Verdrängter Kuckuck

Bis heute verbindet man den Schwarzwald weltweit mit der Kuckucksuhr. Touristen aus aller Welt besuchen auf ihrer Deutschlandreise die Uhrenwelt von »Drubba Moments« am Titisee. Bis auf eine einzige Kuckucksuhr haben Luxusmarken das handgeschnitzte Wandmodell verdrängt.

Verkehrte Welt – Als reisender Europäer begegnet man einer geballten Präsentation von Luxusuhren bei einem Zwischenstopp in Flughäfen auf der arabischen Halbinsel oder in prosperierenden Stadtstaaten wie Singapur. Gibt man allerdings nicht Acht auf der Rückreise nach Deutschland, kann so eine Uhr am Zoll richtig teuer werden, wie das prominente Beispiel von FC Bayern Vorstand Karl-Heinz Rummenigge mit sechsstelliger Strafsumme zeigt. Dass der Weg auch andersherum funktioniert, dass Gäste aus Übersee den Schwarzwald als Eldorado für den Uhrenkauf nutzen, war mir bis zur Recherche für diesen Artikel über den Ladenbau der Uhrenwelt von »Drubba Moments« nicht bekannt.

Dass der Titisee im Hochschwarzwald Ausflugsziel von Busreisenden ist, damit bin ich seit meiner Kindheit vertraut. Führte doch meine erste Busreise Ende der 1960er-Jahre mit meinem Vater und der Nürtinger Schreinerinnung zu den Tretbooten und den Souvenirständen am Titisee. Wie ich heute weiß, war es schon damals die Familie Drubba, die mit Bootvermietung und dem Verkauf von Eis am Stil, Coca-Cola, Postkarten, aber auch von geschnitzten Kuckucksuhren ihren Lebensunterhalt verdient. Heute beschäftigt das Familienunternehmen Drubba über 100 Mitarbeiter mit ihren Hotels, Gaststätten, Freizeitangeboten und Verkaufsräumen.
Kölner Dom, Titisee, Hofbräuhaus
Titisee-Neustadt ist ein beschauliches Städtchen im Hochschwarzwald, das in den vergangenen Jahren zu einem festen Reiseziel bei vielen asiatischen Touristen geworden ist. Mit der idyllischen Lage am See und der Romantik des Schwarzwalds finden diese hier zum einen den Gegenpol zu ihrem von Urbanität und Industrialisierung geprägten Alltag. Zum anderen gehört Shopping mittlerweile zum Deutschlandurlaub genauso wie Kölner Dom und Hofbräuhaus. Die Familie Drubba, hat diesen Trend früh erkannt und sich u. a. auf den Verkauf von Kuckucksuhren und hochwertigen Markenuhren fokussiert. »Drubba Village« ist heute für viele asiatische Gäste ein Begriff und ein beliebtes Reiseziel.
Die Verkaufsräume für Uhren sind in einen Neubau direkt am See gewechselt. Die Aufgabe der Ippolito Fleitz Group, einem multidisziplinären, international tätigen Studio für Gestaltung, war es, ein konzentriertes Einkaufen zu ermöglichen, das auf den knappen Zeitplan vieler asiatischer Gäste abgestimmt ist. Gleichzeitig waren die verschiedenen Markenflächen unter einem übergeordneten Raumthema zu vereinen. Die Vielfalt an Marken sind um einen zentralen Kern in dem polygonalen Grundriss des 450 m² großen Verkaufsraums angeordnet. Um den Mietern eine attraktive Präsentation im Rahmen ihrer Corporate Architecture zu ermöglichen, ist die Gestaltung der Mieterflächen nur an wenige Vorgaben gebunden.
Der Raum als begehbare Bühne
Wandnischen definieren den Rahmen und sorgen für einen einheitlichen Rhythmus. Durch eine dezente Farbgebung nimmt sich der Raum in einem äußeren Rundweg maximal zurück und überlässt die Bühne ganz den Marken. Die Beleuchtung ist in zwei Deckengräben integriert. Die Herausforderung war es dabei, eine Ausleuchtung zu erreichen, die die Produkte in der Vitrine und beim Herausnehmen im identischen Licht erscheinen lässt.
Einen ganz eigenen Charakter hat die Raummitte, wo eine Cafébar und der Uhrmacherservice zu finden sind, aber auch mechanische Meisterwerke und hochwertige Wanduhren präsentiert und verkauft werden. Blickfang ist die Decke aus 4362 Fichtenstäben, die sich in Wellen über den gesamten Kern erstreckt. Sie bildet das emotionale Zentrum des Raumes und verweist auf den umgebenden Schwarzwald. Die den Kern umschließenden Wände markiert eine glänzende kupferfarbene polygonale Abschlussleiste. In ihr spiegeln sich die Fichtenstäbe in der inneren Zone und assoziieren eine Waldspaziergang. Naturfarben dominieren auch in diesem Bereich.
Branchentreff der Ladenbauer
Detailliert und projektiert haben den umgebenden Innenausbau und die markante Decke mit den Fichtenstabwellen die Ladenbauer von Ganter Interior aus dem nahen Waldkirch. Zudem lieferten sie die Drubba eigene Shops »Drubba World« und »Drubba Exklusive«, in denen ergänzende Uhrenmarken Platz finden. Die 20 individuellen Shops der eigenpräsenten Uhrenmarken kamen von den Stammladenbauern dieser Premiumunternehmen. In den weniger als drei Wochen Montagezeit wurde so nebenbei die Uhrenwelt am Titisee zum Schaulaufen der führenden Ladenbauer der Uhren- und Schmuckbranche.

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dds-Redakteur Hubert Neumann hat viele Jahre als Planer und Projektleiter für ein Schwarzwälder Ladenbauunternehmen gearbeitet und dabei edle Uhren- und Schmuckfachgeschäfte eingerichtet.

Steckbrief

Projekt/Bauherr: Drubba Moments,Drubba GmbH, 79822 Titisee-Neustadtwww.drubba.com
Entwurf und Planung: Ippolito Fleitz Group – Identity Architects, 70197 Stuttgart, www.ifgroup.org
Innenausbau/Ladenbau des inneren Kerns und der Umfassungen der Shop-in-Shop-Systeme: Ganter Interior GmbH, 79183 Waldkirchwww.ganter-interior.com