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Respekt vor dem Bestand

dds-Detailbogen zum Umbau einer Villa aus den 50er-Jahren
Respekt vor dem Bestand

Beim Umbau einer 1950er-Jahre-Villa hat das Team von 12:43-Architekten über ein offenes Raumkonzept die ursprüngliche Architektur eindrucksvoll zur Geltung gebracht. Die Schreiner von MTB realisierten das Projekt vorbildlich.

Den Detailbogen zum Innenausbau der Villa finden Sie hier zum Download

Den Charakter des Bestandsgebäudes erhalten und zugleich ein modernes Lebensgefühl möglich machen – diesen Spagat haben Steffen Bucher und Lars-Erik Prokop mit ihrem Team von 12:43-Architekten aus Stuttgart beispielhaft gelöst. Die Villa aus den 1950er-Jahren wurde unter Erhalt der vorhandenen Architektur saniert und nach den Bedürfnissen der Nutzer umgebaut. Ein Eingriff in die Gebäudehülle erfolgte nur an der westlichen Giebelseite: Diese wurde vom Erdgeschoss bis unter den First geöffnet und komplett verglast. Im Zuge dessen wurde das Deckengebälk zwischen Obergeschoss und Dachgeschoss entfernt, um einen großzügigen Privatbereich zu schaffen.

In diesem Gebäudeteil wurden alle tragenden und nichttragenden Innenwände entfernt, um ein der Gartenseite zugewandtes offenes Wohnkonzept mit Koch-, Ess- und Wohnbereich im Erdgeschoss sowie Elternschlafzimmer mit offenem Bad, Ankleide und Galerie im Obergeschoss zu verwirklichen.

Klassische Gliederung erhalten

Im anderen Gebäudeteil der winkelförmig angeordneten Villa befinden sich die Kinder- und Gästezimmer sowie ein großer Raum, der aktuell als Spielzimmer genutzt wird und später als flexibler Arbeitsraum nutzbar ist. Dieser Gebäudeteil ist über eigene Treppenhäuser für sich autark erschlossen und zugleich über die Gemeinschaftsräume mit dem anderen Gebäudeflügel verbunden. Hier sind flexible Raumzuordnungen machbar – es lässt sich feiern und zugleich in Ruhe Abstand halten. Insgesamt stehen der Familie rund 400 m² Wohnfläche unter einem Dach zur Verfügung, dessen prägende Schiefereindeckung unangetastet blieb. Durch Aufbringen einer Innendämmung ist die Isolierung der Dachflächen energetisch optimiert worden.

Luft, Raum und Fläche

Durch die Giebelverglasung und das Zurücknehmen der Zwischendecken von Ober- und Dachgeschoss fällt das Tageslicht weit in das Gebäudeinnere des »Master-Bedrooms«. Der eingeschobene dunkle Bad-Kubus steht zentral im Obergeschoss. Seine Wirkung entfaltet sich primär über Farbe und Materialität der dunklen Vollkernplatten von Fenix – so erscheint der Kubus hier mehr als eine optische Täuschung als eine Tatsache im dreidimensionalen Raum!

Diese Materialität zieht sich konsequent durch alle Wohnbereiche, ob in Küche, Bäder oder Wohnraummöblierung. Schattenfugen werden durch LED und hinterlegtes Messingvollmaterial zu Lichtfugen, die sämtliche Räume illuminieren und ihnen zusätzlich Struktur geben. Punktuell wird diese Strenge durch Erhalt der klassischen Füllungstüren oder von Hand geformten Fliesen gebrochen.

So vermittelt das gesamte Gebäude den Luxus von Luft, Raum und Fläche. Die Trennung öffentlicher und privater Räume der 1950er-Jahre wurde bei der neuen Aufteilung übrigens erhalten, ablesbar an dem »Nanny«-Gebäudezugang mit Kinderzimmern versus Eltern-Reich über zwei Etagen. Ein Gegenentwurf zu den aktuell viel diskutierten Tiny Houses!


Der Innenausbau wurde durch das Team der Heidelberger Schreinerei MTB realisiert. dds-Redakteur Hubert Neumann hatte den Geschäftsführer Rudolf Bächle vor Jahren beim dds-Vergolder-Workshop kennengelernt.


Deckenkunst

Eine Metallskulptur aus Schwarzstahl und Messingstäben verbindet optisch den Esstisch mit der Kochinsel. Das Rahmenwerk nimmt die Beleuchtungselemente auf und kann über der Kochinsel als Reling für Kochwerkzeuge genutzt werden. Erstellt in Materialien und Farbwahl, die stringent im gesamten Bau zu finden sind. www.kunstschmiede-altscher.de


Edelboden

Ein Eichenboden in geseifter Oberfläche wurde im gesamten Gebäude eingebaut – in Fischgrätverlegung. Erstellt wurden die Arbeiten von der JS Inszenierung Holz GmbH. Der Anspruch der Holzbodenmacher ist es, durch die Suche nach außergewöhnlichen Hölzern und mit Veredelung in eigener Fertigung Wohnambiente zu einem Szenario werden zu lassen. www.inszenierung-holz.de


Unkaputtbar

Sichtbare Rückstände und Fingerabdrücke sind auf matten Oberflächen immer eine große Problematik. Formex hat mit Supermatt Fenix NTM die passende Lösung gefunden. Eingesetzt wurde Fenix in der Ausführung 0720 Nero Ingo. Als Vollkernplatte entfällt die Kantenbearbeitung. www.formex.ch


Wärmespender

Der eingesetzte Kamineinsatz von Spartherm mit Übereckverglasung ist mit einem dunklen Innenraum ausgebildet. Die Vorteile sind eine moderne Optik, ein auffallenderes Flammenbild durch den Kontrast und eine reduzierte Rußsichtbarkeit. www.spartherm.com


Metallbox

Das andere Ende der Verkleidung der Feuerstelle bildet ein Barschrankeinsatz. Außen in gezundertem Stahl – innen mit gebürsteten Messingplatten ausgeführt. Edle Drinks wirken vor edlem Metall, das mit der Zeit Patina ansetzen darf. www.kunstschmiede-altscher.de


Steckbrief

Entwurf und Projektsteuerung:
12:43-Architekten, 70182 Stuttgart,
Steffen Bucher und Lars-Erik Prokop
www.zwoelfdreiundvierzig.de

Innenausbau/Schreinerei:
MTB-Schreinerei GmbH, 68535 Edingen
www.mtb-hd.de

Zeichnungsüberarbeitung für dds:
Henriette Sofia Steuer, freie Journalistin, info@henriette-steuer.de

Fotos: www.christina-kratzenberg.de

Weitere Innenausbauten im Detail finden Sie im dds-Detailbogen Innenausbau

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