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Kreativer Hotelausbau in Berlin

Kreativer Hotelausbau in Berlin
Ein Chalet in der Fabrik

Das Berliner Hotel Michelberger setzt auf den Industriecharme von 1906. Designer, wie der Däne Sigurd Larson, erschaffen in dem Fabrikbau kreative Erlebniswelten für die Gäste.

Die Betreiber des gleichnamigen, trendigen Berliner Hotels, Tom und Nadine Michelberger, haben mit viel Idealismus und kreativen Ideen vor einigen Jahren begonnen, ihren Traum vom besten Hotel in der Stadt zu verwirklichen. Die passende Immobilie für ihr Hotel Michelberger, eine denkmalgeschützte Fabrikhalle, fanden sie im Stadtteil Friedrichshain unweit der East Side Gallery. Das Hotel befindet sich im ehemaligen Industriepalast, der 1906 nach den Plänen des Architekten Johan Emil Schaudt an der Warschauer Straße errichtet wurde. Der Architekt hat auch das berühmte Kaufhaus des Westens (KaDeWe) am Berliner Kürfürstendamm gebaut. Der Industriepalast ist heute ein Baudenkmal und bietet den perfekten Standort für das charaktervolle 3-Sterne-Hotel Michelberger. Die architektonischen Gegebenheiten des alten Fabrikgebäudes, wie großzügige Sprossenfenster, hohe Decken und sichtbare Klinkersteine, wurden für die Innenarchitektur des Hotels mit seinen 119 Zimmern, einem Restaurant und Tagungsräumen von dem Designer Werner Aisslinger bewusst beim Ausbau genutzt.

Berliner Industriepalast als Hotel

Die Zimmer sind auf vier Etagen und in fünf Kategorien nach Zimmergröße aufgeteilt, bieten auch Platz für Gruppen und verfügen teilweise sogar über Etagenbetten. So kann auch eine Rockband auf Tournee oder eine Gruppe von Freunden zusammen in einem Zimmer mit enorm viel Tageslicht übernachten. Das Loft »The Big One« ist ein großer Raum mit viel Platz für Arbeit und Vergnügen sowie Schlafgelegenheiten für bis zu zehn Personen – nicht unbedingt jedermanns Sache. Der ehemalige Chefredakteur der Architekturzeitschrift Baumeister, Wolfgang Bachmann, beschreibt die Klientel der Hotelgäste treffend mit einem Satz: »Hier wohnen Rockmusiker, Tänzer, Schreiberlinge, Werbefuzzis und Architekten – die viel besungenen jungen Kreativen eben, die sich das Kempi nicht leisten können und denen das Ibis zu spießig ist.« Das inzwischen über 100-köpfige Team der Michelbergers ist der Überzeugung, dass nur authentische Projekte mit einzigartigem Charakter und Leidenschaft dauerhaft erfolgreich sind. »Das Michelberger-Hotel hat Ecken und Kanten, denn etwas Aalglattes und Perfektes hinterlässt meist keinen bleibenden Eindruck.

Emotionen vs. Austauschbarkeit

Lebendige Erinnerungen entstehen erst aus der Interaktion zwischen Mensch, Raum und Atmosphäre«, so hat Tom Michelberger sein Hotel dem Gourmet-Report beschrieben.

Die Gestaltung und die Ausstattung des gesamten Hotels tragen die Handschrift des international renommierten Designers Werner Aisslinger und seines Teams. Um Platz für neue Ideen zu schaffen und damit sich das Hotel immer weiter verändert, lassen die Betreiber Jahr für Jahr einzelne Räume neu gestalten. Der dänische Architekt Sigurd Larsen hat zwei Zimmer mit besonderer Ausstattung neu interpretiert. »Ein Gartenhaus für Gäste mitten in Berlin war der Grundgedanke. Mit diesem Zimmer bekommt der Gast ein komplettes Haus. Von außen rein und ruhig, offenbaren die vielen Türen und Fenster ein warmes Holzinterieur. Dazu gehören ein Schlafzimmer, Sauna und Küche, die zum Garten hin offen sind. Eine Tür öffnet sich zu einer Treppe, die zu einem Gästezimmer und einer großen Hängematte mit Blick auf den Innengarten führt. Ein Teil des Gartens enthält eine Regendusche und eine Schwimmbadewanne für entspannte Momente, begleitet von einer Terrasse mit Esstisch und Sitzecke«, beschreibt Sigurd Larsen seine Idee für die außergewöhnliche Hotelzimmereinrichtung.

