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Antimikrobielle Holzbeschichtungen

Antimikrobielle Holzbeschichtungen
Lacke gegen Keime und Viren

Antimikrobiell lackierte Möbel und Einrichtungen sind gefragt. Welche speziellen Holzlacke bietet der Markt derzeit an? Und wie wirken sie im Kampf gegen Viren und andere gesundheitsschädliche Krankheitserreger?

Eveline Müller

Kein Zweifel: Holzbrettchen sind hygienischer als Kunststoffbrettchen. Wissenschaftliche Studien, wie etwa der Universität Greifswald, haben bereits bestätigt, dass bestimmte Holzarten gegen Bakterien, Pilze und auch Viren wirken. Dies hängt vor allem mit der Mikrostruktur und den im Holz vorhandenen antimikrobiellen Substanzen zusammen. Das gilt allerdings nur für unbehandeltes Holz – sobald Öle oder Lacke zum Schutz und zur optischen Veredlung angewendet werden, schwinden leider auch die natürlichen Abwehrkräfte des Werkstoffs.

Deshalb haben einige Hersteller auch Holzbeschichtungen entwickelt, die Keimen und Viren gezielt zu Leibe rücken. Gefragt sind diese Beschichtungen besonders in hygienisch hochsensiblen Sektoren, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Sie dienen dazu, Holzoberflächen zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken zu schützen. Aber auch in anderen Bereichen mit viel Publikumsverkehr können die Holzlacke von Vorteil sein, etwa in der Gastronomie, in Hotels und Empfangsräumen, Schulen und Kitas. Dabei sind die Lackierungen vielseitig einsetzbar: von Holztresen und Treppengeländern über Tische und Stühle im Wartezimmer bis hin zum Handlauf für den Rollator und dem Holzspielzeug in der Spielecke – alle Holzoberflächen können damit dauerhaft beschichtet werden.

Verschiedene Wirkungsweisen

Bei antimikrobiellen Holzlacken kommt es vor allem darauf an, dass die Rezepturen die saugende Untergrundeigenschaft des Holzes berücksichtigen.

Eine Möglichkeit, um Krankheitserreger auf Holz zu bezwingen, ist die Zugabe von Nanosilberpartikeln in den Beschichtungen. Bereits in der Antike kannte man die bakterienhemmende Eigenschaft von Nanosilber: Die Römer lagerten ihre Getränke vorzugsweise in Silbergefäßen, um sie länger haltbar zu machen. »Heute ermöglicht uns modernste Nanotechnologie, mikroskopisch kleinste Silberteilchen in den Holzlack einzubinden. Die Erreger docken an den Silberpartikel an, blockieren damit ihre Atmung und den Stoffwechsel, sodass sie letztlich absterben«, sagt Dr. Achim Völker, Technischer Leiter der Alfred Clouth Lackfabrik. Das Unternehmen bietet heute ein Hartwachsöl und einen Klarlack für Holz auf dieser Basis an, beide Produkte hemmen Bakterien, Keime und Pilze. Eine neue Rezeptur mit Silberpartikeln, die speziell gegen Viren – auch gegen Covid-19 – wirkt, ist gerade in der Testphase.

Darüber hinaus gibt es auch Beschichtungen, die auf Basis von Polymeren entwickelt wurden. Sie zeigen nach der Aushärtung stark antimikrobielle Eigenschaften. Dabei kommt es zu einer Wechselwirkung mit der Zellmembran der Mikroorganismen. Das heißt: Die Erreger sterben bei direktem Kontakt mit der behandelten Oberfläche ab. Die Rezepturen eignen sich für eine selbstdesinfizierende und kratzfeste Ausrüstung von Oberflächen aus Holz, Metall, Keramik, Glas und vielen Kunststoffoberflächen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist für Tischler und Schreiner auch: Der polymergebundene und vielseitig verwendbare Mineralwerkstoff Varicor ist mittlerweile auch mit antiviralen Eigenschaften erhältlich.

Im Übrigen gibt es schon seit langem Holzlacke, die auf rein pflanzliche Additive zur Bekämpfung von Keimen und Viren setzen. Eine Substanz ist zum Beispiel Mastix – ein kostbares Baumharz, das aus Pistazienbäumen gewonnen wird. Die antimikrobielle Eigenschaft des Harzes ist tatsächlich schon seit Jahrtausenden bekannt. Verwendet wird es noch heute unter anderem bei hochwertigen Lacken im Instrumentenbau.

Anwendung in der Praxis

Was müssen professionelle Anwender bei der Applikation dieser speziellen Holzlacke beachten? Generell lassen sich die Beschichtungen problemlos und ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand, wie zum Beispiel ein Klarlack, auftragen. Dabei sind die Lacke sehr robust und über viele Jahre dauerhaft beständig. Allerdings: Da die Herstellung aufwendiger ist, sind sie auch teurer als herkömmliche Produkte. Davon abgesehen gibt es noch einen besonderen Vorteil: Mit antimikrobiellem Lack behandelte Holzoberflächen müssen deutlich weniger mit chemischen Desinfektionsmitteln gereinigt werden. Ein Aspekt, der auch der Umwelt zugutekommt.

Lackrezepturen im Test

Auch Holzlacke mit keimhemmender Wirkung müssen in Deutschland ausgiebig in darauf spezialisierten Laboren getestet werden, bevor sie auf dem Markt zugelassen werden können. Diese Tests dienen auch dazu, die Rezepturen in Hinblick auf ihre Wirkung zu optimieren. Nahezu für jede Wirkweise existiert eine entsprechende Norm oder Richtlinie, nach der getestet wird.

Die jeweiligen Verfahren sind in zahlreichen DIN- und ISO-Normen geregelt. Erst wenn alle Testphasen erfolgreich absolviert wurden, erhält der Hersteller eine entsprechende Zertifizierung. Dabei gelten für Tests, die speziell die Wirkung gegen Coronaviren nachweisen, besondere Bestimmungen: Denn Rezepturen dürfen nur in darauf hochspezialisierten Laboren mit eigenen Sicherheitsstandards getestet werden.

Neue Impulse für das Geschäft

Viele Kunden werden wegen der Pandemiesituation künftig verstärkt nach Möglichkeiten suchen, wie sich die Keimbelastung auf Holzoberflächen effektiv und dauerhaft reduzieren lässt. Innovative Holzlacke gewinnen damit an Stellenwert. Für Tischler und Schreiner ist das ein interessanter Anknüpfungspunkt, um Kunden kompetent zu informieren und zu beraten – gerade im gewerblichen Bereich. Fest steht jedenfalls: Die Hersteller werden die Entwicklung von neuartigen Rezepturen noch stärker vorantreiben, um die Hygiene in vielen Lebensbereichen zu verbessern. Es sieht also danach aus, dass in absehbarer Zeit weitere Angebote zur antimikrobiellen Behandlung und Pflege von Holz zur Verfügung stehen werden.

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