Männerloft in einer Holzbauhalle

Wenn Vater und Sohn …

… als gemeinsames Projekt eine Holzhalle bauen und nach Jahren der Verpachtung daraus die Basis für ihr gemeinsames Unternehmen wird, klingt das nach der Legende vom Start-up in der Garage. Ein Besuch bei Andreas und Felix Barthel in Tuntenhausen.

Im gewerbegebiet von Tuntenhausen fällt mein Blick zuerst auf die bewitterte Fassade eines mit filmbeschichtetem Birkensperrholz verkleideten Holzbaus. Hinter dem Tor lagern links stapelweise gezogene und weiß vorgrundierte Aluminiumprofile, die eine enorme Stabilität ausstrahlen – individuelle Türzargenprofile. Rechterhand ein brandneues CNC-Bearbeitungszentrum von Elumatic, das zu sehr auf schlanke Profile getrimmt ist, als dass dieser Betrieb ein plattenorientierter Fertiger von Holzelementen sein könnte. Zu Gast bin ich bei der Barthel GmbH, einem Spezialist für flächenbündige Türsysteme im Massiv- und Trockenbau. Felix und Andreas Barthel haben das Unternehmen 2017 gegründet. Gefertigt werden hier Zargen- und Sockelleistensysteme für Tischler und Schreiner, individuell in Losgröße 1.

Out of Rosenheim

Die spezielle Raumatmosphäre kann ich nicht gleich zuordnen. Wir befinden uns etwa 20 Minuten südlich von Rosenheim in einem Ort mit dem einprägsamen Namen Tuntenhausen – ich fühle mich irgendwie an den Kultfilm »Out of Rosenheim« (1987) erinnert, eine Tragikomödie, in der eine bayerische Touristin (Marianne Sägebrecht) in einem amerikanischen Motel von ihrem Mann im Nirgendwo der kalifornischen Mojave-Wüste zurückgelassen wird.

Und tatsächlich – wir befinden uns zwar nicht in einem Motel im Nirgendwo, doch beherbergte dieser Holzbau über zehn Jahre hinweg Musikkneipen, die Tuntenhausen kulturelles Leben einhauchen sollten. Felix war damals 15 Jahre alt, als das gemeinsame Vater-Sohn-Projekt »Holzbauwerk« entstand. Auch mit der Kulturbude hatte es geklappt, allerdings nicht dauerhaft. Den wechselnden Pächtern, ob mit einem alternativen Tanzschuppen oder einem Rockn´ Roll-Club, waren Ausdauer, wirtschaftlicher Erfolg oder beides nicht beschieden.

Eine Männerbude im Loft

Ich verlasse über die hölzerne Treppenanlage die Werkstattebene im Erdgeschoss. Linksseitig liegt das »LAB«, ein Test- und Versuchsbereich, in dem die Barthels ihre sprudelnden Ideen an Prototypen weiterentwickeln, um sie als nächstes Ausbauprodukt für Schreiner, Tischler und Innenausbauer auf den Bauelementemarkt zu bringen. Auf dem Weg über die Galerie zur Zwischenebene entsteht über viele eingebaute Glasfelder ein schönes Lichtspiel durch einfallende Sonnenstrahlen.

Hinter der Zugangstür zu diesem auf halber Höhe eingeschobenen Wohn- und Bürotrakt erwartet mich eine echte Überraschung. Es fasziniert, wie mit einfachen Mitteln eine ausdrucksstarke Atmosphäre gestaltet worden ist. Er hat etwas von Männertraum, dieser Männerraum! Die Mischung aus Tageslicht und pointiert gesetztem Kunstlicht ist hier fulminant gelungen – und das ohne Lichtplaner, aus dem Bauch heraus. Chapeau!

Aufgeräumte Männerromantik

Mit einer stylischen Bude aus der Schöner-WohnenWelt hat das hier wenig zu tun – ohne üppiges Budget wurde geradlinig gebaut. Festverglaste Scheiben in Holz-Alurahmen, Altholzbalken, die vermutlich über die Jahrhunderte hinweg schon mehrfach anders genutzt wurden fungieren nun als Leuchtenträger oder als Raumtrenner. Al Pacino, der Pate, blickt vom Poster herab auf eine alte Raubank – ein Relikt aus der elterlichen Schreinerei von Andreas Barthel. Ein silbernes Stiergeweih prangt über dem Eingang zur Nasszelle. Schlichte Leimholzplatten dienen als Küchenarbeitsplatten – ein deftiges Weißwurstfrühstück erwartet den Besucher.

Ein Boxsack an Stahlketten und zahlloses weiteres schweres Gerät machen einen Großteil des Raumes zur Muckibude! Man sieht es den Oberarmen von Felix an, dass hier ab und an etliche Kilo Eisen bewegt werden. Über diesem Sportstudio schwebt ein Nachtlager. Wenig Raum beansprucht hinter einer rohen OSB-Wandscheibe das Büro, das eigentliche Herzstück des Unternehmens Barthel GmbH mit seinen Produkten der Simi-Lar-Serie.

Die digitale Welt ist die Basis

Schneller als die Großen der Bauelementebranche zu sein, ist das Lebenselixier des aktuell aus zwei Mann bestehenden Unternehmens. Vater Andreas bringt als gelernter Holzhändler und technischer Rosenheimer Betriebswirt die Vertriebskomponente ein, dazu ein großes persönliches Netzwerk. Sohn Felix hat an der TU München Wirtschaft studiert und sich nebenbei Fähigkeiten im Programmieren der CNC und im Büro angeeignet. Darauf beruht die flexible Lieferfähigkeit der Barthels in Losgröße 1, bei Bedarf per Express in 48 Stunden. Flächenbündige, robust ausgebildete Aluzargen lassen Türelementhöhen bis 3800 mm zu. Die aktuelle Türstärke von 54 mm erlaubt eine große Zahl an Funktionstüren, ob mit Einbruchshemmung oder als Türen mit Zulassungen für Brand- und Rauchschutz. Diese Zulassungen basieren auf den TSH-Systemen, weitere sind denkbar. Doch was nützt eine flächenbündige Türzarge ohne flächenbündige Sockelleiste? Deshalb bietet Barthels ergänzend ein montagefreundliches System an, mit LED-Lichtband, Vollholz- oder Acryleinsatz. Doch auch dabei bleibt es nicht – Vater und Sohn haben bereits die nächsten Produktgruppen im Bauelementebereich kurz vor der Markteinführung.


dds-Redakteur Hubert Neumann war von der Atmosphäre der Barthelschen Holzwerkhalle so angetan, dass er den Fotojournalisten Erol Gurian beauftragt hat, für dds-Leser diese besondere Raumstimmung einzufangen.


Steckbrief

Das System Simi-Lar haben wir bereits im Titelthema der Novemberausgabe vorgestellt: Andreas und Felix Barthel konfektionieren Profile für flächenbündige Innentürzargen mit passenden Gipselementen und einem Sockelsystem.
www.simi-lar.de

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