Männersalon »DaBarber« in Pfaffenhofen

Back to Bart

Tobias Mehr, Friseurmeister in vierter Generation, hat den Traum von der Selbständigkeit verwirklicht. Für seinen Männersalon »Da Bader« in Pfaffenhofen entwickelte er zusammen mit den Schreinern von Objektbau Kienberger einen bajuwarisch-industriellen Wirtshaus-Look.

Jörg Zinsser, Tischler und Journalist

Man trägt wieder Bart – ohne diesen Trend wäre ein Friseursalon, der ausschließlich Männer bedient, vermutlich nicht möglich. Tobias Mehr interpretiert jedoch die Idee einer Entspannungsoase für den gepflegten Herrn etwas anders als viele seiner Kollegen, deren modische Barbershops in den Städten wie Pilze aus dem Boden sprießen: Handwerk statt Hipstertum bietet er seinen Kunden, authentisch-bayerisch, ehrlich und unaufgeregt. Schon sein Urgroßvater hat in Pfaffenhofen an der Ilm, nördlich von München, Haare geschnitten und Bärte gestutzt. Für seine Kunden war der Besuch beim »Bader« mehr als eine hastig absolvierte Notwendigkeit. Man brachte Zeit mit, heute ein knappes Gut, das im Gegensatz zu unserer mobil vernetzten Hektik damals reichlich zur Verfügung stand. Man tauschte sich aus über die örtlichen Begebenheiten und die Sensationen der großen Welt – der Barbiersalon als soziales Medium. Für Tobias Mehr ist »Da Bader« eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, für die er keinen künstlichen Vintage-Look braucht. Alles ist neu in seinem Laden, durchdacht und so solide, dass es auch in vielen Jahren, so der Plan, noch funktionieren wird, wenn andere ihren Laminatboden längst durchgewetzt haben.

Der Zweck bestimmt die Formen

Mehr hatte klare Pläne, als er sich an Objektbau Kienholz wandte, um das kleine Ladengeschäft zu sanieren, das er in Pfaffenhofener Toplage angemietet hatte. Gemütlich sollte es werden, wie ein Wirtshaus, das man gerne auch ohne Grund besucht. Nicht altbacken, sondern zeitgemäß – ein ländlicher Netzwerkknoten mit echten Menschen und relevanten Kontakten: Auf ein Bier zum Bader und dabei den Skiausflug am Wochenende klarmachen.

Dabei waren die Erfordernisse des Friseurhandwerks – Aufgeräumtheit und Hygiene – in Einklang zu bringen mit denen eines quasi-gastronomischen Betriebs. Hier kam die Erfahrung des Innenausbauers Kienberger ins Spiel. In einer ausführlichen Konzeptionsphase analysierte man gemeinsam, was der Raum leisten musste und wie er demnach funktionieren sollte: Der Frisierbereich steht im Zentrum, daneben gibt es einen Empfangsbereich, also einen Tresen, an dem der Kunde ein- und auscheckt, und schließlich einen Warte- und Gesprächsbereich, in dem man gerne sitzt, egal, ob man einen Termin hat oder nur vorbeischaut auf einen Drink.

Service und Verkauf

Nicht vollgestopft sollte es aussehen, obwohl auf den rund 50 m2 Gesamtfläche einiges unterzubringen war: Sitzgelegenheiten, eine Küchenzeile für den Self-Service der Gäste, ein großer TV-Bildschirm, und nicht zuletzt Präsentationsflächen – ein Friseur muss auch Haarpflegeprodukte verkaufen. Außerdem wurde Platz benötigt für die verkäuflichen Kostproben lokaler Geschäftspartner: Bayerische Basecaps mit Edelweiß, T-Shirts oder ein cooles Mountainbike, das zur Ansicht an der Wand hängt. Das Konzept schließt nicht aus, dass ein Mann zum Friseur geht und mit einem neuen Motorrad nach Hause kommt.

