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Stringente Materialwahl

Innenausbau
Stringente Materialwahl

Die Innenwände dieses besonderen Wohngebäudes sind durchgängig als Trenn- und Schiebewände ausgebildet. Innen wie außen dominieren bei diesem Haus Beton und Glas. Die Stuttgarter Schreinerei Zwinz setzte die Raumideen der Architektin um.

Das haus am hang wechselte nach wenigen Jahren den Besitzer. Der neue Bauherr wollte zwar an der konsequenten Grundgeometrie des viergeschossigen Wohngebäudes in steiler Hanglage nichts ändern – allerdings galt es die inneren Werte, insbesondere Raumaufteilung, Raumakustik und Lichtkonzept zu verbessern. Dazu beauftragte er Architektin Gisela Mühlhöfer vom Büro Architekturideen. Nach positivem Zusammenwirken mit Projektleiterin Sibylle Heilemann von der Stuttgarter Schreinerei Zwinz bei einigen anderen Aufträgen, holte sich die Architektin die Gestalterin der Fachrichtung Holztechnik erneut ins Projektteam. Heilemann und die Schreiner von Zwinz haben die Gabe, sich auch von Entwurfsideen anderer begeistern zu lassen und diese in konstruktiv saubere und zugleich wirtschaftliche Lösungen umzusetzen.

Die Raumwirkung im Gebäude war mit den dominierenden Betonflächen im Charakter sachlich kühl und wegen durchgängig schallharter Oberflächen mit einer unangenehm langen Nachhallzeit belegt. Die vielen satinierten Glaswände erzeugten zudem ein diffuses Raumgefühl der Unklarheit darüber, was sich hinter der Transluzenz eigentlich abspielt.
Gut, wenn die Wellenlänge stimmt
Architektin Gisela Mühlhöfer und Sibylle Heilemann haben eine ähnliche Wahrnehmung von Form, Material und Raumwirkung im Kontext einer Bauaufgabe. Beim Haus am Hang ging es darum, die Grundidee der bestehenden atmosphärisch kühlen Architektur zu würdigen und dennoch eine weichere Umgebung zu schaffen. Ausgesuchte schallabsorbierende Vorhänge, vorgezogen vor transparente Glaswände, zonieren das Gebäude bei Bedarf. In Verbindung mit Flächen aus Akustikabsorbern, zusammenfügt aus brauntonigen Rechteckformaten, gelang eine enorme Reduzierung des sich aufschaukelnden Nachhalls.
Das warmtonige Farbspektrum der Vorhänge und Schallabsorber klingt auch im Farbton der Raumtrennregale aus geräuchertem Lärchenholz und in der Oberfläche der Schiebetürschränke und raumhohen Schiebetüren an. Belegt sind diese mit einem »Unmaterial«, das gut mit den Betonflächen und der Polyurethanbeschichtung am Boden korrespondiert. Ein HPL von Resopal, das auf die dekorbestimmende Decklage verzichtet und so die Mittellagen aus getränkten Phenolharzpapieren wirken lässt. Teilweise sind die Trennschränke 120 cm tief, da beidseitig zugänglich. Mal ist ein Teil der Schrankfronten als Möbeltür, dann wieder als Schiebeelement und Zugang zu den dahinter liegenden Räumen ausgebildet.
Der Architektin war die Erweiterung des Lichtkonzeptes sehr wichtig. Es erfolgte eine Doppelbestückung unterschiedlicher Lichtquellen mit verschiedenen Lichtfarben. Die Leuchten an der Architektur sind kaltweiß gehalten, die Leuchten an den Möbeln warmweiß. Neben einer abstrakt kühlen Lichtstimmung können die Bewohner nun auch auf heimelige Abendrotstimmung schalten. Wenn die abtauchende Sonne den Horizont über dem Talkessel rot färbt und in der stählernen Wandfeuerstelle der Bioethanol-Brennstoff die Flammen lodern lässt, verstärkt das warmtonige LED-Licht solch eine Lagerfeuerstimmung. Das neu geschaffene Raumkonzept differenziert die kühle Rohbaucharakteristik. -HN

Steckbrief

Idee und Entwurf: Gisela Mühlhöfer, Dipl.-Ing. Architekt und Baubiologin, www.architekturideen.de
Konstruktion und Umsetzung: Zwinz – Raum und Möbel, Projektleiterin Sibylle Heilemann; www.zwinz.de
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