Hotelausbau in Wildeiche

Leistung in der Lausitz

Beim Hotelausbau eines Freizeitpark-Hotels im äußersten Osten der Republik hat die Großschönauer Werkstätte Berndt den Innenausbau übernommen. Viel Holz war gefragt, wenig Zeit geboten, doch dank professioneller Organisation konnte der sportliche Zeitrahmen eingehalten werden.

Jörg Zinsser, Tischler und Journalist

seit vielen Jahren ist das Bad bekannt im Oberlausitzer Raum, bis nach Berlin, fast bis an die Ostsee: Waldstrandbad Großschönau hieß es früher. Heute wird es betrieben als Trixi Ferienpark Zittauer Gebirge, mit Ferienwohnungen und einem ländlich-modernen Vier-Sterne-Hotel. Der Gesamtkomplex ist seit Ostern 2018 in Betrieb, nach einer rund dreijährigen Bauphase. Das Dresdener Büro AWB Architekten hat für rund sechs Millionen Euro die gastronomische Infrastruktur des Freizeitparks erneuert und nutzte dazu die bestehenden Wegenetze und die vorhandenen Gegebenheiten. Entstanden ist durch den familienfreundlichen Hotelausabu eine Freizeitoase im südöstlichsten Winkel Sachsens, nahe der tschechischen Grenze.

Technisch erfüllt das Gastronomiegebäude mit angeschlossenem Appartmenthaus die aktuellen Standards, konzeptionell fügt es sich in ländliche Traditionen ein: die Kubatur der Bauwerke zitiert die Funktionen »Wohnhaus und Scheune« eines Bauernhofs, mit aufragendem Satteldach und langgestrecktem Nebengebäude. Im Gegensatz zur Funktion bei landwirtschaftlichen Nutzbauten – Abgrenzung – öffnen sich die Fassaden nach allen Seiten. Großzügige Glasfronten, die im Sommer geöffnet werden, geben den Blick in die Landschaft frei und verleihen der Anlage eine luftige Camp-Atmosphäre.

Hotelausbau in lässiger Gemütlichkeit – ohne Kitsch

Erholung und Naturgenuss suchen die Bewohner heute und nicht nur wie früher, Schutz vor Regen und Wind. Viel Holz ist von außen zu sehen, und im Inneren dominiert eine lässige Gemütlichkeit, ohne rustikalen Kitsch. Eiche in Variationen war die Holzart der Wahl, schlicht und geradlinig verarbeitet, kombiniert mit dezenten Grautönen. Der Innenausbau lag ganz in den Händen der Großschönauer Werkstätte Berndt: Gestaltung, Konstruktion und Ausführung. Nur wenige Vorgaben kamen vom Architekten, eine grundsätzliche Konzeption war innerhalb des festgelegten Budgets kreativ umzusetzen. Der Innenausbaubetrieb mit seinen 13 Mitarbeitern hatte sich mit dem Auftrag also gleichzeitig Lust und Last an Land gezogen: den Genuss gestalterischer Freiheit, gekontert von der Strenge ökonomischer Begrenzung. Letztere bestand auch in einem Mangel an Zeit: Anfang Dezember 2017 begannen die gemeinsamen Planungen von Architekturbüro und Innenausbau-Werkstätte, im Januar 2018 ging die Arbeitsvorbereitung in die Phase der Stücklisten, und eine Woche vor Ostern war Bauübergabe. Der Auftrag umfasste den gesamten Innenausbau, außer Fußböden, Decken und T30-Türen: Zimmereinrichtungen, Tresen, Wandverkleidungen und -schränke, Akustikelemente, Glastrennwände. Die Entwürfe des Innenausbauers wurden in Absprache mit dem Architekten schrittweise konkretisiert, wobei bisweilen auch die Wünsche des Architekten eingeschränkt werden mussten beispielsweise, was die Wahl der Materialien betraf, die innerhalb des Kostenrahmens infrage kamen.

Die Eiche als dominierende Holzart wurde als Vollholz verwendet und als Furnier, die Oberflächen sind überwiegend mit einem stumpfmatten Lack in Naturholz-Optik beschichtet: Die Anforderungen des Hotelbetriebs an die mechanische Belastbarkeit bestimmten hier die Entscheidung. Der Lack musste außerdem der Brandschutzklasse B1 nach DIN 4102 B1 – schwer entflammbar – entsprechen. Wandpaneele wurden von der Werkstätte Berndt selbst in Wildeiche furniert, andere Furnierwerkstoffe kamen verarbeitungsfertig von Kaindl; ebenso dekorative Werkstoffe von Egger, vor allem in einem hellen Uni-Farbton namens »kaschmirgrau«, der in Kombination mit dem Eichenholz leitmotivisch verwendet wurde.

Hotelausbau mit akustisch wirkenden Holzwerkstoffe

Viele der Türen sind Akustik-Elemente: Eichenfurnier auf MDF mit perforierter, schallschluckender Oberfläche. Hier zeigte sich ein grundsätzliches Problem des vernetzten Arbeitens mit Zulieferern, die unter der Leitung eines Generalunternehmers ihre Leistungen koordinieren: Die Lieferzeiten für Spezialitäten passen oft nicht zum straffen Zeitplan. Selbst herstellen war im Falle der Akustiktüren schneller als zukaufen. Auch für die Werkstätte Berndt gilt die betriebswirtschaftliche Leitlinie: So viel wie möglich selbst machen, so viel wie nötig outsourcen. Dabei kann sich ein Betrieb auch bewusst dafür entscheiden, bestimmte Anforderungen auszuschließen: Hochglanzflächen, etwa, wurden bei Berndt aus dem Portfolio genommen, weil der Aufwand im Rahmen gegebener Kosten-Nutzenstrukturen oft nicht zu leisten ist. Aufträge dieser Art werden zwar jederzeit angenommen, aber dann eben nicht zur Gänze selbst ausgeführt.

Wegweisender Hotelausbau und Konzepte aus dem Schwarzwald: Hotelausbau Schwarzwald

 


Steckbrief

Innenausbau:
Werkstätte Berndt GmbH, Großschönau
www.werkstaette-berndt.de

Architektur:
AWB Architekten BDA, Dresden


Bauherr
Trixi Ferienpark GmbH, Großschönau
www.trixi-park.de


Martin BerndtWerkstätte BerndtGroßschönau

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