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Wohnung für Kunstliebhaber

Innenausbau für Kunstliebhaber
Raumkunst – Kunstraum

Das perfekte Heim ist wohl für jeden etwas anderes. Für die Kunden des Planungsstudios i29 stand der Wunsch nach einer Wohnlandschaft im Vordergrund, die nicht nur den Bedürfnissen des Alltags, sondern auch den Sammlungen des Bauherrenpaares reichlich Raum gibt.

Die Stadt der Zukunft soll Amsterdam bald nicht mehr nur auf Plänen und Konzeptpapieren sein! Der Pandemie trotzend erklärte die Vize-Bürgermeisterin Marieke van Doorninck der Frankfurter Rundschau dazu: »In schwierigen Zeiten ist es einfacher, sich eine andere Welt vorzustellen.« Manche sagen, es gilt, die Chance in der Krise zu nutzen, andere würden das Ganze als die hoffnungsfrohe Flucht nach vorne bezeichnen – wie auch immer: Mitten im ersten Lockdown verkündete Amsterdam im April 2020 die Stadtrevolution. Bis 2050 soll Amsterdams Ökonomie komplett auf Kreislaufwirtschaft umgestellt werden und nicht mehr an Energie und Ressourcen verbrauchen, als sie auch erzeugen kann.

Eine lebenswerte Stadt

Das hehre Ziel der Grünen-Politikerin für diese Form der nachhaltigen Stadtentwicklung scheint dabei auf das 2016 vorgestellte Konzept »Oamsterdam« aufzusatteln. Die ortsansässigen Architekten von Hofman Dujardin hatten hier Überlegungen angestellt, wie sich das wachsende Amsterdam weiterentwickeln könnte, ohne den Wohnraum unerschwinglich teuer werden zu lassen. Nicht zuletzt wegen des Tourismus sind zentrumsnahe Wohngebiete für die Amsterdamer selbst bereits schon jetzt horrend teuer geworden. Abhilfe könnte laut Hofman Dujardin eine Erweiterung des Innenstadtrings auf die Nord-Stadt auf der anderen Seite des Hafenkanals schaffen. »Der neue Ring ist eine völlige Neukonzeption der Stadt. (…) Die Neugestaltung erstreckt sich von allen angrenzenden Freiflächen über umgenutzte Gebäude bis hin zu zwei neuen Brücken«, klären die Architekten auf ihrer Homepage auf. Die dann doppelt so große Innenstadt soll die Themen Urban Farming (eine Form der Landwirtschaft innerhalb von Stadtgebieten) sowie innovative Mobilitätsoptionen fördern und noch dazu durch zahlreiche Grünflächen jede Menge attraktive Naherholungsbereiche etablieren. Würden all diese Überlegungen tatsächlich in die Realität überführt werden, dann würde sich das Wohnprojekt von i29 − welches wir hier zeigen − in bester, zentrumsnaher Lage befinden.

Wohntraum samt Kunstgalerie

Der Gebäudekomplex mit 30 Wohneinheiten wurde 2020 auf einem frei gewordenen Industrieareal als eines von vielen Bauprojekten fertiggestellt. Von einem Collective Private Ownership – einer niederländischen Form der Baugemeinschaft – maßgeblich mitgeplant, konnten sich die Architekten von i29 für ein kunst- und literaturbegeistertes Paar mit dem Ausbau einer Maisonette-Wohnung an dem Wohnkomplex beteiligen. »Die Kunden waren mit unserer Arbeit vertraut und haben sich einfach an unser Studio gewandt«, berichtet i29 über den Start der Zusammenarbeit. Die vorgefundene, ebenerdige Rohbau-Wohneinheit mit undefiniertem Grundriss und doppelter Deckenhöhe überließ alle Möglichkeiten, die den Innenraum betreffen, den Bauherren, die mit der Unterstützung von i29 einen klaren Fokus auf ihre extensive Hausbibliothek und Kunstsammlung setzen wollten. »Die größte Herausforderung war allerdings, dass in dem Gebäude nur einige sehr grundlegende Installationen wie Wasser, Heizung und Lüftung von einem zentralen Punkt aus vorbereitet waren – wir mussten diese dann passgenau weiter ausbauen.«

Ein Regal als Alleskönner

Zu Beginn wurde außerdem auf der Nordseite des L-förmig geschnittenen Lofts eine zweite Ebene eingezogen, um die Wohnfläche von 120 auf 180 Quadratmeter zu erweitern und so Schlaf-, Bade- und Arbeitszimmer deutlich erfahrbar vom Wohn-Ess-Bereich abzutrennen. Eine Galerie erschließt im Obergeschoss die verschiedenen Nutzungsbereiche und lässt den Blick – mit reichlich Wirkungsraum für den Innenausbau – auf den Wohnbereich mit noch immer doppelter Geschosshöhe unverbaut. Kernstück und dominierender Blickfang im Wohnungsgefüge ist das hier bis unter die Decke reichende Regal, das nicht nur zahlreiche Skulpturen und Bücher aufnimmt, sondern zeitgleich jede Menge Stauraum bietet, als Absturzsicherung für die Treppenanlage dient und zu guter Letzt als luftig leicht erscheinender Raumteiler für die Separierung der Eingangssituation und Küche vom Wohn-Ess-Bereich fungiert.

Gewünschte Kontraste

Im Bezug auf die Ausgestaltung der eingebauten Strukturen erklären die Planer: »Für uns war es am Wichtigsten, dass die Sammlungen im Mittelpunkt stehen, deshalb haben wir das Design neutral und einfach gehalten. Außerdem konzentrieren wir uns immer gerne auf grundlegende Qualitäten wie eine gute Streckenführung, die Verwendung natürlicher Materialien und hochwertige Details in maßgeschneiderten Tischlerarbeiten.« Ebenfalls von Tischlerhand gefertigt ist die Küche: Kubisch, schlicht und trotzdem alltagstauglich sollte das Kochen organisiert werden, dabei bildet der raumhohe Küchenrücktresen zusätzlich einen Korridor mit Jackenschränken aus, der vom Wohnungseingang geradewegs ins Wohnzimmer führt. Zusätzliche Zonierungen gelingen durch den Wechsel der Oberflächen zwischen Holz und lichtgrauem HPL. Die so noch immer durchgängig stringent wirkenden Einbauten stehen bei diesem Entwurf in einem von den Bauherren ganz bewusst gewählten Kontrast zu den farbenfrohen, mitunter humorvollen Kunstwerken. Für i29 war und ist unterdessen stets wichtig: »(…), dass Bauherren ihr Geld nicht für überteuerte Materialien oder Produkte ausgeben, sondern in architektonische Qualitäten im Innenraum investieren.«

Untergeschoss: Ein Regalsystem strukturiert den Grundriss
Plan: i29, Ewout Huibers
Schnitt: Die zweite Ebene erweitert die Wohnung auf 180 qm
Plan: i29, Ewout Huibers
Obergeschoss: Hier findet sich neben einer großzügigen Galerie das Bad, das Schlafzimmer und ein separiertes Büro
Plan: i29, Ewout Huibers

Die freie Autorin Henriette Sofia Steuer findet, dass die Hauptstadt der Niederlande immer eine Reise wert ist. Besonders das transparente Wohnen, das keine Angst vor den Einblicken Fremder kennt, inspiriert sie immer wieder.


Steckbrief

Planung:
i29 interior architects
www.i29.nl

Bauunternehmer:
Dubbeldam Bau

Innenausbau:
Coen Vleugel

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