Rauminszenierung auf 40 m²

Die Zusammenlegung von zwei Wohnungen bewahrte eine fünfköpfige Familie vor der nervenaufreibenden Wohnungssuche und legte den Grundstein für die detailverliebten »Stair Case Study Houses« des Hamburger Architekten Gerd Streng.

Nach der Geburt ihrer Zwillinge wurde für die Bauherren, eine Grafik-Designerin und ein Filmregisseur mit ihrem Sohn, die 3-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss einer malerischen Hinterhofbebauung in Hamburg-Hoheluft viel zu klein. Glücklicherweise konnte die darunterliegende 1-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss des Gründerzeithauses hinzugekauft werden, um beide Teile zu einer Maisonette-Wohnung zusammenzufassen.

Als Verbindung zwischen den Etagen wurde eine Treppenskulptur eingefügt, die im Erdgeschoss in ein U-förmiges Sitzmöbel übergeht. Beide Geschosse bleiben weiterhin über das Haupttreppenhaus erschlossen, was die neue Treppe zu einer »nicht notwendigen« Treppe macht, die keinerlei Brandschutzanforderungen erfüllen muss.
Im privaten Obergeschoss (ca. 80 m2) sind nun alle Schlaf- und Kinderzimmer sowie das Hauptbadezimmer angesiedelt. Das Erdgeschoss wurde komplett entkernt und saniert. Auf den knapp 40 m2 wurden neben dem flexiblen Wohnraum mit Essbereich und Küche zusätzlich ein neues Gästebad und ein Abstellraum realisiert. Das neue Möbel unterstützt die Multifunktionalität des Raumes und ist gleichermaßen als Sideboard, Stauraum, Podest, Eckbank oder Wohnzimmercouch nutzbar.
Farbe hilft!
Der gezielte Einsatz von Farbe unterstützt preiswert, aber effektiv die neuen räumlichen Bezüge.
Die Trittstufen der 45° steilen Multiplextreppe sind weiß lackiert und führen auf dem Weg nach unten zum weißen Wohnzimmermöbel. Die gelben Setzstufen hingegen bilden auf dem Weg nach oben eine Einheit mit den monochrom gelben Wangen, die über fast zwei Geschosse bis zur Decke des Treppenraumes geführt sind. Der homogene, flächige Farbauftrag unterstreicht den skulpturalen Charakter des Treppenobjektes und verleiht den angrenzenden Räumen eine angenehm frische Atmosphäre.
Tagsüber wird das Treppeninnere durch eine Öffnung mit einem glasfaserverstärkten Polyesterrost (GFK) beleuchtet. Abends wird der opaque Rost zu einer gelblich leuchtenden Fläche. Die Gleitschiebetür im Obergeschoss ist ebenfalls aus GFK ausgeführt und zwei Klettergriffe dienen als Türgriff.
Das neue Gästebad ist mit gelben Glasfliesen ausgekleidet und stellt so, zusammen mit der gelben Küche, eine Beziehung zum farbigen Treppenraum her. Bei der Planung eines solchen Projektes im Altbau darf den Bestandszeichnungen nicht uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht werden. Nachdem die Handwerker die Decke öffneten, stellte sich heraus, dass die Tragrichtung der Deckenbalken um 90° gedreht ausgeführt war. Dies verlangte Geduld, eine umfangreiche Überarbeitung des gesamten Entwurfes und eine Änderung der Konstruktion, da die Treppe passgenau zwischen den Deckenbalken eingebaut werden musste.
Mehrwert schaffen
Die Planung schafft Raumbeziehungen und Blickachsen, die über die funktionale Verbindung der Geschosse hinausgehen. Der komplexe Treppenraum als inszenierter Engpass zwischen den Stockwerken erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Die Neugestaltung des Erdgeschosses mit Wohnzimmerskulptur, Küche und Bad erzeugt trotz eingeschränkter Flächen einen großzügigen Eindruck, ohne Funktionalität einzubüßen. Besonders helfen hierbei die einheitliche Formensprache, die hochwertigen Oberflächenmaterialien sowie das konsequente Farbkonzept.
Sollte in einiger Zeit die Wohnung wieder zu groß für ihre Nutzer sein, so kann die Treppenöffnung geschlossen werden und beide Wohneinheiten können separat voneinander genutzt werden.

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Gerd Streng, Architekt, kommt aus Hamburg. Sein Arbeitsschwerpunkt bildet heute das Nachverdichten von Wohnraum in kleinstem Maßstab. Für dds präsentiert er in einer mehrteiligen Serie beispielhafte Projekte.

Steckbrief

Multifunktionale Maisonette-Treppe aus lackierten Multiplexplatten
Planung und Konstruktion: Gerd Streng, Architekt, Hamburg, www.gerdstreng.de
Tischlerarbeiten/Treppenbau: Tischlerei Thomas Suhm, Hamburg, www.tischlerei-suhm.de

Vorsicht bei Einbauten!

Gute Ventilation sowie eine «Extraschleife« eines Heizungsvorlaufes verhindern Schimmelbildung bei Abstellflächen oder Sitzbänken vor ungedämmten Außenwänden.