Vorbilder für das massive Bett vom Tischler

Das Runde und das Eckige

Kai Stania hat für Team 7 das Bett »Float« entworfen, das Designerduo Kaschkasch stellt bei den Müller Möbelwerkstätten eine Variante des Bettes »Flai« in massiver Eiche vor. Trotz grundsätzlicher formaler Unterschiede gibt es auch Gemeinsamkeiten zu entdecken. Zwei Vorbilder für das massive Bett vom Tischler.

Float und Flai klingen nicht nur lautmalerisch ähnlich, beide Namen bezeichnen schwebend anmutende Massivholzbetten: Float von Kai Stania für Team 7 ist horizontal durch eine umlaufende Fuge gegliedert. Sie unterstützt die scheinbar schwerelose Streckung des Bettrahmens in den Raum als Spiegelachse zwischen den L-förmigen Wangen und ihrer Verbindung am Fußteil über mit großem Radius gerundete Ecken. Ganz anders steht Flai von Kaschkasch im Raum. Zur IMM Cologne 2016 hatten die Müller Möbelwerkstätten eine Version in weiß beschichteter Multiplex vorgestellt, nun folgt eine Ausführung aus massiver Eiche in identischer Plattenbauweise. Klare Kante ist Trumpf, gediegene Rundungen vermisst bei diesem Entwurf niemand, auch wenn sich die Schienbeine mit den entschärften Ecken von Float leichter tun. Flai wirkt in massiver Eiche schwerer als in weißer Multiplex, dennoch schwebt auch dieses Bett durch die nicht sichtbaren Füße wie auf einem Luftkissen. So recht will der Zuwachs an optischer Gemütlichkeit trotzdem nicht zu diesem Entwurf passen.

Vergleichende Anatomie
Bei Team 7 wie den Müller Möbelwerkstätten ist der Plattenbau das vorherrschende Konstruktionsprinzip. In Massivholz ausgeführt, löst das bei Tischlern und Schreinern alter Schule gerade noch Unbehagen aus, wenn auch mit fallender Tendenz – Leimholzplatten oder solche, die sich in dieses Gewand kleiden, selbst wenn sie anders aufgebaut sind, entsprechen immer mehr der Sehgewohnheit im Möbelbau. So ist auch die Stirnseite des massiv ausgeführten Betthauptes bei Float stumpf als Platte aufgesetzt. Der optisch und konstruktiv sinnvolle Versatz der Platten bei Flai wirkt hier im Detail stimmiger.
Das Bett Flai ist auch ohne Betthaupt erhältlich. Die Kombination mit höheren Matratzen ermöglicht bei Float die für Boxspringbetten typische Anmutung mit hoher Sitzkante: Durch unterschiedliche Höhen der Häupter in Holz, Stoff oder Leder bleiben diese dennoch gut sichtbar und bewahren die Eleganz des Bettes. Flai dagegen profitiert von der Einfachheit der Konstruktion, ist das jugendlichere Möbel und dazu angetan, Funktionalität gepaart mit Klarheit in den Raum zu bringen. Die IMM Cologne eignet sich eben auch zur vergleichenden Anatomie! –JN

Steckbrief

Die Müller Möbelwerkstätten in Bockhorn stellen nach Entwürfen externer Designer Möbel in klarer Formensprache her. darunter etwa die Stapelliege von Rolf Heide.
Das österreichische Unternehmen Team 7 aus Ried zählt zu den renommiertesten Herstellern von Möbeln aus Massivholz im gehobenen Wohnsegment.

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