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Feinstes Holzwerk

Wooden Textiles von Elisa Strozyk
Feinstes Holzwerk

Elisa Strozyk lässt die Grenzen zwischen Holz und Stoff gänzlich verschwimmen und verhilft Räumen und Möbeln zu außergewöhnlichen Oberflächen und effektvollen Erscheinungen.

Henriette Sofia Steuer, freie Journalistin

Holz hat mich interessiert, sagt die Designerin rückblickend über das Abschlussprojekt ihres Masterstudiums 2009, bei dem sie die Frage stellte: Kann man Holz und Textil verbinden? Das Experiment gelang! Ein textiles Trägermaterial nimmt Furnierelemente auf und lässt so ein bewegliches, noch nicht dagewesenes Material entstehen, das sich je nach Geometrie der Furnierteile auf unterschiedliche Weise immer neu dreidimensional verformen lässt. Als die junge Textildesignerin ihr Projektergebnis — Wooden Textiles — vorstellt, sind die Professoren fasziniert. »Manch einer stand lange am Material«, berichtet Elisa Strozyk. Auf die Frage, wann ihr klar gewesen sei, dass sie mit diesem Material weiterarbeiten wolle, stellt sie fest: »Ich hatte kaum eine andere Chance.« Schon früh präsentiert sie ihren Entwurf auf der Mailänder Möbelmesse und begeistert Modedesigner wie Architekten gleichermaßen.

Es folgten Einladungen zu Designwettbewerben und die erste Zusammenarbeit mit der Tischlerei Böwer, die den Wooden Carpet hervorbringt. Nach und nach kommen Produkte wie Decken und Lampenschirme hinzu, aber auch Kooperationen mit Modedesignern und Architekten bringen bereichernden Input. So entstand etwa in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro OMA für ein Ladenbauprojekt in Paris ein Vorhangdesign mit transparentem Trägerstoff, dessen filigrane Furnierarbeit ein eindrucksvolles Licht- und Schattenspiel hervorbringt.

Ein Material — vielfältige Gestalt

Eindrucksvoll sind auch Elisa Strozyks Möbelprojekte wie der Septagon-Barschrank. Das skulpturale Möbel von Sebastian Neeb ziert eine Tür, die einem Holzkristall gleicht. Das Wooden Textile wird hier so im Rahmen fixiert, dass sich die Struktur ohne weitere Unterkonstruktion selbst hält. Das Schöne bei jedem dieser Projekte sei, dass Holz nicht an Wert verliere.

Darüber hinaus gilt für die Designerin: »Wooden Textiles ist noch nicht ausgeschöpft – es wird nie langweilig«, denn es lässt sich jede Komponente frei gestalten. Ganz nach Kundenwunsch sind Muster, Furnierschnitt (gelasert), Transparenzgrad, Holzart (möglichst regional) und Farbe (meist gebeiztes Ahornfurnier) frei kombinierbar. Je nach Anwendung bleibt das Holz unbehandelt oder wird geölt. Jedes Stück eine passionierte Handarbeit, die bei größeren Aufträgen, etwa für Hotels, bis zu fünf Helfer nötig macht. »Das Kleben der Furnierstücke auf den Stoff ist das Zeitaufwendigste an der Produktion, aber auch eine meditative Arbeit, die ich nach all den Jahren noch immer selbst gerne mache. (…) Ich finde dabei oft schade, dass ich meine Produkte nur hochpreisig anbieten kann, aber es wird Zeit und Arbeitskraft investiert und das ist eine Qualität, die man spüren kann«, sagt Elisa Strozyk und verrät, dass sie gerne einmal etwas für Film oder Theater anfertigen würde.

Parallel zu den zahlreichen Wooden-Textiles-Projekten, entstanden Arbeiten aus Keramik und Glas, denen allesamt die Haltung ihrer Schöpferin zur Gestaltung und zum Entwurf eint: »In einer Zeit, wo viele nur noch Screenoberflächen berühren, geht es mir um Haptik und darum, den Reiz auszulösen, etwas anfassen zu müssen, um es verstehen zu können. Und darum, scheinbare Gegensätze wie hart und weich auf neue Art zu verbinden.«


Steckbrief

Elisa Strozyk studierte Textil- und Flächendesign in Berlin und London. Ihre Arbeiten finden sich in Stores und Hotels weltweit sowie auf zahlreichen Messen und im Victoria & Albert Museum. Seit 2021 ist sie Gründungsmitglied von Matter of Course.

www.elisastrozyk.com

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