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Limburgs Schwester

Innenausbau
Limburgs Schwester

Über 31 Millionen Euro Baukosten in Limburg fledderten bundesweit das Ansehen der Katholischen Kirche. Beim Bau der Diözesankurie in Rottenburg schufen Planer und Handwerker unbehelligt für 39 Millionen ein neues Bauensemble.

Die Welt erscheint manchmal ungerecht. Bischof Tebartz-van Elst dominierte mit dem Bau seiner Gemächer in Limburg bundesweit die Schlagzeilen – bis er seinen Rücktritt einreichte. Zeitgleich konnte in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sein Amtsbruder Bischof Gebhard Fürst Restauratoren, Betonbauer und Schreiner mit Millionensummen beschäftigen lassen ohne den Bannstrahl der Medien auf sich zu ziehen.

Wie gelingt dies? Kirchliches Bauen war in der katholischen Kirche über Jahrtausende hinweg ein Stück Glaubensvermittlung – über lange Zeit war die Kirche der größte Bauherr. Unsere abendländische Kultur ist bis in die Gegenwart davon geprägt. Anders als unter den Kirchenfürsten vergangener Jahrhunderte sind heute Kostentransparenz und nachvollziehbare Entscheidungswege wichtige Kriterien für die Akzeptanz seitens der Gläubigen und der Öffentlichkeit. In den elf Jahren Planungs- und Bauzeit nach dem Architektenwettbewerb 2002 entwickelte sich in Rottenburg ein offener Prozess. Haupt- und ehrenamtliche Gremien waren einbezogen bei der Ausführung und Finanzierung des Projektes. In Limburg fokussierte sich die Diskussion auf die Millionen für die Gemächer und eine Privatkapelle des Bischofs, errichtet unter strengen Geheimhaltungsklauseln für alle Baubeteiligten. In Rottenburg wurden 320 Arbeitsplätze für Verwaltung und Diözesanleitung von knapp zwei Millionen Katholiken an einem Ort gebündelt. Beide Projekte stellen einen bemerkenswert hohen Anspruch an die Bauqualität – in Limburg wurde daraus ein Schlagabtausch über eine Designerbadewanne und mit farbigen LEDs bestückte Bücherregale. In Rottenburg ging die Diskussion dagegen um einen denkmalsgerechten Umgang mit dem Kulturerbe, über Anleihen von plakativen Stilelementen, der früheren Josephskirche entnommen, die den Standort in der historischen Altstadt Rottenburgs einst prägte und nun heute wieder prägt.
Altes lebt fort im Neuen
Die Stuttgarter Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei verstanden mit ihrem Entwurf den historischen Bestand zu würdigen und etwas unverwechselbares Neues hinzuzufügen. Das alles in einer augenzwinkernden Leichtigkeit, die Außenstehende nicht unbedingt mit der 2000 Jahre alten Kirche verbinden. Beim Ausbau durften Schreiner und Maurer im Zusammenspiel markante barocke Elemente auf die moderne Inneneinrichtung übertragen, beispielsweise in der Hülle einer Teeküche: Schließlich will Geist und Bauch durch die Kirche versorgt sein.
Im Gespräch zum dds-Titelthema »Im Auftrag des Herrn«, dds 10-2013, über kirchliches Bauen merkte der Rottenburger Diözesanbaumeister Thomas Schwierin an: »Nur bei hoher Qualität halten Kirchenmöbel über Generationen hinweg.« Unter diesem Leitgedanken tragen die beauftragten fünf Schreinereien und zwei Fensterbauer mit ihren Arbeiten dazu bei, dass eine anspruchsvolle Bau- und Handwerkskultur auch für künftige Generationen in der Römerstadt Rottenburg erfahrbar bleibt. HN

Projektbeteiligte
Diözese Rottenburg-Stuttgart
LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten BDA/AI, 70176 Stuttgart
Folgende Schreinereien waren beauftragt: Friedrich Hanselmann KG, 75389 Neuweiler, mit Möbel- und Innenausbau; Schreinerei Otto Obermüller, 71364 Winnenden, mit Innentüren und Brandschutzelementen; Schreinerei Bernhard Widmaier, 72108 Rottenburg, mit den historischen Portaltüren; Schreinerei Jürgen Vasold, 72145 Hirrlingen, mit dem Umbau von Holzinnentüren und Schutzmaßnahmen;
und die Schreinerei Hugo Kessler, 72145 Hirrlingen, mit der Konferenztischanlage im Bischof-Sproll-Saal
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