Barrierefrei auf einer Ebene

Ein neues Stück Lebensqualität

Schreinermeister Stefan Kornmeier ist Spezialist für Planung und Innenausbau. Er begleitete den gesundheitlich bedingten Umbau eines privaten Wohnhauses. Entstanden sind dabei über einhundert Quadratmeter barrierefreie Wohnfläche mit großer Glasfront zum Garten hin.

Es gibt Dinge im Leben, die kann man sich nicht aussuchen. Etwa notwendige Veränderungen, die im Falle einer Krankheit auftreten. Doch man kann versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen. Im konkreten Fall bedeutete das für die an Multiple Sklerose erkrankte Hausbewohnerin, eine Umgebung zu schaffen, die sowohl auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse als auch auf die ihrer Familie zugeschnitten sind. Dafür suchten sie sich Hilfe bei Stefan Kornmeier und seinem Team, auf dessen Innenausbau- und Planungsbüro sie auf Empfehlung eines Bekannten aufmerksam wurden. Es folgte ein erstes Gespräch. Für die Bedarfsanalyse wurde dann der Alltagsablauf Stück für Stück rekonstruiert und überlegt, wo Unterstützung schon jetzt notwendig ist und an welcher Stelle bereits für die Zukunft vorgedacht werden kann. Als erstes fiel die Entscheidung, vom Obergeschoss ins Erdgeschoss umzuziehen und alle Wohnbereiche auf einer Ebene unterzubringen. Durch den Verlauf der Krankheit stand fest, dass die Räume auch für einen Rollstuhl tauglich sein müssen. Der Entwurf wurde abgestimmt auf Barrierefreiheit und Wohnlichkeit, denn auch wenn die Ansprüche an gesundheitliche Aspekte oberste Priorität hatten, sollten die Räume keinesfalls den Charakter eines Krankenzimmers ausstrahlen. Weiteres Merkmal war, die möglichst hohe Selbstständigkeit der Bewohnerin zu gewährleisten. Was dazu notwendig war, musste Raum für Raum definiert und besprochen werden.

Der Schreiner als Koordinator

Als es an die Ausführung ging, koordinierte Markus Wangler vom Team Kornmeier als Gestalter und Projektleiter die einzelnen Schritte. »Baubeginn war am 12. Januar und am Karfreitag sind wir eingezogen«, erzählt Bauherrin Regina S. begeistert. »Alles war ganz genau festgelegt. Das gute Miteinander hat mir gefallen, wir konnten bei der Wahl der einzelnen Gewerke mitsprechen und stets unsere Wünsche äußern. In sämtlichen Fragen hatten wir in unserem Bauleiter Markus Wangler einen Ansprechpartner. «

Barrierefrei auf einer Ebene

Besonders der frühere Balkon spiegelt die Verwandlung des Hauses wider, zumindest die sichtbarste von außen. Doch auch in der Wohnung ist nichts mehr im früheren Zustand geblieben, es wurden Wände und Türen herausgenommen, das Gebäude komplett in den Rohbau zurückversetzt. Küche, Wohnzimmer und das Bad erhielten nacheinander eine Neugestaltung. Das Anliegen und die größte Motivation vom Team Kornmeier für dieses Projekt war kein geringeres als das höchstmögliche Wohlbefinden der Auftraggeberin: »Wir wollten einfach, dass das Neue absolut angenehm wohnlich wird«, so Stefan Kornmeier und schildert weiter: »Im Gegenzug hatten wir ein sehr erfüllendes Projekt und eine Kundin, die einen bei jedem Besuch in den Arm nahm.«

Für dieses Ergebnis war die Zusammenarbeit vieler Gewerke notwendig. Auf der Baustelle wechselten sich über die Wochen neben dem Schreiner auch Fensterbauer, Maurer, Heizung und Sanitär sowie Elektriker und Gipser ab. Ein neuer Estrich wurde aufgebaut und darauf wunschgemäß ein Parkett in Robinie verlegt. Alle Wände wurden mit Lehmputz neu verputzt, die Fenster sind nun dreifachverglast. In der Küche sind es die Details, wie die vollversenkbare Türe des Backofens, die den Alltag erleichtern. Auch beim Kochen selbst gelangt man nun im Rollstuhl ungehindert an die Bedienung des Induktionsfelds. Flexibel ist der Kochbereich konstruiert, so lässt sich eine Platte auf perfekter Höhe bei Bedarf ausziehen und erweitert so die Arbeitsfläche.

Raum und Möbel stringent geplant

Der ehemalige Balkon erweitert nun den Wohnraum. Hier entstand der neue Lieblingsplatz der Bauherrin. Die großflächigen Glaselemente sind mit mittig platzierten Schiebeelementen aufgebaut und verbinden den Wohnraum mit dem Grün des Garten. Durch die leichtgängige Konstruktion ist es Regina S. möglich, die Verbindung nach draußen mit eigener Hände Kraft herzustellen. Es ist weit mehr, als ein Blick von innen nach außen, denn hier kann sie den Wind um die Nase spüren und sogar mitfiebern, wenn auf dem nahegelegenen Fußballplatz ein Spiel stattfindet.

Das neue Badezimmer hebt sich vom üblichen Baddesign ab. Die Haltesysteme, ebenso wie der wandhängende Duschsitz machen eine Hygiene ohne fremde Hilfe möglich. »Sogar Duschen kann ich noch selbst,« erzählt Regina S. mit sehr viel Lebensmut, »es gibt nur einen Raum, den ich mit dem Rollstuhl nicht mehr erreiche und das ist das Gäste-WC. Doch das ist ok, denn so haben Familie und Freunde keine Befremdlichkeit, wenn sie da sind.« Durch den Umbau, der dank der Sachkenntnis vom Team Kornmeier auch KfW-gefördert wurde, kehrte für sie trotz der vielen Entbehrlichkeiten wieder ein großes Stück Lebensqualität zurück und dafür ist sie sehr dankbar. – ES


Stefan Kornmeier, Schreinermeister

»Wir wollten, dass es drin so schön wie nur möglich wird.«


Steckbrief

Stefan Kornmeier Innenausbau & Konstruktion sieht sich als eine Mischung aus Handwerksbetrieb und Innenarchitekturbüro. Der Schreinermeister und sein Team begleiten anspruchsvolle Projekte im Objekt- und Modernisierungsbereich, einschließlich Planung.

www.stefankornmeier.de

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