Auch speziellere Anforderungen waren zu beachten. Zum Wohlfühlaspekt für die männliche Kundschaft gehört zum Beispiel, dass der Sitzbereich nicht an der Front zur Straße liegt – man möchte sich nicht wie ein Ausstellungsstück fühlen. Und für die Wand des Frisierbereichs schlug Kienberger zunächst nostalgische Fliesen in einem Grünton vor. Geht gar nicht, entgegnete der Friseurmeister: Grün macht eine ungesunde Hautfarbe, wenn es auf das Gesicht des Kunden reflektiert wird. So arbeiteten sich Kunde und Ladenbauer voran, bis ein stimmiger, praktikabler und nicht zuletzt budget-treuer Entwurf erreicht war.

Holz, Stahl und Leder

Zunächst ist da der Boden, buchstäblich die Grundlage des Geschäfts. Hier entschied sich Mehr bewusst für die kostspieligste Variante: Vollholz-Eichenparkett, verlegt im Fischgrätmuster, 22 mm stark, unverwüstlich und Generationen überdauernd – eine klare Ansage. Die Stärke der Nutzschicht war wichtig, da sich um die Bedienplätze herum Laufwege abzeichnen mit der Zeit. Zwingend erforderlich war deshalb die Möglichkeit wiederholten Abschleifens. Auch die Fischgrätverlegung war keine gestalterische Wahl, denn die Hygiene verlangt eine vollkommen plane Fläche: beim Ausfegen dürfen keine Haare in den Fugen paralleler Dielen zurückbleiben.

Die Empfangstheke gleicht einem lose geschichteten Holzstoß aus groben Balken: das Männer-Konzept wird dadurch gleich am Eingang unmissverständlich klar gemacht. Auf der Rückseite bietet die Holzstoßtheke Korpusse für Kassentechnik, Telefon und Internet. Eine Blaustahlplatte auf der Theke schlägt das zweite Hauptthema an: Industrie-Ästhetik. Blaustahl bedeckt auch das eichenfurnierte Sideboard des Frisierbereichs. Schlichte Korpusse mit Auszügen nehmen alle Utensilien auf, sodass nichts g’schlampert herumliegt: Auch hier war weniger Gemütlichkeit zu signalisieren als vielmehr Sauberkeit. Dies umso mehr, als an der Wand wiederum eine eher ruppige Ästhetik vorherrscht: »Stepwood«-Paneele des österreichischen Herstellers Kolar, Oberfläche Altholz Fichte, sonnenverbrannt, roh.

Holz und Metall: diese Kombination setzt sich fort in den Korpus- und Regalmöbeln des Berliner Herstellers Noodles, deren Design von historischen Werkzeugschränken inspiriert ist. Und männergerecht gesellt sich schließlich noch Leder zum Materialmix: Die Frisierstühle tragen Lederbezüge mit dem Logo des Salons, und eine lederbezogene Eckbank interpretiert das Wirtshaus-Thema modern: ein einladenderes Sitzmöbel – Standardelement jeder bayerischen Gaststube – scheint kaum vorstellbar.

Die formale Reduktion tut dem kleinen Raum gut, und so dominieren wenige, aber klare Farben: das Braun der Hölzer, das Schwarz des Stahls und der Wandverkleidung mit ihrem beschriftbaren Tafellack, dazu das Weiß der Wände und der Trockenbaudecke. Deren eingebaute LED-Panels werden im Wartebereich ergänzt durch Designerleuchten von Diesel. Das hochwertige und langlebige Interieur, bei dem trotz aller Schlichtheit an nichts gespart wurde, verwirklicht konsequent das Motto, das Tobias Mehr seinem Salon gegeben hat: Männer brauchen nicht alles, sondern nur das Richtige. Und nicht vergessen wurde auch die Devise, nach der schon Mehrs Großvater sein Geschäft eingerichtet hat: »Ich bin zu arm, um mir etwas Günstiges zu leisten!«


Steckbrief

Da Bader
Tobias Mehr, Pfaffenhofen a. d. Ilm
www.da-bader.de

Innenausbau
Kienholz Objektbau, R. Kienberger
Pfaffenhofen a. d. Ilm
www.objektbau-kienholz.de


Tobias Mehr, Friseurmeister

»Mit Objektbau Kienberger lief alles Hand in Hand«