CNC-Handoberfräse

Mehr als eine Oberfräse!

Künftig trifft schwäbischer Erfinder- und Tüftlergeist aus dem Neckartal auf das digitale Kalifornien. Die CNC-gesteuerte Handoberfräse »Origin« von Shaper Tools macht Lust auf mehr! Praktische Annäherung in drei Teilen von dds-Redakteur Hubert Neumann.

Aufmerksam geworden bin ich auf die »Origin« zur Holzhandwerk 2018 in Nürnberg. TTS-Vorstand Christian Oltzscher gab mir den Tipp und begleitete mich zu dem amerikanische Start-up Shaper Tools, das seit Dezember 2018 nun eine Tochter von TTS Tooltechnic Systems ist. In der Wendlinger Zentrale von TTS konnte ich mich Ende Februar mit den deutschen Kollegen des Shaper Teams treffen, um die Origin intensiver unter die Lupe zu nehmen, mit dem Ziel, Schreineranwendungen Schritt für Schritt auszuführen und für die dds-Leser zu dokumentieren. Spannend ist es zugleich zu verfolgen, was entsteht, wenn sich künftig unter dem Dach von TTS professionelle Schreinerwerkzeuge mit der kalifornischen digitalen Unbefangenheit ein Stelldichein geben.

Das Silicon Valley lässt grüßen

Der Sitz von Shaper Tools bleibt in San Francisco und vielleicht kann auch nur dort im Umfeld von Google, Apple & Co. ein digitales Elektrowerkzeug entstehen, das aus der Softwareentwicklung heraus permanent mit kostenfreien Updates das Potenzial der Technik nahezu grenzenlos vorwärts treiben kann. Das Kernstück von Origin ist die computergestützte Bildverarbeitung, die das Werkzeug jederzeit genau auf dem Werkstück verortet und über eine automatische Positionskorrektur den Fräser so nachführt, dass er dem digitalen Entwurf folgt. Algorithmen antizipieren dabei vorausschauend die Bewegung des Nutzers. Als Anwender muss ich das Gerät nur im Umfeld des im Display angezeigten Pfads führen – die akkurate Fräsung erfolgt automatisch im Werkstück.

Display statt Schablone

Als ersten Arbeitsschritt fixiert man das sogenannte Shaper Tape auf dem Werkstück, ein Klebestreifen mit optischen Markierungen, die an Dominosteine erinnern. Indem man die Maschine mit ihrer Kamera an diesem Tape entlangführt, entsteht ein Gedächtnis im Hinblick auf die Orientierung – eine digitale »Landkarte«. Die eigentliche Fräsaufgabe kann aus dem Gerätespeicher, per USB-Stick, aus der Cloud oder durch die intuitive Touchdisplayeingabe aufgerufen werden – auch in Kombination, wie im Beispiel die manuelle Eingabe einer ovalen Kontur um das dds-Logo zeigt.

Per Knopfdruck referenziere ich die Höhenposition des Fräswerkzeugs und kann starten. Dazu führe ich die Maschine entlang des Pfads auf dem Display. Der Kreiscursor zeigt die aktuelle Position an, blau gefärbt ist die bereits gefräste Strecke. In unserem Beispiel fräste ich im ersten Schritt ein dds-Logo in ein Oval aus 10 mm schwarzer MDF und lies dann im zweiten Schritt das Oval bündig in eine Buchenplatte ein.

Mein erstes Fazit: Als Oberfräser alter Schule ist es für mich anfangs eine Umstellung, wie ein Gamer dauerhaft den Blick auf das Display zu fokussieren, anstatt einer Schablone zu folgen. Nahezu perfekt dürfte diese Displayorientierung sein, um die junge Schreinergeneration mit ihrer Smartphonefixierung zu faszinieren. Zugleich gelingt es, Digitales – Handwerk 4.0 – nun in »Handwerkzeugen« zu verankern.


Ach So!

Noch Fragen?

Wenn Sie Fragen oder Wünsche haben, was getestet oder gezeigt werden sollte, mailen Sie uns unter dds.redaktion@
konradin.de


Steckbrief

Shaper Tools ist seit Ende 2018 als eigenständige Gesellschaft in die TTS Tooltechnic Systems Gruppe eingegliedert, zu der auch Festool gehört. Das amerikanische Start-up behält seinen Namen und auch das bisherige Management.

www.shapertools.com
www.tooltechnicsystems.com