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Japanisch Wohnen

Gestaltung
Japanisch Wohnen

Bei neuen Holzhäusern geht es oft vorrangig um ökologisch einwandfreie Materialien und eine günstige Energiebilanz. Die Gestaltung ist selten innovativ. Ekkehard Gnadler stellt ein Gebäude vor, bei dem sich die Innenarchitektur zusätzlich zum hohen Wohnkomfort konsequent an räumlicher Qualität orientiert.

Der Bauherr wünschte sich ein Wohnhaus in japanischem Stil: In präziser Handschrift gestaltet sollten traditionelle Werte mit dem Wohnkomfort von heute verschmelzen. Die Grundzüge für den Entwurf einer parkähnlichen Anlage mit offener Raumkonzeption waren angelegt. Die wesentliche Aufgabe der Innenarchitektur lag darin, die vom Bauherrn beabsichtigten japanischen Metaphern zu thematisieren und den traditionell fließenden Übergang von Innen und Außen zeitgemäß umzusetzen.

Das Gebäude ist beispielhaft für das Prinzip, ein Haus von innen nach außen zu entwerfen. Ein räumlich gedachtes Raster als zentrales Element des Entwurfs betont alle Flächen und gliedert die tragende Konstruktion rhythmisch. Da dieses Raster nicht mit der ursprünglich geplanten Fassadenteilung übereinstimmte, wurde die Architektur überarbeitet – hier zeigt sich, dass es Sinn macht, den Innenarchitekten frühzeitig ins Boot zu holen.
Es entstanden harmonische Bezüge zwischen innen und außen. Die Raumteilung ist effizient. Alle Räume haben eine klar definierte Nutzung. Einbauschränke sind flächenbündig integriert und fallen kaum auf.
Die horizontalen Sprossen der Türen finden eine Fortsetzung im Innern der Schränke mit den Fachböden in gleicher Höhe und in den Fensterteilungen mit einem schönen Wechsel von Klarglas und sandgestrahltem Glas.
Japanische Vorbilder
Die japanischen Bautradition hat bereits vor Jahrhunderten Lösungsansätze des modernen Holzbaus umgesetzt. An dieser Baukunst orientiert sich das hier vorgestellte Gebäude.
Das Grundgerüst ist eine Pfosten-Riegel-Konstruktion ohne Diagonalen. Die Aussteifung wird über Wandscheiben und Wandwinkel erreicht. Massive Pfosten in der Dimension 100/100 mm sind in das horizontale Tragwerk von unten eingezapft.
Die 240 mm hohen Leimbinder sind mit 25 mm OSB-Platten beplankt. Auf Abstand gesetzte MDF-Platten bilden Deckenfelder zwischen den Leimbindern, in deren Hohlraum Technik und Beleuchtung integriert wurde. Hierbei zeichnen indirekte Lichtbänder die Tragwerkstruktur nach.
Die Struktur des Bauwerkes ist von jedem Innenraum aus erkennbar und nachvollziehbar. Auch die Innenwände sind aus diesem Grund flächenbündig zwischen das Tragwerk konstruiert. Den Übergang zum Tragwerk bilden 8 mm breite Schattenfugen. Die Wandflächen aus MDF sind bis zur Außenkante der Schattenfuge fein verputzt. Eigentlich waren für die Aufteilung des Innenraums Trockenbauwände vorgesehen. Eine so präzise Detaillierung wäre damit nicht möglich gewesen.
Die Einbeziehung des engagierten Bauherrn in die Planung erlaubte auch unkonventionelle Lösungen, besonders da, wo japanische Vorbilder mit hiesigen Normen in Einklang zu bringen waren.
Die Materialien
Für die Holzarbeiten kam weitgehend astfreie sibirische Lärche zum Einsatz. Die besondere Qualität dieses Holzes verbindet Tragwerk und Inneneinrichtung. Die Kombination der Lärche mit dunkler Mooreiche bildet einen schönen und kontrastreichen Dreiklang mit dem dunkelgrauen Theumaer Fruchtschiefer.
Alle Holzoberflächen sind mit einer Dünnschichtlasur mit hohem UV-Schutz behandelt worden. Die Lasur verändert die Haptik praktisch nicht, lässt das Holz aber etwas dunkler und wärmer erscheinen.
Der geflammte Schiefer ist rau; lediglich die eingearbeiteten Wannen für die Dusche und das Waschbecken sind fein geschliffen. Die mit Schiefer ausgekleideten Duschen sind eine Metapher für naturnahes Wohnen: Man steht wie in einer beregneten Felsennische.
Dokumentation
Das 4dstudio.net aus Hannover wurde mit der Dokumentation des Innenausbaus beauftragt. Die Agentur hat sich auf kompetentes Mediendesign für die Baubranche spezialisiert.
Hervorragende Fotos sind immer mehr als schöne Bilder. Sie fangen besondere Qualitäten des Raumes ein und dokumentieren die Leistungsfähigkeit der ausführenden Gewerke.
So wird aus einem Projekt, in das alle Beteiligten viel Arbeit investiert haben, eine aussagekräftige Referenz, die das Akquirieren neuer Aufträge erleichtern kann. Ekkehard Gnadler

Planung und Dokumentation
Entwurf & Planung:
Innenarchitekt E. Gnadler, Stralsund
Fotografie:
Architekt M. Kirchner, Hannover
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