Innenausbau

Auf Gips gebaut

Nicht immer muss die Unterkonstruktion für Mineralwerkstoffe aus Holz bestehen. Auch Gipsplatten eignen sich dafür – besonders dann, wenn bauseitige technische Vorgaben mit ihnen besser erfüllt werden können als mit Holzwerkstoffen.

Jörg Zinsser, Tischler und freier Journalist

Der Brandschutz war der Grund, warum Zulieferer Ackermann aus dem unterfränkischen Wiesenbronn eine raumgreifende und dreidimensional geschwungene Corian-Theke für die Universität Hildesheim mit einer Unterkonstruktion aus Gipsplatten gebaut hat. Die Informationstheke im Foyer der Uni schlängelt sich in Form des griechischen Buchstabens Omega um drei gegebene Säulen herum. Sie sitzt zudem teilweise auf einer Rollstuhlrampe, die im Sinne der Barrierefreiheit zwei Höhenebenen des Bodens miteinander verbindet. Das eine Ende der Theke ist als auskragende Tischplatte ausgeführt, die mit dem Rollstuhl unterfahren werden kann. Am anderen Ende verwandelt sich die Arbeitsfläche durch sanfte Absenkung in eine Sitzfläche, wobei die vertikale Thekenfront zur Rückenlehne der Sitzbank mutiert. Da die Theke in der Werkstatt gefertigt wurde, war es notwendig, sie zerlegbar zu konstruieren. Am Zielort mussten die Teile zudem durch eine begrenzende Tür passen. Und schließlich wollte der Auftraggeber eine »Generalprobe« veranstalten, um zu sehen, wie der 3D-Entwurf in der Realität wirken würde, und um ggf. noch Änderungen vornehmen zu können. Von der 21 m langen Theke mit einem Stichmaß von 8 x 8 m wurde deshalb vorab ein Modell im Maßstab 1:1 angefertigt – gefräst aus Styroporblöcken mit einer 5-Achs-Maschine.
Die Unterkonstruktion besteht aus Gipsfaserplatten, die in einem Schlitz-und-Zapfensystem zusammengesteckt, verklebt und verschraubt wurden. Das freitragende Ende der Theke wird durch eine Stahlkonstruktion gestützt, die mit der Unterkonstruktion verschraubt und verklebt ist. Die Corian-Teile wurden aus 32 Platten auf CNC-Maschinen genestet, in erhitztem Zustand mithilfe von 52 Schablonen verformt und samt Schablone auf einer 5-Achs-Maschine endformatiert. Ackermann brachte den Auftrag in zehn Wochen über die Bühne, nicht zuletzt aufgrund umfassender Erfahrung mit ähnlichen Projekten. Die Montage wurde in drei Tagen von zwei Mitarbeitern ausgeführt – denselben, die die Theke in der Werkstatt gebaut hatten. Diese Vorgehensweise ist bei Ackermann Standard, die Montage wird nicht an Drittfirmen vergeben. Neben einer enormen Zeitersparnis kommt dies auch der Sorgfalt bei der Montage zugute, sprich: der Qualität des Endprodukts.

Steckbrief

Bauherr: Stiftung Universität Hildesheimwww.uni-hildesheim.de
Ausführung Innenausbau:Friedrich Wackerhagen GmbH & Co. KGwww.wackerhagen-buero.de
Ausführung Thekenanlage:Georg Ackermann GmbH www.ackermanngmbh.de

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