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Innenausbau Sushi-Restaurant

Innenausbau Sushi-Restaurant
Raumskulptur in Holz und Filz

Gute Nachrichten in Corona-Zeiten für Nürnberger, die Lust auf eine außergewöhnliche Location mit spannendem Interieur-Konzept haben: Das neue Sushi-Restaurant »Fuji Yama« im Stadtzentrum bietet leckere asiatische Gerichte in extravagantem Wohlfühlambiente.

Im Herzen von Nürnberg hat im Juli 2020 das neue Restaurant Fuji Yama im Erdgeschoss des Adina Hotels, Dr.-Kurt-Schumacher-Straße, eröffnet. Das Raumkonzept stammt aus der Architekturwerkstatt Bermüller + Niemeyer. Das Nürnberger Büro entwickelt Architektur, Innenräume, Landschaften und Produkte. Dabei ergänzen sich handwerkliche und digitale Design-Werkzeuge. Anders könnte eine Raumskulptur wie im Restaurant Fuji Yama kaum wirtschaftich entstehen.

Das interdisziplinäre Planungsteam von Bermüller + Niemeyer legt Wert auf eine grundlegende, sorgfältige Analyse. Fragt man sich, wie Innenarchitektur mit fernöstlicher Inspiration in einer so mittelalterlich geprägten Stadt wie Nürnberg authentisch gelingen kann, war es dafür sicherlich hilfreich, dass Matthias Niemeyer, Architekt und Geschäftsführer der Architekturwerkstatt, selbst ein halbes Jahr in Japan gearbeitet hat und sich mit Architektur und fernöstlicher Lebenshaltung vor Ort intensiv auseinandersetzen konnte.

Hell-Dunkel-Kontraste und subtile Lichtwirkung, die Zuwendung an den Schatten und viel Holz sind Aspekte, die sich im monochromen Raumkonzept wiederfinden. Den hellen Part übernehmen dabei CNC-gefräste Lamellen aus 27-mm-Fichtenleimholz. Dunkel kontrastierten dazu Lamellen in Akustikfilz aus recycelten PET-Flaschen – ein Materialkonzept, das zugleich auch den Anspruch an eine nachhaltige Umsetzung des Entwurfs verwirklicht.

Vom Modell zur Realität

Die Lamellenstruktur der mit Abstand zueinander stehenden oder hängenden Scheiben in Wellenform erzeugt eine durchaus erwünschte Schattenwirkung. Noch wesentlich markanter entsteht diese aber durch die architektonisch strukturierte Raumgliederung der Scheibenelemente in ihrer Bewegung vermittelnden Wellenform. Entstanden ist das Raumkonzept mit den fließenden Bewegungen zuerst als modellierter Volumenkörper, der die 330 m² Gastronomiefläche gliedert. Stück für Stück wurde er in raumbildende Layer bzw. Scheiben heruntergebrochen – zuerst im Modell, dann in der realen Umsetzung.

Mit dem Innenausbau wurde die Schreinerei Blos aus Offenhausen bei Nürnberg beauftragt. Der Familienbetrieb in vierter Generation arbeitet ohne eigene CNC, ist aber gut strukturiert und vernetzt für solche außergewöhnlichen Projekte. Für Vater und Sohn, beide Schreinermeister, war der Auftrag eine reizvolle technische und logistische Herausforderung, die sich nur im professionellen Teamwork umsetzen ließ. Die Projektsteuerung lag bei der Architekturwerkstatt. Als CNC-Dienstleister und Nestingprofi für das Leimholz war die Georg Schrepfer GmbH an Bord. Die aus recycelten PET-Flaschen angefertigten Filzelemente lieferten die schweizerischen Akustikspezialisten von EchoJazz. Allein über 2400 individuell CNC-gefräste Leimholzelemente in 27 mm Stärke wurden im Gastraum zu einer Raumplastik gefügt. Für das Handling vor Ort hatten die Projektleiter die einzelnen Rippen in bis zu fünf codierte Segmente aufgeteilt, welche dann von den Montageteams mit Formfedern nahezu fugenlos zusammengefügt wurden. Die koordinierte Anlieferung und Montage der Elemente half, die Montage möglichst effizient zu organisieren.

Wie das Leimholz besteht auch die parallel zu den Holzelementen hängende Akustikfilz-Baffelstruktur aus kleineren Modulen, die sich vor Ort zu Scheiben zusammensetzen lassen. Trotz relativ scharfkantiger Strukturen (beim Leimholz angefräste 2-mm-Radien) wirkt das Ganze nach der Fertigstellung als bewegtes Kunstwerk, das die Besucher in seinen Bann zieht. Besonders in den hüllenartigen Raumstrukturen im hinteren Bereich des Restaurants können Gäste eine besondere Atmosphäre erleben. Nicht zuletzt eine ausgewogene Raumakustik trägt hier entscheidend zur Entspannung der Besucher bei.

Einzigartiges Raumerlebnis

Die Gastronomiefläche mit 130 Sitzplätzen wurde im laufenden Betrieb neu aufgestellt. Die Symbiose von Holzelementen und Akustikobjekten entwickelt eine fließende Wellenstruktur, die sich von der Decke über die Wände bis teilweise zum Boden des Restaurants zieht und dort wieder als Sitzmöbel emporsteigt. Ob die Lamellensitzflächen auf Dauer bequem sind, wird sich zeigen – ästhetisch anzuschauen sind sie allemal, und monochrome Filze als Sitzpolster würden den Gesamteindruck auch nicht stören. Ein wichtiger Teil des neuen Konzepts ist auch die Lichtplanung, bei der auf LED-Leuchten gesetzt wurde. Zwischen den Lamellen setzen sie kombiniert mit gezielt platzierten Pendelleuchten atmosphärische Lichtakzente.

Die dunkle Farbigkeit des Innenraumes gibt mit dem natürlichen Farbton des Holzes den passenden Rahmen für die Kochkünste des Sushi-Meisters. Sie lässt auch Assoziationen zur japanischen Ästhetik der Schattenwirkung und des kontemplativ Ausblicks ins Stadtleben zu. Hierdurch wird für ein unvergessliches Ambiente für Gäste und Mitarbeiter gesorgt. Seit Anfang Juni 2020 hat die Gastronomin Yongqiao Wu das Restaurant Fuji Yama geöffnet.


Als Gestalter und Schreinermeister zieht dds-Redakteur Hubert Neumann den Hut vor der beeindruckenden Teamleistung der Architekturwerkstatt gemeinsam mit der Schreinerei Blos und allen Beteiligten!


Steckbrief

Planung: Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt, Nürnberg www.bermueller-niemeyer.de

Innenausbau: Schreinerei Blos 91238 Offenhausen
www.schreiner-blos.de

CNC-Fräsarbeiten:
Georg Schrepfer GmbH, Nürnberg
www.georgschrepfer.de

 

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