Innenausbau einer Straßenbahn in Eichenholz

Das »Damals« hervorgeholt

Zeitgemäß und zeitlos – so präsentiert sich heute die Restauranttram von »Bernmobil«, den Berner Verkehrsbetrieben. Zugleich holte Innenarchitekt Roland Schaad die »Seele der Tram« zum 80. Geburtstag wieder hervor, sodass sich Gäste wie zu Hause fühlen können.

Was vor mehr als 125 Jahren mit der ersten Tramlinie zwischen Bärengraben und Friedhof begann, ist zu einem dichten Liniennetz geworden. Mit 46 Prozent weist der öffentliche Verkehr in der Hauptstadt Bern den höchsten Anteil am Gesamtverkehr auf. Seit 1936 ist sie auf Berns Schienen unterwegs – die Tram Nr. 647. 1980 wurde sie zu einem Restaurant auf Rädern umgebaut und über 200 000 Gäste ließen sich seither darin kulinarisch verwöhnen. Der Berner Innenarchitekt Roland Schaad durfte zum 80. Geburtstag der Tram neuen Glanz einhauchen.

Farbschicht für Farbschicht wurde über die Jahre aufgetragen. So dick, dass vom ursprünglichen Innenleben wenig übrig blieb. Schwarz, gelb und rot – ein buntes Farbengemisch entstand. Immer wieder wurde weiter renoviert, die Seele der Tram ging über die Jahre verloren. Eine Tram ist alles andere als alltäglich. Die kleine Fläche und die Ansprüche an Standfestigkeit im rollenden Objekt verlangten viel Denkarbeit. Schaad entschied sich, die Tram in den Ursprungszustand zurückzubauen. Statt einfach neue Farben aufzutragen, wurden die alten Farbschichten entfernt. Alte Materialien kamen zum Vorschein, etwa Eichenholz bei den Fensterrahmen und wurden Leitmaterial für das Designkonzept. Tische und Bänke sind aus Eiche gefertigt. Vorhänge so interpretiert, als seien sie von anno 1936 aus einer Wohnstube entlehnt. Die Gäste sollen sich wie zu Hause fühlen und in die Zeit von damals zurückversetzt werden. Dennoch wirkt das Design zeitgemäß und zeitlos.


dds-Redakteur Hubert Neumann verbringt jedes Jahr Tage in der Schweizer Hauptstadt. Ob beim Besuch des Berner Oberlandes oder
einer Kajaktour auf der Aare – in der Region Bern gelingt alles auch ohne Auto.


Roland SchaadInnenarchitekt, Objekt 13 Innenarchitektur

»Der Entwurf
für eine Tram verlangt viel
an Denkarbeit – für wenig Raum und wenig Fläche.«