursion nach Freiburg konnten sich die werdenden Designer mit der Materialqualität und den Möglichkeiten der Herstellung vertraut machen. Hier fand auch ein intensiver Workshop statt, zu dem die Firma ihr Personal und ihre Produktionshallen zur Verfügung stellte. Die Dyckerhoff AG stellte Schalungsmaterial und eine große Menge ihres Bindemittels »Flowstone« bereit. Dieses Material bildete die Voraussetzung für die Herstellung besonders fließfähigen, selbstverdichtenden Betons. Er wurde als Gussmaterial für sämtliche Objekte eingesetzt.
Herausforderung Formenbau
Aufwendige Geometrien erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit den Negativformen jedes Objekts und die Herstellung komplexer Schalungen. Um eine perfekte Oberfläche zu erzielen, war die Fertigung einer großen Anzahl von Polyurethanmatrizen notwendig, die mit Unterstützung der Firma Kaupo erstellt werden konnten.
Bei der Präsentation der Konzepte wurde deutlich, dass das Thema Licht im Zusammenhang mit Beton bei zwei Teams eine entscheidende Rolle spielen würde – es war also wichtig, auch noch einen Spezialisten für Lichttechnik ins Team zu holen. Dieleuchten.com ist eine Firma mit hoher Fachkompetenz in der LED-Technik und konnte als Partner für das Projekt begeistert werden. Durch dieses Netzwerk kooperierender Firmen konnten die Studierenden unter professionellen Bedingungen experimentieren und ihren Entwurf mit den möglichen Herstellungstechniken abgleichen.
Die Realisierung ihrer Entwürfe im Maßstab 1:1 bewirkte bei den Designern einen enormen Lernprozess – erst jetzt wurde deutlich, welch logistischer und handwerklicher Aufwand sich hinter der Umsetzung ihrer Ideen verbarg. Dieser enorme Arbeitsaufwand war vergessen, als nach Aushärtung des Betongusses die Schalungen entfernt werden konnten und die fertigen Objekte endlich vor ihren Schöpfern standen! Dabei wurde die Besonderheit eines Gussprozesses unmittelbar erlebbar: Das Ergebnis einer langen Produktentwicklung wird erst ganz am Ende sichtbar.

Kompakt Material als Designimpuls
Studierende der Innenarchitektur setzen sich an der FH Mainz mit dem Potenzial verschiedener Materialien auseinander und werden dabei von Industriepartnern unterstützt. In den folgenden Ausgaben stellen wir entsprechende Designstudien zu Polystyrol und Mineralwerkstoff vor. www.materialimpuls.ia-mainz.de

Aktuelles Heft

Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 11
Aktuelle Ausgabe
011/2019

EINZELHEFT

ABO

MeistgelesenNeueste Artikel

dds-Zulieferforum

dds auf Facebook

dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »