Eindrücke von der Salone del Mobile 2018

Leichtigkeit des Seins

Die Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile ist ein Ereignis von hoher Strahlkraft, das im Frühjahr Designer, Möbelhersteller und Besucher aus der ganzen Welt nach Italien zieht. Jonathan Radetz war dort und stellt hier einige Lieblingsstücke vor.

Jonathan Radetz, Schreinermeister und Produktgestalter
www.jonoconcepts.com

Angekommen in Mailand liegt mehr als nur der Frühling in der Luft: Dass sich die Möbelindustrie nicht nur in Italien erholt hat und erneut mit einem Plus abschließt, spüre ich auf dem architektonisch reizvollen Messegelände an der positiven Stimmung unter den Ausstellern und Fachbesuchern. Tausende Menschen drängen wie durch das sprichwörtliche Nadelöhr in die verschiedenen Hallen: An den sechs Messetagen mit 434 509 Besuchern aus 188 Ländern letztlich 27 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Verschiedene gestalterische Impulse beeinflussen die Möbelbranche in diesem Jahr; es zeichnet sich dabei für mich kein klarer Trend ab. Design mit explizit kulturellem Hintergrund steht im Kontrast zu einer zunehmend angeglichenen Formensprache über alle Landesgrenzen hinweg – ob es sich um italienisches, deutsches oder skandinavisches Design handelt, ist kaum noch wahrzunehmen und spielt somit auch keine Rolle mehr. Re-Editionen sind weiterhin aktuell und werden von Kunden geschätzt, warme Farben und Materialien sind überall erkennbar; edle Hölzer, hochwertige Oberflächen, besonders gewebte Stoffe bereichern die Möbelkollektionen. Der Fokus meiner Auswahl liegt in diesem Jahr auf ablesbaren, leichten Konstruktionen und nachhaltiger Produktion.

Eine minimalistisch reduzierte Stuhlfamilie zeigte die japanische Möbelmarke Karimoku New Standard, entwickelt mit dem Designstudio Geckeler Michels. Mit dem japanischen Designstudio Nendo hat Fritz Hansen einen Armlehnstuhl geschaffen, der ähnlich stringent und dazu beeindruckend detailliert ist. Die japanische und die dänische Designtradition haben durchaus Gemeinsamkeiten! Meine volle Punktzahl für den Gesamtauftritt geht an Nikari – stimmig in der Form und handwerklich überragend, erhielten die Finnen für ihre kleine Kollektion zu Recht eine große Aufmerksamkeit. Einen originellen Tischbock gab es bei Sudbrock zu entdecken: Der »Berliner Bock« von Michael Hilgers verbindet gekonnt markanten Look, Innovation und Nachhaltigkeit, was ihm den Iconic-Award 2018 des German Design Councils einbrachte.

Möbel für die Zukunft

Die Salone Satellite ist eine von fünf Teilmessen der Salone del Mobile. Hier beantworteten 650 Designer unter 35 Jahren auf rund 2800 m2 Ausstellungsfläche die Frage, wie Möbel der Zukunft aussehen könnten. Für den internationalen Designnachwuchs ist das ein ideales Forum, auf sich aufmerksam zu machen und womöglich auch passende Projektpartner zu finden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die Salone Satellite hat sich auch unter den Herstellern als Kontaktbörse zu jungen Köpfen etabliert, die mit Biss, Humor und hoher Kreativität Neues schaffen. Frischzellen für die Möbelindustrie!


Steckbrief

Die 57. Ausgabe des Salone del Mobile lockte im April 434 500 Besucher aus 188 Ländern nach Mailand. 1841 Aussteller aus 34 Ländern bespielten 210 000 m2 Nettoausstellungsfläche. Auf der Teilmesse Salone Satellite für Nachwuchsdesigner unter 35 Jahren stellten 650 Designer aus. Die nächste Salone del Mobile findet vom 9. bis 14. April 2019 statt.

www.salonemilano.it

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