Ein Gartenhaus mitten in Berlin

Da der Raum über hohe Decken verfügt, hat der Designer das Zimmer 304 mit einem Gartenhaus und mit einer zweiten Ebene versehen. Dafür wurde in das Zimmer ein doppelstöckiger Wohnkubus eingebaut, der im Erdgeschoss über Bad, Sauna, Küche und ein Schafzimmer verfügt. Der Kubus füllt aber nicht die gesamte Grundfläche des Raumes aus.

Zweigeschossiger Wohnkubus

Im Erdgeschoss bleibt dadurch noch ausreichend Platz für einen offenen Wohnbereich mit einer gemütlichen Couch und einem Esstisch – den Bereich bezeichnet der Architekt als Garten und hat ihn entsprechend locker und offen möbliert.

Im oberen Stockwerk des Kubus wurde ein weiterer Schafraum platziert, der über eine Treppe zu erreichen ist. Dezent, geradlinig und fast unsichtbar wurden die Türen der versteckten Räume mit der komplett verdeckt liegenden Bandtechnik der Serie »Tectus« von Simonswerk eingebaut.

Das Bandsystem verfügt über alle technischen Eigenschaften für einen flächenbündigen Einbau von Elementen. Hierzu gehören die komfortable 3D-Verstelltechnik: Sie ermöglicht eine stufenlose Justierung von jeweils +/-3,0 mm zur Seite und Höhe sowie die Veränderung des Andrucks von +/-1,0 mm. Gerade bei dem flächenbündigen Einsatz der dreischichtigen Fichtenplatten ist die einfache Justierung elementar. Weitere Vorzüge sind der 180-Grad-Öffnungswinkel, die wartungsfreie Gleitlagertechnik sowie Belastungswerte je nach Modellausführung von 40 bis 300 kg. Die Bandsysteme aus westfälischer Produktion gewährleisten eine wartungsfreie Funktion auch für die starken Beanspruchungen im täglichen Hotelbetrieb. Die Türbänder überzeugten den Designer durch die Verbindung von hochwertiger Technik mit dezenter Optik für ein reduziertes Türendesign.

Türen eines Adventskalenders

Sind die Türen geschlossen, ist die Bandtechnik für den Gast nicht sichtbar. Die flächenbündigen Türelemente mit verdeckt liegenden Bändern ermöglichen es, den Wohnkubus komplett zu schließen, sodass die Türen in den Wandflächen optisch verschwinden. Wie bei einem Adventskalender kann der Gast eine Tür nach der anderen öffnen, die dahinter liegenden Räume im Wohnkubus entdecken und über die Treppe in die zweite Ebene gelangen.

Mit einer Gruppe aus Freunden und Familie, Designern und Architekten sowie vielen Mitstreitern haben Nadine und Tom Michelberger ein besonderes Hotel geschaffen, das sich ständig weiterentwickelt. Seit vielen Jahren produzieren sie selbst ein Kokoswasser für die Hotelgäste und lassen einen Kräuterschnaps im Wedding herstellen. Der Erfolg und der große Zuspruch gibt den beiden Kreativen recht und ist immer wieder ein Ansporn für neue Ideen. Das Restaurant mit Innenhof bietet den Hotelgästen, Nachbarn und Besuchern ein vielfältiges Speisenangebot von biologischen und möglichst regional angebauten Lebensmitteln zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Um diesen Anspruch sicherzustellen, wurde das Projekt »Michelberger Farm« ins Leben gerufen. Im Spreewald in Brandenburg, eine Autostunde von Berlin entfernt, baut das Team auf zwei Bauernhöfen mit einer Fläche von 1,5 ha eigene nachhaltige Lebensmittel für das Restaurant an. Das Hotel ist nur der Ausgangspunkt für neue Ideen der Berliner Unternehmer. Kreativität und Fantasie haben sie auch bei der Wahl ihres Firmenamens »Monaco & Freunde« bewiesen. Er wurde als Reminiszenz an die beliebte Fernsehserie Monaco Franze aus den 1980er-Jahren, die Lieblingssendung der beiden, ausgewählt.


Das Hotel Michelberger hatte dds-Redakteur Hubert Neumann bei seinen Besuchen in der Hauptstadt bisher noch nicht auf dem Schirm. Das Michelberger live zu erleben, wird Bestandteil der nächsten Berlintour sein.


Steckbrief

Objekt: Hotel Michelberger, Berlin, www.michelbergerhotel.com

Design Hotel: Designer Werner Aisslinger
Design Hotelzimmer 304: Architekt Sigurd Larsen
www.sigurdlarsen.com

Bandtechnik: Simonswerk
www.simonswerk.de

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