Innenausbau von Oscar Möbel & Objekt

Gestalten heißt verstehen

Wenn man mit Tischlermeister Urs Bauer über Gestaltung spricht, erzählt er von seinen Kunden. Deren Wünsche in ein stimmiges Konzept umzusetzen, ist für ihn das Geheimnis eines gelungenen Entwurfs – nicht das Verkaufen eigener Design-Vorlieben.

Einen eigenen, fest angestellten Innenarchitekten zu beschäftigen, das scheint für die meisten Tischlereien Luxus zu sein. Kleine und mittlere Unternehmen müssen oft mit möglichst wenig Personal über die Runden kommen, der Weg zwischen Kapazität und Auslastung ist eine Gratwanderung. Doch es gibt Gegenbeispiele wie Urs Bauer und seinen 23-Mitarbeiter-Betrieb Oscar Möbel & Objekte im rheinland-pfälzischen Steinebach an der Sieg. Vom Westerwald aus beliefert er Kunden in ganz Deutschland und der Schweiz mit hochwertigen Möbeln und Innenausbauten. Die Architektin Dipl.-Ing. Kerstin Heider spielt im Unternehmen eine zentrale Rolle: Sie erkundet die Wünsche der Kunden in ausführlichen Interviews und übersetzt sie detailfreudig in Entwürfe, von denen keiner dem anderen gleicht. Als »Kundenflüsterin« ist es ihre Aufgabe, aus vagen Ideen und Vorstellungen diejenige Lösung zu destillieren, welche wie die einzig mögliche aussieht.

Holz-Couture

Aus der Erdgeschosswohnung einer Kundin, Wohnfläche etwas mehr als 50 m², holte das Oscar-Team das Optimum an Raumwirkung heraus und schaffte es, ein kleines Wohlfühlparadies zu bauen, bis in Einzelheiten abgestimmt auf die Lebensgewohnheiten der Auftraggeberin. Zuhören, verstehen, ernst nehmen und stilsicher umsetzen – das sind die Leitlinien bei Oscar, nicht Trends der Architektenszene. »Kein Wunsch des Kunden darf ungehört unter den Tisch fallen«, so fasst Urs Bauer seine Philosophie zusammen und vergleicht sie mit der Kundenorientierung der Gastronomie. Geht nicht, gibt’s nicht. Was gewünscht wird, wird geliefert: eine reduziert-geradlinige Küche in diesem Fall, Fronten und Tischplatte in Eiche, Arbeitsplatten und Fußböden aus Grauwacke, einem schieferartig dunklen Naturstein, der meist als Baumaterial dient, z. B. für Kopfsteinpflaster. Ein Parkettboden in Schachbrett-Rautenmuster bedeckt die Böden der übrigen Wohnung – alles auf neuem Estrich mit Fußbodenheizung. Im Schlafzimmer erfüllen gegenüberliegende Spiegel die Funktion einer Ankleide und sind gleichzeitig der Gestaltungstrick zur optischen Vergrößerung des Raumes. Raumvergrößernd wirken auch die abgehängten Decken, die mit Glas verkleidet sind – ein weiterer Spiegeleffekt. Flächenbündige, großflächige Schiebetüren, eine weiß, eine verspiegelt, mit eingelassener Griffleiste, gleiten sanft auf Schiebebeschlägen und machen das Ankleiden zum Ereignis. Das Aufstehen wird versüßt durch einen flauschigen, ebenfalls lichtstreuend weißen Teppichboden, durch dezente Beleuchtung mit bettnahem Schalter und durch ein Badezimmer, dessen Spiegel in Eichenholz gefasst ist wie ein gerahmtes Gemälde: Selbstbildnis mit guter Laune. -HN


Steckbrief

Entwurf, Planung: Kerstin Heider, Dipl.-Ing. Architektur
Oscar Möbel + Objekte

Fertigung, Montage:
Oscar Möbel + Objekte e.K.
www.oscar-moebel-objekte.de

Armaturen: www.vola.com


Urs Bauer Gründer und Inhaber Tischlerei Oscar

»Mit unseren Entwürfen
treffen wir die
Emotionen
der Kunden«