Außergewöhnliches Türenprojekt für Sambia

Zu Gast bei Löwe und Elefant

Der Auftraggeber in San Francisco, die Partnerschreinerei in Südafrika, die Lieferung nach Sambia, die Grundstoffe aus Afrika, der Schweiz und Australien. Dieses internationale Projekt forderte viel Expertise, Schweiß und Mut vom Team der Schreinerei Schuster.

Das Telefon klingelt – die Vorwahl zeigt Südafrika an: Was folgt ist einer der spektakulärsten Aufträge in der über einhundertjährigen Geschichte von Schuster-Innenausbau aus dem schwäbischen Salach. Für einen angesehenen Investor aus San Francisco sollen außergewöhnliche Türelemente für eine edle Ferienanlage in einem Nationalpark in Sambia kurzfristig produziert und geliefert werden.

Das Projekt verlangte insgesamt 58 flächenbündige Massivholztüren als Sonderkonstruktionen aus FSC-zertifiziertem Iroko. Ausgeführt mit Einfassungen und Individualbeschlägen in massivem Messing und Stofffüllungen aus einem speziellen Canvas-Gewebe aus australischer Produktion. Das Projekt besteht aus zehn freistehenden Lodges im Safari-Campstyle und liegt malerisch gelegen direkt am Fluss in einem Nationalpark in Sambia. Die besonderen Umwelteinflüsse hinsichtlich Feuchtigkeit und Temperatur stellten eine große Herausforderung für den Auftrag dar.

Weltweites Netzwerk hilft

Doch vorneweg: Wie kommt es, dass aus Südafrika bei der schwäbischen Schreinerei angefragt und ein umfangreicher Türenauftrag angeboten wird, ohne über den Preis zu verhandeln? Es ist großes gegenseitiges Vertrauen und das Wissen um die professionelle Fertigungs- und Projektleitungskompetenz des anderen. Der Anruf kam von einer der absoluten Topschreinereien aus Kapstadt, Südafrika, die sich auf den Möbel- und Innenausbau fokussiert. Schuster Innenausbau wird von Schreinermeister Martin Schuster in vierter Generation geführt. Sohn Daniel, Jahrgang 1987, ebenfalls Schreinermeister, verweilte zu einem Praktikum in Südafrika. Er wurde dann schnell zum Projektleiter und Innenarchitekt für ein Villenprojekt in Kapstadt befördert und verlängerte sein Afrika-Engagement auf zwei Jahre. Daniel hat exklusives Design, kombiniert mit Einzigartigkeit im Detail verinnerlicht und setzt das inzwischen bei seinen Projekten im elterlichen Betrieb um. Der Kontakt zu den südafrikanischen Kollegen riss dabei nie ab.

Der Aufbau der Lodges war bei Auftragserteilung schon großteils abgeschlossen, selbst die Möblierung aus südafrikanischer Tischlerhand war geliefert, nur die aufwendigen Türelemente fehlten noch – und ein Besichtigungstermin des Bauherren war angesetzt.

Nachhaltig und tropentauglich

Herausfordernd war nicht nur der Termindruck. Wie verhält sich etwa das vorgesehene Iroko-Holz nach der Verarbeitung in Württemberg später nach dem Einbau im tropischen Klima? Wer liefert überhaupt das sehr rare FSC-zertifizierte Iroko in der Menge von 13 m³? Solches gehört zum nachhaltigen Anspruch der Schusters und auch zum Anspruch des Auftraggebers. Der Bespannungsstoff der Türfüllungen sollte identisch mit dem der Dachkonstruktionen der Lodges sein. Die Beschläge waren individuell aus Messing anzufertigen. Variierende Türelemente wurden erarbeitet und durchkonstruiert. Die Holzauswahl aus insgesamt sieben Iroko-Stämmen erfolgte sehr sorgfältig und verschnittoptimiert. Um einem Verziehen der Massivholztüren vorzubeugen, wurden alle Türfriese dreilagig aufgebaut und mit einem speziellen PU-Leim aus der Schweiz verklebt. Gerade für ölhaltige Hölzer wie Iroko ist die Leimauswahl relevant, um bei den Schwankungen der Temperaturen und Luftfeuchtigkeit die notwendige Qualität zu garantieren. 3D-Tectus-Bänder von Simonswerk wurden für eine komfortable Montage vor Ort eingeplant.

Australien – Salach – Sambia

Die langjährige CNC-Kompetenz auf der 5-Achs-Maschine half schnell und effizient, die Elemente zu fertigen. Eng wurde es dann kurz vor dem angesetzten Transporttermin. Erst montags traf das australische Leinentuch (Canvas der Zeltdachkonstruktionen der Lodges) für die Türfüllungen ein, wurde verarbeitet und am Donnerstag, nach Abnahme durch den Zoll, gingen die Bauelemente sorgfältig vakuumiert und verpackt auf die 7 500 km lange Reise nach Sambia.

Unvergleichliches Afrika-Abenteuer

Bereits am Sonntag dann in Sambia, nach der Landung, das Umladen der Transportboxen mit einem Bagger auf urwaldstraßentaugliche Pick-ups und die Verteilung auf die zehn Lodges. Die Vorortsituation war ein eigenes Abenteuer für sich: Auf 1500 m Wegstrecke verteilen sich die zehn Gästeresidenzen, verbunden über Naturwege. Auf diesen legten Projektleiter Daniel und sein Mitstreiter Markus täglich 14 km Wegstrecke zurück beim Betreuen der südafrikanischen Montageschreiner – ohne Schutzzaun oder bewaffnetem Guide zwischen Elefanten, Nilpferden oder auch gerade einmal 300 m entfernt von einer Löwin, die einen Springbock als Mahlzeit reißt. Doch entschädigt wurde dieser Nervenkitzel durch die unvergesslichen Naturszenen am Fluss von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Und von dem superfreundlichen Serviceteam aus dem nahen Fischerdorf, das der Auftraggeber für eine vorzügliche kulinarische Verköstigung am Fluss anheuerte.

Die Schusters freuen sich derweil schon auf den nächsten internationalen Auftrag. Und bereiten für ihr Schreiner- und Azubiteam den Praktikaaustausch mit den südafrikanischen Schreinerkollegen vor.


dds-Redakteur Hubert Neumann liebt eigentlich das Reisen und Abenteuer rund um den Erdball. Allerdings wenige Meter neben freien Elefanten, Nilpferden und Löwen Türen zu montieren wäre nicht sein Traumjob.


Steckbrief

Schuster Innenausbau
Zehn Mitarbeiter, 73084 Salach
www.schuster-innenausbau.de

Den Schusters ist der ökologische Aspekt auch außerhalb des FSC wichtig. Deshalb suchen sie nach Ausgleichsprojekten für das bei dem Projekt entstandene CO2 und sind kurz vor einer Beteiligung an Aufforstungsprogrammen.


Martin SchusterSchreinermeister und Geschäftsführer

»Unsere gesamte Schreinerei ist enorm an diesem inter- nationalen Projekt gewachsen!«

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