Möbel

Ein Beitrag zur Kultur

Der Wettbewerb Handwerk+Form des Werkraums Bregenzerwald mündet alle drei Jahre in eine bemerkenswerte Ausstellung, welche die Ergebnisse der Zusammenarbeit von Gestaltern und Handwerkern zeigt. dds war im Oktober 2015 in Andelsbuch vor Ort.

Sicher mangelt es den Werkraumbetrieben nicht an eigenen Ideen – trotzdem rufen sie alle drei Jahre Gestalter aus dem In- und Ausland dazu auf, mit ihnen gemeinsam neue Produkte zu entwickeln. Verfolgt man die Namen der Beteiligten über mehrere Wettbewerbe hinweg, haben sich bereits bewährte Allianzen herausgebildet und nicht selten kommen die Ideen aus dem eigenen Betrieb. Wozu dann noch einen aufwendigen Wettbewerb organisieren? Ohne Zweifel ist das alle drei Jahre wiederkehrende Ereignis der Anstoß, sich selbst in die Pflicht zu nehmen, sich aus dem Alltag des Berufes ein Stück herauszulösen und Gedanken zu denken, die ohne einen solchen Anlass wohl nicht gedacht würden. Die Pflege einer solchen Institution dient allen Mitgliedern. Nur so ist verständlich, mit welchem Aufwand, welcher Liebe und Tatkraft man immer wieder ans Werk geht, Stadel und Werkstätten über den ganzen Ort Andelsbuch verteilt in Bühnen zu verwandeln und Besucher an sechs Tagen auf einem ausgeschilderten Parcours von Objekt zu Objekt zu führen.

Die den ausgestellten Erzeugnissen überwiegend eigene Ästhetik des Einfachen spricht den Betrachter unmittelbar an: nicht einen Schrank, einen Stuhl oder Tisch sehe ich hier, vielmehr den Schrank, den Stuhl, den Tisch an sich. Urbilder der Handwerkskunst in zeitloser Gestalt anstelle von modischen Produkten für Verbraucher, darin liegt die Magie der Exponate. Untrennbar dazu gehört der Glaube an die Einsicht der Handwerker und auch ihrer Kunden an den Wert solcher Produkte – denn billig können Werte nicht sein. Es wäre ein falscher Eindruck, dass die Betriebe des Werkraums von den hier gezeigten Produkten leben, handelt es sich doch um Unternehmen, die wie ihre Kollegen in Deutschland und der Schweiz im täglichen Wettbewerb um Aufträge bestehen müssen. Dennoch erbringt der Werkraum mit »Handwerk und Form« den Beweis, dass es sich lohnt, einer Idee zu folgen, auch wenn und gerade weil die Welt draußen anders tickt: Durch den Wettbewerb tritt für eine Zeit der Dialog an die Stelle der Konkurrenz, erweitert der gegenseitige Austausch den Horizont und kann sich der Einzelne als Teil eines Ganzen erleben.

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dds-Redakteur Johannes Niestrath verfolgt bereits seit einigen Jahren die Arbeit des Werkraums Bregenzerwald und ist beeindruckt von dem erfolgreichen Engagement für eine zeitgemäße Handwerkskultur.

Steckbrief

Der Werkraum Bregenzerwald ist ein Verbund selbstständig wirtschaftender Betriebe unterschiedlichster Gewerke aus dem Bregenzerwald, darunter sind allein 26 Tischlerbetriebe.
Der Wettbewerb Handwerk+Form bringt alle drei Jahre Designer aus dem In- und Ausland mit Betrieben des Werkraums zusammen, um die Entwicklung marktreifer handwerklicher Produkte zu fördern. Der nächste Wettbewerb findet 2018 statt.

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