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Aus dem Entwurfsalltag

Gestaltung
Aus dem Entwurfsalltag

In vier Beiträgen stellen die Designerin Gudrun H. Hölzer und Studiendirektor Erich Stanislowski typische Entwurfssituationen vor, die an der Meisterschule Schwäbisch Hall im handlungsorientierten Unterricht erarbeitet worden sind. Zum Auftakt: das Stiefkind Flurbereich.

Gudrun H. Hölzer, Erich Stanislowski

Der Hausflur wird oft wie ein Stiefkind behandelt: Pragmatisches hat Vorrang, allenfalls eine Blumenvase zur Deko wird geduldet. Wir sollten diesem Knotenpunkt der Wohnung unter funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten mehr Aufmerksamkeit schenken.
Die Flurgarderobe, in der Wohnflächenberechnung prosaisch als Verkehrsfläche ausgewiesen, ist ein Lebensbereich, in dem nicht nur der Kleiderwechsel, sondern auch ein Rollenwechsel stattfindet – ein ständiger Austausch zwischen der eigenen Wohnwelt und der Außenwelt. Ankommen heißt heimkommen, ablegen, abladen … es tut wohl, zu wissen, wo etwas seinen Platz findet. Ist Stauraum für Brille, Schlüssel etc. vorgesehen und durchdacht gestaltet? Sind Schuhe, Mantel, Schmuck und Regenschirm griffbereit? Sind Kleiderbügel ohne Anstrengung zu erreichen?
Weitere mögliche Leitfragen für den Entwurf: Welche Gestaltungsmerkmale, Materialien etc. sind bereits im Raum vorhanden? Welche Dinge werden wann und wie oft an- und abgelegt? Welche Maße sind zu berücksichtigen? Wie sind die Verkehrswege? Was prägt besonders das Ambiente? Wir stellen ausführlich einen Entwurf vor und besprechen vier gestalterische Alternativen.
Didaktisches Konzept
An der Meisterschule Schwäbisch Hall trainieren die Schüler anhand fiktiver Kundenaufträge Entwurf, Präsentation, Verkauf, Konstruktion und die gesamte Auftragsabwicklung. Sie sollen lernen, sensibel auf Kundenwünsche einzugehen und gut gestaltete, individuelle Lösungen effektiv zu erarbeiten. Auch VOB-Kenntnisse werden am konkreten Kundenauftrag vertieft. Eine fehlerlose Auftragsabwicklung setzt durchgängige Lösungen voraus. Ein an der Schule selbst entwickeltes Programm generiert aus CAD-Daten Stücklisten und die Kalkulation. Die Schüler werden auf häufige Probleme bei der Datenübertragung aufmerksam gemacht: Nicht immer können Daten von einem Programm problemlos in das andere übernommen werden.
Kleingruppen erstellen verschiedene Entwürfe. Die überzeugendste Lösung wird von allen Schülern wie ein Kundenauftrag bearbeitet. Die Meisterschüler müssen sich kritisch mit den Entwürfen auseinander setzen. Von Anfang an wird dreidimensional in Pytha gezeichnet. Wer die Meisterschule Schwäbisch Hall verlässt, kann mit diesem Programm arbeiten und Entwürfe fotorealistisch oder in anderen Darstellungstechniken ansprechend präsentieren. So bereitet der handlungsorientierte Unterricht fundiert auf den Berufsalltag vor.

Ergebnisse der Kalkulation
Material 1710,00 €
Montagezeit mit Anfahrt 10 h Arbeitszeit insgesamt 50 h 1980,00 €
Wagnis und Gewinn 442,80 €
Endpreis Brutto 4794,05 €

Verkaufsargumente:
• zeitlose, klare und durchgängige Gestaltung • optimale Gliederung des Stauraums • direkter Zugang zu den Kleidern bei ausreichendem Sichtschutz • Bodenfreiheit erleichtert das Putzen

Die Autoren
Gudrun H. Hölzer ist Diplom-Designerin und unterrichtet an der Meisterschule Schwäbisch Hall das Fach Gestaltung. Kontakt: HoelzerDesign@t-online.de Studiendirektor Erich Stanislowski ist Fachberater für die Lehrerausbildung am Oberschulamt Stuttgart. An der Meisterschule unterrichtet er CAD, Betriebswirtschaft und Kalkulation. Kontakt: HoelzerDesign@t-online.de
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