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Kevin Weiß ist Schreiner, Designer und Unternehmer

Kevin Weiß ist Schreiner, Designer und Unternehmer
Über das Design zur Schreinerei

Schreinermeister Kevin Weiß hat sich nach dem Studium zum Raum- und Objektdesigner an der Fachakademie in Garmisch-Partenkirchen mit einem eigenen Designstudio etabliert. Aktuell steigt er zudem als Partner in eine Schreinerei ein.

Wie es heute gelingen kann, junge Menschen für handwerkliches Tun zu begeistern, beleuchten wir in unserer Rubrik »120 Jahre dds – Blick nach vorn« auf differenzierte Weise. Wie zum Beispiel lassen sich mit Social-Media Kinder und Jugendliche für das Handwerk begeistern und motivieren? Wir haben bekannte YouTuber wie Laura Kampf und Jonas Winkler vorgestellt, dazu den Social-Media-affinen Simon Meinberg, der nach dem Start als junger Tischlermeister in Berlin nach drei Jahren inzwischen 105 Mitarbeiter beschäftigt. Heute richten wir den Blick auf Kevin Weiß, dds-Lesern unter dem Geburtsnamen Gerstmeier bekannt. Er zählt zu den vier Autoren, die abwechselnd in jeder dds-Ausgabe ein Meisterstück unter die Lupe nehmen und in den Aspekten Gestaltung, Konstruktion und Ausführung beleuchten. Kevin engagiert sich für ein gestalterisch zukunftsfähiges Handwerk. Zudem lehrt er als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen sowie Meister- und Berufsschulen.

Der suchende Blick des Designers

Einen Paten fand Kevin in dem Möbelverleger Nils Holger Moormann, einer schillernden Figur der Designszene: »Kevin Weiß kommt vom klassischen Handwerk des Schreiners, eine solide Grundlage. Das Besondere dabei ist, dass es ihm gelingt, den häufig allzu material- und verarbeitungsfokussierten Blick des Handwerkers schweifen zu lassen und diesen mit dem forschenden, suchenden Blick des Designers zu verbinden. Erfreulich ist, wie sich Kevin zeichnerisch und grafisch der Welt nähert. In seinem Skizzenbuch verbinden sich Neugier, Poesie und Könnertum. Es dürfte noch einiges von ihm zu erwarten sein!«

Auf der Messe Blickfang hatte Kevin als Preisträger des Future Awards 2019 ein Coaching mit Moormann gewonnen, der für eine weitere Awardbewerbung das zitierte Statement zu Kevin verfasste. Auch heute steht Kevin Weiß noch im Austausch mit dem Freigeist Nils Holger Moormann.

Neugier, Poesie und Könnertum

Wie fand Kevin ohne eine einschlägige Vorbelastung in seiner Familie den Weg zu Holz und Gestaltung? Geboren in Ormstown, in der Nähe von Montreal im kanadischen Quebec, wuchs er auf der Schwäbischen Ostalb in der Nähe von Ulm auf. Prägend war seine Schulzeit in der Waldorfschule mit dem vertieften Werkunterricht – früh konnte er dort schon seine Kreativität ausleben. In der achten Klasse entstand zum Beispiel das hier abgebildete Kajak – gearbeitet aus einem Baumstamm nur mit dem Winkelschleifer und einer Freifrässcheibe.

In direkter Nachbarschaft zu Kevins Elternhaus gab es einen Schreinermeister mit voll ausgestatteter, professioneller Werkstatt. Bei ihm hat Kevin ein spezifisches Schulpraktikum absolviert und in der Folgezeit auch einen großen Teil seiner Freizeit verbracht. Er durfte an diesem Ort frei walten und zugleich stand ihm der selbstständige Schreinermeister für alle seine Fragen als Mentor zur Verfügung. Es ist anzunehmen, dass von ihm auch der ein oder andere fachkundige Tipp kam, um als Achtklässler ein schwimmfähiges Kajak umzusetzen! Später begann Kevin eine Lehre im Nachbarort bei der Schreinerei Hans Baur, der sehr großen Wert auf gute Gestaltung legt.

Motivierender Lehrmeister

Im Hinblick auf Kreativität und handwerkliches Geschick war die Ausbildung bei Hans Baur der Grundstein für Kevins Werdegang, seine heutigen Entwürfe und die daraus resultierenden Produkte. Nach der Gesellenzeit besuchte er die Meisterschule in Garmisch-Partenkirchen, wo sein Interesse für die Gestaltung weiter gesteigert wurde. Während seines anschließenden Studiums an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign an den Schulen für Holz und Gestaltung nutzte er die Chancen, die dieser Ort bietet: Durch den Meisterkurs bereits vertraut mit den Werkstätten und dem Maschinenpark, konnte Kevin neben der Weiterbildung an eigenen Projekten arbeiten.

Kevin Weiß und der Stuhl Mahu

Beispielhaft ist sein Stuhl Mahu, mit dem er in der Designwelt sichtbar geworden ist. Er verbindet eine aus der Natur abgeleitete Formensprache mit Massivholz und rationeller CNC-Fertigungstechnik. Charakteristisch ist, wie sich die hinteren Stuhlbeine aus der Rückenlehne entwickeln. An ihr setzen die vorderen Beine wie mit einem Ellenbogengelenk an. Die tief geschnittene Sitzfläche verbindet die für einen sicheren Stand ausgestellten Beine als stabilisierendes Element. Mahu transformiert das organische Design der 1960er-Jahre in eine zeitgemäße Formensprache und Fertigungstechnik. Ein starker Entwurf, dessen avisierte Serienproduktion bei einem renommierten italienischen Produzenten an den unterschiedlichen Vorstellungen über das Preissegment scheiterte. Eine Kleinserie für wertschätzende Kunden steht an.

Nach dem Abschluss in Garmisch-Partenkirchen gründete Kevin ein Designstudio, um Objekte und Räume zu schaffen, die Geschichten erzählen. Das Büro verknüpft Produktdesign, Interieur Design und Produktfotografie. Kevins weiterhin enge Kooperation mit der Schreinerei Baur und Matthias Baur, der das Unternehmen in fünfter Generation lenkt, entwickelt sich aktuell zu einer gleichberechtigten Geschäftsführung der beiden. Neben dem Entwurf und den Kundenkontakten ist es Kevin Weiß ein wichtiges Anliegen, motivierte Nachwuchskräfte auszubilden. Und auch Studienpraktikantinnen und -praktikanten ebnet er bereitwillig den Weg in die Gestaltungswelt.


dds-Redakteur Hubert Neumann ist Gestalter der Fachrichtung Holztechnik und Schreinermeister. Das kreative Arbeiten von Kevin Weiß alias Gerstmeier verfolgt er seit dessen Erfolg beim dds-Preis 2013.


Steckbrief

Studio Kevin Weiß
Art, Interior and Design
89547 Dettingen
www.studiokevinweiss.de

Schreinerei Baur
Matthias Baur und Kevin Weiß
89542 Herbrechtingen-Bissingen
www.schreinereibaur.de


Mehr zu Kevin Weiß (geb. Gerstmeier)

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