Transporterausbau von Michael Hilgers

Drei Fahrzeuge in einem

Transporterausbau auf Basis eines Fiat Ducato mit Handkreissäge und Akkuschrauber: Nach ergebnisloser Marktrecherche hat Möbeldesigner Michael Hilgers beschlossen, den Van seiner Träume selbst zu bauen. Nun such er einen Produktionspartner.

Michael Hilgers, Möbeldesigner in Berlin

Als Möbeldesigner transportiere ich häufig großformatige Plattenwerkstoffe zur Anfertigung von Prototypen, in meiner Freizeit fahre ich gelegentlich Fahrräder und Sportgeräte durch die Gegend und für den Alltag benötige ich ein kompaktes Fahrzeug, um in Berlin-Kreuzberg einen Parkplatz zu finden – doch vor allem wollte ich ein einfaches, minimalistisches Reisemobil mein Eigen nennen. Eigentlich brauche ich also drei Autos! Stattdessen habe ich nun diese Mischform entwickelt. Die Idee des Reisens in den vertrauten vier Wänden hat mich immer fasziniert, doch Campingplätze sind mir ein Greuel. Typische Reisemobile sind für den Alltag in Berlin-Kreuzberg oder auf Dorfstraßen in der Toscana zu klobig und dazu oft mit seltsamen Dekorfolien geschmückt … an schönen Orten, abseits der Campingplätze unauffällig zu übernachten, ist damit nicht drin. Ich hatte eher eine Art Tarnkappencamper im Kleid eines einfachen Lieferwagens vor Augen.

Auch das Interior eines üblichen Wohnmobils hält pragmatischen und ästhetischen Ansprüchen kaum stand: Warum zu Hause schlicht und geschmackvoll leben und in der schönsten Zeit des Jahres in einem Ambiente unterwegs sein, welches den Charme einer rasenden Einbauküche versprüht? Darüber hinaus ist die Inneneinrichtung dieser Fahrzeuge meist derartig zugebaut, dass eine professionelle Nutzung für mich eigentlich nicht möglich ist. Ich bin häufig auf Messen unterwegs oder besuche Hersteller in ganz Europa. Mir schwebte ein mobiles Büro vor, das man auch für Besprechungen nutzen kann. Der Innenraum sollte deshalb nicht nach Camping aussehen, sondern auch auf Kunden wertig und zurückhaltend wirken.

Ein mobiles Versuchslabor

Auf Basis eines kurzen, hohen Ducato-Kastenwagens habe ich dann ein Innenraumkonzept nach meinen Vorstellungen entwickelt. Auf 4,5 m2 einen mobilen, multifunktionalen Teilzeit-Wohnraum zu schaffen, ist tatsächlich eine ziemlich spannende und lehrreiche Herausforderung! Ein rollendes Versuchslabor für raumsparende Lösungen – Vanjoy is on the road!

»Vanjoy« als das universell einsetzbare Alltags- und Freizeitmobil verbindet letztendlich perfekt meine Erkenntnisse als Designer mit meinen Bedürfnissen als Unternehmer und reisefreudiger Großstädter. Ich nutze den Van als rollenden Showroom, in dem sich jederzeit meine Entwurfsphilosphie erleben lässt. Auf Nasszelle und weitere kostenintensive Ausstattungen, die ich persönlich nicht benötige, habe ich verzichtet und mich wie bei meinen Möbelentwürfen zu Beginn des Designprozesses gefragt: Was ist das Ziel? Worauf kommt es an? Was braucht man wirklich? Ich will nicht wochenlang mit einem Wohnmobil auf einem Campingplatz am Gardasee herumstehen, sondern schöne Etappenziele ansteuern und ohne schlechtes Gewissen auch mal in einem Hotel übernachten. Der Weg ist für mich ein wichtiger Teil des Zieles.

Für den Fall aller Fälle versteckt sich im Fahrzeug ein Trocken-WC sowie eine Outdoor-Dusche. Eine hochwertige Kompressor-Kühlbox, Solarstromanlage und kompakte Kochgelegenheit sind unverzichtbar. Ausreichend Stauraum und maximale Variabilität verstehen sich von selbst! Für den Ausbau habe ich einfaches Filmschichtsperrholz verwendet, auch das unterscheidet Vanjoy von Spanplatten- und Kunststoffinterieurs der üblichen Freizeitmobile. Sämtliche Einbauten lassen sich bei Bedarf in rund einer halben Stunde wieder demontieren, um das Fahrzeug in den Ursprungszustand zurückzuversetzen.

Der Weg ist das Ziel

Für mich ist die Fertigstellung des Prototypen erst der Beginn eines spannenden Trips: Mit dem Fahrzeug selber werde ich nun gemeinsam mit meiner Frau auf die Reise gehen, um Europa aus einer alternativen, unabhängigen Perspektive heraus zu entdecken.

Das Konzept eines bezahlbaren, pragmatischen Design-Campervans birgt darüber hinaus ein riesiges Potenzial: Mit den richtigen Partnern für Produktion und Vertrieb könnte man eine große Nische in der Branche erfolgreich besetzen: Eine neue Generation designaffiner potenzieller Vanlifer, von den üblichen Herstellern bislang komplett ignoriert, wartet darauf, endlich einen zu ihrem Leben passenden Campervan erwerben, mieten oder sharen zu können – ich wäre offen für jede seriöse Kooperation!

Mein Traum wäre es, über das Fahrzeug hinaus ein Netzwerk Gleichgesinnter zu entwickeln: In meiner romantischen Vorstellung treffen sich dann Vanjoy- Nutzer auf einfachen, landschaftlich schön gelegenen Stellplätzen, die mit einer bescheidenen Infrastruktur ausgestattet sind. Diese Plätze werden von lokalen, Vanjoy-lizensierten Biobauern für kleines Geld zur Verfügung gestellt. Abends sitzt man ums Feuer und verzehrt gemeinsam lokal erzeugte Bratwurst und Wein vom benachbarten Weinberg … das alles wäre einfach über eine App buchbar! Vielleicht wird Vanjoy auch zum Franchisekonzept reifen oder entwickelt sich zum Sharingmodell – das ist erst mal Spinnerei, aber ich denke, es wachsen neue Zielgruppen heran, die an solchen Ideen Gefallen finden!

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Steckbrief

Vanjoy nennt Michael Hilgers sein zunächst als Prototyp entwickeltes Ausbaukonzept für einen Kastenwagen, der Altagsfahrzeug, Transporter und Camper zugleich ist. Für die Umsetzung sucht der Berliner Designer nun einen Partner aus dem Handwerk. Kontaktdaten, weitere Einblicke und ein gut gemachtes Video auf der Website:

www.vanjoy.de


Michael HilgersDesigner des Reisemobils Vanjoy

»Warum drei Autos kaufen, wenn eins alle Bedürfnisse abdeckt?«