Ein zukunftsweisendes Holzhaus von Baufritz

Arche in moderner Eleganz

»Wie wollen wir zukünftig wohnen? Zum 120-jährigen Jubiläum von Baufritz entstand als Antwort darauf ein zukunftsweisendes Holzhaus als Teil eines Gebäudeensemble. Nicht vom Architekten entworfen, sondern von Designer Alfredo Häberli.

Begonnen hat es 1896. Firmengründer Sylvester Fritz errichtete landwirtschaftliche Anwesen, Fachwerkhäuser oder auch Kirchtürme. 1963 wurde von den nächsten Generationen mit dem Fokus auf naturnahes Bauen und Konstruieren der Grundstein für ökologisches Bauen gelegt. Als erstes deutsches Holzhausunternehmen erhielten die Allgäuer später den EG-Öko-Audit und viele weitere Nachhaltigkeitsauszeichnungen. Baufritz, so der heutige Name der Holzhausbauer, gilt als der Holzhaus Hersteller, der ökologisches Bauen am konsequentesten betreibt. Mit der Philosophie ausschließlich natürliche und streng schadstoffgeprüfte Materialien zu verbauen, hat sich das Unternehmen ein markantes Profil erarbeitet. Dass Ökohäuser, befreit vom Müsliimage, zukunftsweisende Projekte für eine breite Zielgruppe sein können, beweist Dagmar Fritz-Kramer, die in vierter Generation die 300-Mitarbeiter-Firma steuert.

Von innen nach außen – der Innenausbau ist wichtig

Die Idee von Dagmar Fritz-Kramer war es, gemeinsam mit dem Züricher Designer Alfredo Häberli ein zukunftsweisendes Projekthaus zu bauen, das neue Dimensionen einer ökologischen Architektur aufzeigen und dem Holzhausbau ein neues Gesicht geben soll. Deshalb erhielt den Entwurfsauftrag eben nicht ein etabliertes Architekturbüro sondern ein weltweit anerkannter Produktdesigner, der aus einem befreiten Blickwinkel an die Aufgabe heranging und dabei auch den Innenausbau von Anfang an im Blick hat, denn er entwickelt Gebäude von innen nach außen – denn der Mensch steht im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Formen der Natur

In seinem Züricher Atelier entstanden die Grundrisse und Pläne für ein Holzhaus, das ganz neu gedacht wurde. Inspiriert vom Schiffbau als ureigener Form des Holzbaus, entwarf Häberli die bugartigen Dachformen mit Schwingungen und Bögen; organische Formen, wie sie in der Natur vorkommen. Weil der Designer hierbei, und auch bei der Planung großer Räume ohne »Schere im Kopf« entwarf, stand das Baufritz-Team in Sachen Konstruktion und Tragfähigkeit vor enormen Herausforderungen bei der Umsetzung. Bauteile waren komplett neu zu entwickeln und erforderten bei der Statik über die gewohnten Grenzen hinauszugehen – eben »Visionen realisieren – zeigen, dass es geht!« (Dagmar Fritz-Kramer).

 Grundriss mit Rückgrat

 Alfredo Häberlis Credo lautet, den Menschen – hier also den Bewohner – in den Mittelpunkt des Designs zu stellen. Und konsequenterweise dachte er bei der Gebäudeplanung »von innen nach außen«. Dabei stellte der Designer das übliche Nutzungskonzept »unten wohnen, oben schlafen« auf den Kopf. Im entstandenen Konzepthaus finden sich Kinder- und Elternschlafzimmer im Erdgeschoss (EG), Kochen, Essen und Wohnen oben unterm Dach. Das architektonische Rückgrat des EG-Grundrisses bildet ein Bauteil, das Wand, Tür und Möbel in einem ist. Es unterteilt als beidseitig nutzbare Schrankwand das Geschoss durchgehend in einen privaten und öffentlichen Bereich. Diesseits, nahe dem Eingang, finden sich mit üppigem Schrankraum die Funktionsbereiche Flur/Diele, Hauswirtschaft, Büro, Spielen etc.; ausklappbare Tische inklusive. »Aktivierung von Bauteilen«, nennt Häberli dieses Konzept.

Durch die Schrankwand hindurch erschließen Zugänge die klar voneinander getrennten Kinder- und Elternzimmer. Edle Holz- und Natursteinoberflächen strahlen Wertigkeit aus, und ein eigenes Thema für sich ist die integrierte Relax-Raumeinheit für die Eltern: mit Bett, Badewanne und offenem Kamin!

Beste Aussichten

 Wie das Hausprojekt zu seinem Namen kommt, fällt im Dachgeschoss sofort ins Auge. In dem Begriff »Haussicht« steckt auch das Wort »Aussicht« – und das im Wortsinn. Man betritt den Koch-Essbereich und steht gefühlt mit einem Bein im Freien. Denn der knapp 90 m² große Raum ist dreiseitig nahezu vollverglast, und mit einem Schritt ist man draußen auf der Terrasse, die das Innere weitläufig schwungvoll umfängt. Neben der realen Aussicht steht »Haussicht« im übertragenen Sinne für den Blick in die Zukunft, bei dem Baufritz weit über den Tellerrand des Hausbaus hinaus zu schauen vermag.

 Wie von einem Satelliten wird das Haupthaus ergänzt durch ein »Stöckli«, dem Schweizer Wort für »Altenteil«, das sich Bauern als Ruhesitz errichten, wenn sie ihren Hof an die Kinder weitergeben. Der Holzbau scheint auf seinem Betonsockel zu schweben und ist über eine freie Brücke mit dem Haupthaus verbunden. Dank offen gestaltetem Fahrstuhl und fließend ineinander übergehenden Raumeinheiten hat man hier einen barrierefreien Wohnraum geschaffen. Alternativ lässt sich das Nebenhaus als komfortabler Multifunktionsbau für Heranwachsende, als Büro oder anderweitig nutzen. Dagmar Fritz-Kramer hofft, dass »Haussicht« »Erstaunen auslösen« wird, wenn man sich fragt: »Das ist ein Holzhaus? Das ist ein Ökohaus?« Bleibt zum Schluss noch die Frage, ob ein Ökohaus so groß sein darf. Zwei Antworten dazu: »Natur heißt Fülle, heißt Überfluss«, betont Dagmar Fritz-Kramer, und Alfredo Häberli führt aus: »Hierbei geht es um die Haltung, nicht um die Zahl der Quadratmeter«. Was auch bedeutet, dass man das Konzept ebenso gut kleiner umsetzen kann.

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dds-Redakteur Hubert Neumann, Gestalter und Schreinermeister, lebt in einem selbst gebauten Holzskeletthaus. Das Häberli-Projekt überzeugt ihn durch die elegante Formgebung und das feine Gespür der Beteiligten für den Werkstoff Holz.


Steckbrief

Bauherr: Baufritz GmbH & Co. KG, Alpenweg 25, 87746 Erkheim
Tel.: (08336) 900-0
www.baufritz.de

Entwurf: Alfredo Häberli Design
CH-8008 Zürich
www.alfredo-haeberli.com