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Appia Bench: Sitzbank aus über 100 Holzkugeln

Appia Bench: Sitzbank aus über 100 Holzkugeln
Hexagonale Herausforderung

Die »Appia Bench« von Philipp Diehl ist eine Bank mit einer Sitzfläche aus über 100 Holzkugeln. Die Schwierigkeiten beim Bau lauerten, wie so oft, an Stellen, an denen man sie nicht vermutet.

Die Via Appia ist eine antike Straße der Römer, die von Rom nach Süditalien führt. Mit ihrem kugeligen, kopfsteinähnlichen Steinpflaster ist sie Inspiration und Namensgeberin für meine zweite Sitzbank in einer Serie von technischen Experimenten.

Die Sitzfläche der »Appia Bench« sollte geschlossen sein. Das setzt voraus, dass die Kugeln nahe aneinanderrücken. Die erste Methode, die ich in Erwägung zog um das zu realisieren, war das Einfräsen von konkaven Mulden, an die die benachbarten Kugeln andocken. Da mir jedoch der Kugelkopffräser mit der passenden Größe fehlte, verwarf ich diese Idee.

Stattdessen verfolgte ich die Methode der Hexagon-(= Sechseck)schnitte. Hier musste ich nur an jeder Kugel Segmente abschneiden, die es erlauben, die Kugeln hexagonal zusammenzusetzen. Um diese Schnitte präzise und reproduzierbar zu machen, habe ich die »Hexagondrehbank« entwickelt. Sie erlaubt es, die Kugeln fest einzuspannen und exakt um 60° zu drehen. Bei jeder Arretierung entfernt die Kappsäge ein Kugelsegment und legt so eine Kontaktfläche frei. Zum Spannen haben sich Skateboardrollen als sehr hilfreich erwiesen. Die Arretierung in 60°-Schritten ermöglicht eine gekonterte Mutter, die seitlich festgedrückt wird.

Nun stellte sich aber heraus, dass die Kugeln, die ich vorgefertigt gekauft hatte, nicht perfekt rund sind. Das fällt zunächst nicht auf, da die Abweichungen minimal sind. Für dekorative Zwecke, für die die Kugeln wahrscheinlich gedacht sind, ist das kein Problem. Wenn man allerdings eine Sitzfläche damit bauen will dann macht sich dies bemerkbar. Die Kontaktflächen, die auf der Hexagondrehbank entstehen und später die Kugeln verbinden, sind unterschiedlich groß. Dort, wo die Holzkugel über die Idealform einer Kugel hinausragt, wird die Kontaktfläche größer, bei Unterschreitung entsprechend kleiner. Das macht sich bemerkbar, sobald man die Kugeln zusammensetzt: es entstehen unschöne Stufen.

Insgesamt ein irrsinniger Aufwand, denn ich musste einen Rahmen bauen, mit dem ich jede einzelne Kugel in der Höhe verfahren konnte. Denn erst so konnte ich erreichen, dass jeweils die oberen Ränder zweier Kontaktflächen auf einer Höhe sind und die Stufe verschwindet. Perfektionismus ist ein Segen! Aber ab einem gewissen Punkt nimmt man fast alles in Kauf. So lässt sich zumindest auf der Oberseite der Bank ein halbwegs vernünftiges Muster erzeugen. Die Unterseite sieht dann eher aus wie Kraut und Rüben.

Der Rahmen diente allerdings auch als Anpressvorrichtung der Kugeln beim Verleimen, die ich zuvor in Längsrichtung mit Gewindestangen verbunden habe. Die Origin von Shaper half mir, wie schon bei der Atlas Bench, beim Fräsen der Aufnahmen der Beinrahmen, die ich aus Flachstahl zusammengeschweißt habe. Verschraubt wurden sie direkt an die Gewindestangen, sodass zusätzlich zur Längsfixierung der Kugeln auch eine Querfixierung erreicht wurde.

Ob die Bank nun wie ihr Vorbild die Zeit überdauern wird, muss sich noch zeigen. Ihre Lasten trägt sie schon mal zuverlässig. Und es lässt sich gut darauf verweilen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht von der Atlas Bench gelernt habe (siehe dds 1/2021).


Philipp Diehl ist M.Sc. in Produktdesign und Prozessentwicklung. In dds stellt er in loser Folge Projekte aus seiner Werkstatt vor. Einige seiner Arbeiten sind auch auf Instagram zu finden: @philipp_._diehl.

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