dds im Detail: Innenausbau mit Werkzeichnung

Offene Schnittstelle

Mit großer Selbstverständlichkeit ist es gelungen, einen erweiternden Neubau an den im Grundriss bereinigten Bestand anzubinden. Der Innenausbau trägt mit seiner klaren Handschrift zur gemeinsamen Identität bei.

Häuser der Zwanzigerjahre sind solide gebaut und weisen einen vernünftigen Grundriss vor. Die Wände sind aus massivem Mauerwerk und die Decken als Holzbalkendecken ausgeführt. Doch oft passt die Größe der Wohnungen und das damalige Raumprogramm nicht mit den heutigen Ansprüchen an Wohnkomfort und Raumgestaltung zusammen. Das dachte sich auch eine Familie mit drei Kindern, als sie solch ein Haus im Jahr 2012 in der Nähe von Stuttgart erworben hat. Sie planten, das Haus nach ihren Bedürfnissen umzubauen und zu erweitern. Es sollte modernisiert und kernsaniert werden, somit wurden alle Sanitär-, Heizungs- und Elektroleitungen neu installiert. Dazu wurden Außenwände und Dach neu gedämmt sowie neue Fenster eingesetzt, um der aktuellen Energieeinsparverordnung zu genügen.
Nicht nur technisch, sondern auch räumlich gab es grundlegende Verbesserungen: Das bestehende Gebäude wurde um einen Anbau von fünf mal acht Meter erweitert. Bewusst bildet dieser Anbau einen Kontrast zur bestehenden Doppelhaushälfte. Durch den Rückbau zweier Wände entstand im Erdgeschoss aus der für die 1920er-Jahre typischen kleinteiligen Gliederung in Wohnzimmer, Esszimmer und Küche als separate Räume ein großzügiger offener Wohn-, Ess- und Kochbereich. Dazu wurde zur Optimierung der Wohnfläche der Eingang nach Südosten verlegt. Da das Erdgeschoss des Altbaus etwa 80 cm höher als das Außengelände liegt, konnte im neuen Anbau der Wohn- und Essbereich in großzügiger Raumhöhe ausgeführt werden. Die Terrasse wurde auf gleichem Niveau mit dem Außengelände angelegt und der Übergang zur Küche im Bestand mit einer breiten Sitztreppe in Eiche inszeniert. Im Obergeschoss des Bestands wurden Kinderzimmer und ein Kinderbad untergebracht, im neuen Anbau entstand der neue Elternschlafbereich mit Ankleide und Elternbad. Mit dem Bestand korrespondierende Eingriffe bewahren den soliden Charakter der 1920er-Jahre-Architektur. Ein Dreiklang aus massiver Eiche, mattweißem Lack und ausgewählten Akzentmaterialien verbindet die Gebäudeteile über den Innenausbau zu einem neuen Ganzen (Details im ausklappbaren Innenteil).

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dds-Redakteur Johannes Niestrath hat sich in diesem Objekt spontan zuhause gefühlt – an der spannenden Schnittstelle zwischen Alt und Neu vermittelt die Architektur mit Hilfe des durchgängigen Innenausbaus.

steckbrief

Architektur: Holzerarchitekten70597 Stuttgartwww.holzerarchitekten.de
Innenausbau: Schreinerei Brixle 73760 Ostfildern, www.brixle.de
Fenster: Kuhnle Fensterbau71384 Weinstadt-Endersbachwww.fensterbau-kuhnle.de
Schnittzeichnungen für dds:Planungsbüro Fink71679 Asperg, carlfink@gmx.de