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Analog, digital und zurück

Möbelbauprojekt mit Innenarchitekturstudierenden an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Analog, digital und zurück

Ein kühnes Entwurfsprojekt von Prof. Klaus Michel mit Innenarchitekturstudierenden an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Wintersemester 2020/21.

Die Aufgabe: »Organisieren Sie sich zehn Stühle vom Straßenrand, Wertstoffhof oder Dachboden, die ruhig kaputt sein dürfen, und bauen Sie daraus drei neue.« Auf geht’s: Es wurde demontiert, demoliert, geschraubt und geklebt. Aus 100 Stühlen wurden so am Ende 30 neue! Durch Ausprobieren und Anpassen erarbeiten sich die Studierenden Kenngrößen eines Stuhls und entwickeln das Gefühl für Proportionen. Mit Unterstützung des Designers Konrad Lohöfener folgte darauf die konzeptionelle Transformation von drei Stühlen zu einem. Ging es vorher noch um das unvoreingenommene Experimentieren, stehen nun eine Idee und ein Konzept im Vordergrund – es wird über eine Woche hinweg intensiv diskutiert, geplant, verworfen, ausprobiert und improvisiert.

Von analog zu digital

Unter dem Motto »von analog zu digital« eignen sich die Studierenden diverse digitale Techniken an: Mit dem Artec 3D-Scanner werden die aus Fragmenten zusammengesetzten Stühle in digitale Polygonnetze übersetzt, aus denen dann im CAD-Programm Rhino bearbeitbare 3D-Modelle entstehen. Ein Workshop mit Henrik Bettels vermittelte die Grundkenntnisse in Rhino und Keyshot. Voran ging eine Einführung in die Möglichkeiten der digitalen Werkstatt auf dem Campus. Die digitalen Modelle der Stühle werden nun am Computer weiterentwickelt, Materialien und Fertigungstechnik sollten hierbei bereits mitgedacht werden. Wegen der Beschränkungen durch Corona konnte die digitale Werkstatt nicht genutzt werden, kursintern arbeiteten die Studierenden nun mit dem 3D-Scanner und dem 3D-Drucker weiter.

Von digital zu analog

Viele Hersteller bieten die CAD-Daten ihrer Stühle und Möbel kostenfrei zum Download an. Auch wenn sie als Polygonnetze, nicht als einfach veränderbare Volumenkörpern programmiert sind, eignen sie sich optimal für den digitalen Remix. Das bedeutet, Stühle der Hersteller im CAD zu vermengen, zu verformen und umzugestalten. Ziel war es, aus mindestens zwei Stühlen namhafter Hersteller einen eigenen Entwurf abzuleiten, sich der Vorzügen, Fertigungstechniken und Materialien bewusst zu werden und sie in einer eigenen Gestaltung zu kombinieren. Auf die analoge Rückübersetzung des digitalen Remix ins Analoge in den Werkstätten der Hochschule musste aufgrund von Corona weitgehend verzichtet werden.


dds-Redakteur Johannes Niestrath verfolgt die Möbelprojekte an der Burg Giebichenstein mit Begeisterung. Low-budget-Material und High-End-Ergebnisse illustrieren hier den kühnen Sprung von analog zu digital.

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