Hochwertiger Ladenausbau eines Frankfurter Optikers

Zelebrierter Luxus

Die Ludwig-Oehm-Sehmanufaktur verkauft in der Frankfurter City hochpreisige Brillen an statusbewusste Kunden. Die Tischlerei Oscar Möbel & Objekte von Urs Bauer hat dafür ein Interieur geschaffen, das dem Anspruch der Exklusivität angemessenen Ausdruck verleiht.

Jörg Zinsser, Tischler und Journalist

Nicht für Jedermann – das ist die klare Ansage im Geschäftskonzept der Sehmanufaktur Ludwig Oehm. Meterlange Brillenregale gibt es hier nicht, stattdessen edle Designerstücke, einzeln präsentiert auf kreisrunden Tabletts, umrahmt von einem Ring aus Schwarzstahl, punktförmig angestrahlt wie Stars auf einer Bühne. Persönliche Stilberatung unterstützt den Kunden bei der Auswahl: Wer einen Termin hat – man könnte fast sagen eine Audienz – kann vorab ein Foto schicken und bekommt dann eine kleine, aber umso exklusivere Auswahl weniger Brillenmodelle vorgelegt. Deren Preise benötigen im Regelfall vier Ziffern zu ihrer Darstellung.

So gehoben die Leistung, so gediegen muss die Umgebung sein, in der sie verkauft wird. Tischlermeister Urs Bauer, erfahren in dieser Art von Projekten, hat für Oehm eine Mischung aus Haute-Couture-Studio und Hightech-Labor gebaut.

Hightech und Slow Design

Der Manufakturgedanke, eigentlich eher rückwärtsgewandt, musste in einen Zusammenhang gebracht werden mit dem augenheilkundlichen State-of-the-Art. Der Grundriss des Geschäfts in der Frankfurter Stephanstraße, unweit der Zeil, schien zunächst eher ungünstig: ein lang gezogenes Rechteck, eher zu groß als zu klein, mit schmaler Front zur Straße und wenig Tageslicht. Jetzt teilt eine gläserne Trennwand den Raum: Hinten das Labor mit modernster Optikergerätschaft, strahlend hell erleuchtet; vorne eine Wohlfühlzone, dominiert von warmen Holztönen, Grau, Schwarz, mit einem ausgefeilten Lichtkonzept. Hier werden die edlen Gestelle zelebriert wie die Gänge eines Sternemenüs. Vier frei stehende Stelen, Altäre fast, aus massivem Rüster dienen dazu, die Brillen einzeln zu präsentieren – jedes Modell liegt auf einem runden, aus der Stele herausnehmbaren Tablett. Der runde Tisch, an dem der Kunde sitzt, ist mit schwarzem Leder bespannt und steht auf einem runden (Achtung, Leitmotiv), hochflorigen Teppich. Halbtransparente Vorhänge umrahmen den Auftritt der Brille, die Warendisplays umgeben den Raum wie Kulissen. Wie in einem Filmstudio hängen die Leuchten von einer schwarzen Decke. Die Spiegel sind mit Lichtbändern umrahmt wie in einer Künstlergarderobe. Die Beratungsinseln haben Lounge-Charakter und werden auch so genutzt: Hier sitzt der Kunde, sollte er warten müssen, entspannt wie in einem Café.

Praktische Aspekte

Neben dem Kult des Teuren gab es auch ganz pragmatische Vorgaben: der Laden ist meist nur mit einer einzigen Person besetzt. Ihr Job ist unter anderem die Überwachung der Auslage – man glaubt es kaum, bei der Klientel –, sodass freie Sicht durch den Raum erforderlich war. Auch deshalb besteht die Labor-Trennwand aus Glas. Sie trägt in mittlerer Höhe eine Bande aus Spiegeln, unterbrochen durch Monitore, die nach der Frontseite hin Werbung zeigen, nach der Rückseite hin der Arbeit des Optikers dienen.

Für die Kastenmöbel wählte Urs Bauer einen Rüsterstamm, der eigentlich zu rissig war für edle Schreinerarbeit. Doch passend zum Authentizitätstrend wurden die Risse schwarz gespachtelt, wodurch eine spannend akzentuierte, durch Öl angefeuerte Oberfläche entstand. Nun allerdings, da der Stamm nicht reichte, musste man rissigen Rüster dazukaufen.

Erfolgsrezept Inhouse-Architektin

Die Tischlerei Oscar hat den Ausbau als GU aus einer Hand angeboten. Die Architektin, Kerstin Heider, ist als feste Oscar-Mitarbeiterin sehr nahe am Geschehen – ein Vorteil, auf den Urs Bauer großen Wert legt. Die Gestaltungsexpertin betreut die Kunden von Anfang an in direkten Gesprächen und übersetzt deren oft vage Vorstellungen in Entwürfe, die ihre Wünsche konkretisieren und ihren Emotionen entsprechen. Erfolge geben dem Oscar-Team recht: Die Oehm-Sehmanufaktur wurde auf der Optikermesse Mido in Mailand für den weltweit bestdesignten Shop des Jahres 2018 ausgezeichnet. Urs Bauer sieht darin den Beweis, dass man auch als Handwerksbetrieb, ohne Stardesigner und den Millionenetat eines Großinvestors, gestalterisch in der ersten Liga spielen kann.


Kerstin HeiderArchitektin bei Oscar

»Kein Projekt ist wie das andere, jedes erfordert
einen eigenen Ansatz«