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Der Goldkurs steigt

Möbel
Der Goldkurs steigt

Auf dem Salone Internationale del Mobile bleibt der Trend, Möbel als Investitionsgüter zu betrachten. Edle Oberflächen werten dabei manch bekanntes Produkt auf. Jonathan Radetz hat sich in Mailand für uns als Trendscout auf die Suche gemacht.

Über Traumwelten und Geschichtenerzähler: Ein Tisch ist nicht nur ein Tisch, sondern er soll eine Geschichte erzählen. Bei Entwurf und Fertigung haben sich Menschen dazu Gedanken gemacht. Das Resultat ist der Tisch und seine Geschichte über Material, Herstellung und Form. Durch das Geschichtenerzählen sollen sich Produkte von der Massenfertigung abheben, selbst wenn das Stück oder Komponenten in Massen gefertigt werden. Wenn man die Geschichte in den Vordergrund stellt, Produkte dazu entstehen lässt und dieses in aktuellen Farben präsentiert, entstehen Möbel wie aus Traumwelten. So findet man nicht nur sehr minimalistische Produkte und Messestände in Mailand, sondern auch Betten, Spiegel und andere Möbel wie aus einer fremden Welt oder Zeit.

Auch wenn einige der skandinavischen, italienischen und amerikanischen Möbel, die zwischen den 40er- und 60er-Jahren entstanden, bereits in Museen verstauben, so ist der Trend der Re-Edition präsent. Entwürfe bekannter Designer werden aus den Schubladen gekramt und vorgestellt. Das spricht für die Zeitlosigkeit der Entwürfe, aber auch für die Forderung nach bestehenden Werten.
Viele Premiumhersteller versuchen mit langlebigen Produkten Kunden zu binden. Sie präsentieren Wohnwelten und weniger Einzelprodukte. Passend zum Tisch gibt es einen Stuhl und im Jahr darauf auch eine Leuchte mit der man diese Sitzgruppe vervollständigt. Hohe Erwartungen an Qualität und Nachhaltigkeit bleiben in diesem Preissegment bestehen.
Im Gegensatz dazu sind viele farbenfreudige, fast modische Möbel zu sehen. Es ist schön, dass sich wieder mehr zu Farbe bekannt wird. Oftmals geht es darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Verkauft wird dann doch wieder alles in Schwarz und Weiß. Doch wie Farbe und Material zu Einem wird, lässt sich bei Kupfer und anderen metallenen Farbtönen feststellen. Zwischen beschichtetem und lackiertem findet man immer wieder echtes Kupfer, ohne das Gefühl, dass Material imitiert werden soll. Alleine durch Farbe lässt sich eine Wertigkeit kommunizieren. Nach dem Erfolg des letzten Jahres ergänzte wiederum ein Handwerk-Workshop das Geschehen. Die Besucher und Teilnehmer sollen an den Entwicklungsprozessen von Produkten nicht nur beteiligt werden, sondern verstehen, welchen Weg viele Produkte gehen, bevor sie im Laden stehen. Nicht selten spielt das Material und das Herstellverfahren eine große Rolle dabei. Öfters dominiert das Material als Inspirationsquelle die Kreativen. Es zeigt sich, dass auch handwerkliche Traditionsbetriebe wichtig sind für die serielle Fertigung. Vor allem dann, wenn sie sich der Forderung nach neuen Möglichkeiten in der Produktion nicht verschließen, sondern in der Lage sind, diese mit der handwerklicher Tradition zu vereinen. Ökologie und Nachhaltigkeit haben nicht an Bedeutung verloren, auch wenn diese nicht so offensichtlich im Fokus stehen. Grüne Pflanzen-oasen als Messestandkonzept versuchen eine Naturverbundenheit zu vermitteln. Materialien und Farben treten beim Messestand-Design in den Vordergrund. Strukturen künstlerischer Art gliedern Raumbereiche und ersetzen Messewände. Auf dem Messestand von Moroso musste man die Produkte in einem Labyrinth von hölzernen Messeständen suchen. Der Stand war so gut besucht, dass das Konzept nicht aufgehen konnte, da man sich nicht wirklich frei bewegen konnte. Als Gesamtkunstwerk war es jedoch sehr schön anzusehen.
Manch bekannter Hersteller findet sich nicht mehr auf der Messe, sondern in eigenen Showrooms oder temporären Ausstellungen in der Stadt. Anreiz, die in Mailand verteilten Ausstellungen zu besuchen, bieten lange Öffnungszeiten, Häppchen und alkoholische Getränke, sodass nach dem anstrengenden Messebesuch das Abendprogramm der DesignWeek in die Stadt lockt. Wer genügend Zeit für die Möbelmesse einplant, kommt auf keinen Fall an einem Besuch der Zona Tortona vorbei. Tagsüber kann man gemütlich durch das Viertel schlendern und sich die vielfältigen Präsentationen ansehen, nach Messeschluss füllen sich die Straßen mit Menschen, oft so sehr, dass die Polizei die Straßen für den Verkehr sperrt – dann gehört der Stadtteil den Design-Begeisterten. Die Endkunden können sich auf abwechslungsreiche, farbenfrohe und teilweise goldene Objekte freuen. Minimalistische bis extravagante, fast schon verträumte Formen werden den Markt bereichern.

Steckbrief

Der Salone del Mobile in Mailand (8. bis 13. April) verzeichnete über 350000 Besucher aus 160 Ländern. 2015 öffnet die Messe vom 14. bis 19. April ihre Tore.
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