Umfrage: Wie Kollegen Personal gewinnen und halten

Attraktiv für Mitarbeiter?

Im Wettbewerb zwischen den Tischler- und Schreinerbetrieben geht es inzwischen nicht mehr nur um Aufträge, sondern auch ums Personal, um gute Gesellen und Meister. Um sie zu gewinnen und auch noch zu halten, müssen sich die Betriebe so einiges einfallen lassen. dds hat sich bei einigen Ihrer Kollegen umgehört und zusammengetragen, was sie ihren Mitarbeitern bieten.

 

»Meine Schreiner suchen die Verantwortung«
In meinem Möbel- und Innenausbaubetrieb beschäftige ich insgesamt acht Mitarbeiter, davon sechs Schreinergesellen oder -meister. Wiederum fünf davon sind Projektleiter und erledigen vom Aufmaß bis zur Montage alles eigenverantwortlich. So können sie recht frei und selbstbestimmt arbeiten. Meine Mitarbeiter suchen förmlich die Verantwortung. So fällt es mir leicht, sie zu motivieren. Eine erfolgsorientierte Entlohnung gibt es bei mir nicht oder noch nicht. Ich sehe hier Schwierigkeiten bei einer gerechten Leistungsvorgabe, bin aber grundsätzlich aufgeschlossen, mich damit näher zu befassen.

Norbert Alt
www.inspiration-alt.de

»Jeden Morgen treiben wir gemeinsam Gymnastik«
Jeder Mitarbeiter soll sich sich bei mir wohlfühlen. Ich sehe ihn als Menschen mit körperlichen und geistigen Bedürfnissen, mit Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen. Ein Berater der Innungskrankenkasse half, körperliche und psychische Belastungen in meiner kleinen Werkstatt auszumachen. Die Belegschaft war zwar schon recht fit, aber zu jedem Muskel gehört ein Gegenmuskel, den es zu trainieren gilt. Der Berater hat uns gezeigt, wie wir das Gleichgewicht mit allmorgendlicher, fünfminütiger Gymnastik herstellen können. Außerdem hat die IKK einen Workshop ohne den Chef veranstaltet, um die psychischen Belastungen aufzudecken und Verbesserungsmaßnahmen etwa in der Kommunikation umzusetzen. Zurzeit beschäftige ich drei Mitarbeiter.

Oliver Freymark
www.schreinerei-uebelhack.de

»Meine Mitarbeiter sollen nicht stupide arbeiten»
Meine Tischlerei hat sich auf den Möbel- und Innenausbau spezialisiert und beschäftigt in Berlin knapp 20 Mitarbeiter. Jetzt arbeiten wir mit CAD/CAM. Das voll vernetzte AV-Büro füttert die Nesting-CNC, die über Etiketten die weitere Produktion steuert. Prima, da sollte man doch meinen, dass damit der Betrieb bestens organisiert und die Effizienz gesichert ist. Doch ich denke und agiere anders. Gerne nutze ich zwar die Technik, um meine Mitarbeiter und mich von der stupiden und körperlich anstrengenden Routine zu befreien, dennoch versetze ich mich in meine Mitarbeiter in der Werkstatt hinein und biete ihnen die Möglichkeit, auch auf konventionellem Weg zu arbeiten. So kann sich jeder meiner Tischler im AV-Büro an einen PC setzen, seine Stücklisten in Excel erzeugen und CNC-Programme schreiben. Das macht uns flexibler und fordert jeden einzelnen Mitarbeiter. Die Köpfe nur in der AV und ausführende Hilfskräfte in derWerkstatt – das lehne ich ab.

Christian Schneider
www.tischlermeister.de

»Meinem Team steht die ganze Welt offen»
Dass ich gerade in einer Stadt wie Stuttgart meinen 50 Mitarbeitern einen attraktiven Lohn zahle, mich am Nahverkehrsticket und den Kindergartengebühren beteilige und viele weitere Benefits leiste, ist für mich selbstverständlich. Darüber hinaus ist mir vor allem wichtig, meinen Mitarbeitern eine interessante Stelle zu bieten. Das realisiere ich mit einer vielschichtigen Unternehmenskultur: Beim Personal setze ich auf Vielfalt und Toleranz und nehme Rücksicht auf die persönlichen und familiären Belange. Mit moderner Software und Hightech-Maschinen soll die Arbeit Spaß machen und leicht von der Hand gehen. Besonders interessant sind die Aufträge, die meine Mitarbeiter erwarten. Diese ziehen die Neugierigen aus meiner Belegschaft in die ganze Welt, beispielsweise nach Afrika.

Tilo Kiess
Alfred Kiess GmbH
www.alfred-kiess.de

»Wir haben fast jeden zweiten Freitag frei»
Dass ich mit meiner Idee, wie sich die Arbeitszeit besser einteilen lässt, meiner Belegschaft besonders attraktive Konditionen biete, war mir zunächst gar nicht klar. Heute kann ich damit auf dem schwierigen Stuttgarter Arbeitsmarkt ganz klar punkten. Statt fünf Tage je Woche zu verplanen und das Unvorhersehbare am Feierabend und samstags zu erledigen, plane ich nur noch für eine Viertagewoche. Wenn nichts dazwischenkommt, haben meine Belegschaft und ich freitags frei. Das funktioniert jetzt seit vier Jahren gut. Im Schnitt können meine Schreiner ohne Gehaltseinbußen jeden zweiten Freitag zuhause bleiben.

Martin Schäffer
www.schaeffer-schreiner.de