Innenausbau

Wie Schreiner wohnen

Dritter Stock Altbau, Münchener Innenstadt: Hier wohnt seit 18 Jahren Schreinermeister Andreas Küper mit seiner Familie. Für dds öffnet er seine Privaträume – ein Besuch.

Kurze Wege zur Werkstatt, zum Einkaufen, zum Konzert: Andreas Küper und seine Frau, eine Ärztin mit eigener Praxis im Stadtviertel, entschieden sich zum Wohnen bewusst für die Innenstadt. Nicht nur die Vierzimmer-Altbauwohnung befindet sich in zentraler Stadtlage, sondern auch die eigene Schreinerwerkstatt, und zwar im Obergeschoss eines Gewerbebaus. Seine Kunden wie auch die Patienten seiner Frau kommen aus München, und so sind beide nah bei den Menschen, mit denen sie beruflich zu tun haben. Das ist ihnen ebenso wichtig, wie das kulturelle Angebot und die Architektur des historischen Stadtzentrums.

Nach dem Auszug eines der Kinder wurde ein Kinderzimmer zum Arbeitsraum umgestaltet, in dem Andreas Küper vor allem dem kreativen Teil seines Berufs nachgeht. Hier entwirft, skizziert und zeichnet er die Möbel, die er später in seiner Werkstatt anfertigt. Kreativität ist auch zentrales Thema im Leben der übrigen Familie – in Form von Kunst und Musik. An den Wänden finden sich Gemälde moderner Künstler, und die Familienmitglieder musizieren mit Leidenschaft – das Klavier im Wohnzimmer bleibt selten geschlossen.
Zeitloser Grundriss
Der schnörkellose Grundriss ist wie geschaffen für eine Familie mit heranwachsenden Kindern. Gute Proportionen zeichnen die vier gleichberechtigten, großen und hellen Räume aus, die vom Flur aus abgehen. Zur repräsentativen Altbauatmosphäre tragen die Raumhöhe von 2,80 Metern bei, das alte Eichenholzparkett und die Türen mit den Kassettenrahmen. Alle Räume scheinen eine Geschichte zu erzählen – man spürt, dass sie bereits mit Leben unterschiedlichster Art erfüllt waren.
Spuren vergangener Nutzung
Dem Paar gefällt, dass Spuren vergangener Nutzung, zum Beispiel am Parkettboden, sichtbar sind. Den breiten und langen Flur empfinden sie als besonderen Luxus, hier haben ein Wandregal und eine Sitzbank aus massiver, geölter Eiche Platz. Zur Wohnung gehört auch die an die Küche grenzende Speisekammer und ein großer, holzgedeckter Küchenbalkon mit Blick in die Grünanlagen.
Zentrum des Familienlebens ist die gemütliche Wohnküche, die mit Ausnahme der Stühle komplett aus der Hand von Andreas Küper stammt. Den quadratischen Küchentisch aus massivem Ahorn, dessen Platte nur mit Kernseife behandelt ist, und die lange Bank aus Multiplexleisten mit der leicht geschwungenen Sitzfläche hat der Schreinermeister selbst entworfen. Die Form der Bank gestaltete er mit einem gebogenen Metallstück – die Idee dazu kam ihm beim Spiel mit Büroklammern.
Die gesamte Wohnung ist geprägt von sorgfältig platzierten Einzelmöbeln. Für Andreas Küper ist der Raum selbst das Wesentliche, und um ihn optimal zur Geltung zu bringen, wählte er für seine Möbel einfache Formen, die das Material Holz in den Vordergrund rücken.
Einzelmöbel mit Geschichte
Fast alle Möbelstücke der Wohnung hat Andreas Küper selbst entworfen und gefertigt. Auch sein Meisterstück, ein Schreibsekretär aus Kirschbaumholz und im Stil ähnlich der Shaker-Möbel, gehört mit dazu. »Mein Selbstverständnis als Schreiner ist es, nicht ständig Möbel auszutauschen, um dem Zeitgeist zu folgen, sondern mit meinen vertrauten Möbeln zu leben. Sie gehören zu mir, und jedes Stück hat seine Geschichte«. Die Wohnung von Andreas Küper lässt diese Geschichten spürbar werden.
Bettina Rühm Dipl.-Ing. Architektur und Fachautorin

Hintergrund
Möbelschreinerei Andreas Küper
Seit 1980 Schreinermeister, seit 1982 mit Diplom für Gestaltung und Betriebswirtschaft der Meisterschule München
Betriebsgröße: 300 m², 4 Mitarbeiter, Leistungsspektrum: Entwurf und Ausarbeitung individueller Einzelmöbel und Innenraumeinrichtungen

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