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150 Prozent mehr Wald zerstört

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150 Prozent mehr Wald zerstört

150 Prozent mehr Wald zerstört
Tropenwälder haben unter der Corona-Pandemie stark gelitten: 150 Prozent mehr Wald wurden allein m März 2020 zerstört. Foto: guentermanaus/stock.adobe.com

Laut einer aktuellen Untersuchung des WWF, stieg die Waldzerstörung in 18 untersuchten Ländern während der Corona-Pandemie im März 2020 im Vergleich zu den Vorjahren um durchschnittlich 150 Prozent an. Insgesamt seien damit allein im März dieses Jahres rund 645.000 Hektar Tropenwälder verschwunden, was etwa der siebenfachen Fläche Berlins entspricht. Den größten Verlust verzeichnen die Umweltschützer in Indonesien mit über 130.000 Hektar, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (100.000 Hektar) und Brasilien (95.000 Hektar).

Für die Analyse »Waldverlust in Zeiten der Corona-Pandemie – Holzeinschlag in den Tropen« wertete der WWF Satellitendaten aus, um die Entwaldung in 18 tropischen Ländern zu bestimmen – jeweils sechs in Afrika (Zentralafrikanische Republik, Kamerun, Demokratische Republik Kongo, Republik Kongo, Kenia, Tansania), Asien (China, Indonesien, Kambodscha, Myanmar, Malaysia, Thailand) und Südamerika (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Peru, Paraguay). Dabei wurden die Entwaldungszahlen von März 2020 mit der durchschnittlichen Entwaldung im gleichen Monat der Jahre 2017, 2018 und 2019 verglichen. Die Daten stammen aus der Datenbank »GLAD primary humid tropical forest alerts« der University of Maryland und basieren auf Landsat-Satellitenbildern.

Dafür, dass Entwaldung und die Pandemie miteinander zusammenhängen, gibt es laut WWF eindeutige Indizien: »Alles weist darauf hin, dass wir es bei der explodierenden Waldzerstörung mit einem Corona-Effekt zu tun haben«, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. »In vielen Ländern hat sich der Staat während des Lockdowns aus dem Waldschutz zurückgezogen, was illegale Holzeinschläge und die Plünderung anderer Ressourcen begünstigt.« Auch indigene Territorien und Naturschutzgebiete würden vielerorts schlechter gesichert und fielen Kriminellen leichter zum Opfer. Polizei, Ranger und andere staatliche Kontrolleure seien deutlich weniger präsent und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen säßen meist im Home-Office fest.

Kriminelle Energie und Profitstreben seien jedoch nicht der alleinige Treiber der Umweltzerstörung in Corona-Zeiten. Vielerorts hätten wegbrechende Einkommen die Menschen in eine schwierige Lage gebracht. In mehreren afrikanischen Ländern sei der legale Holzhandel und die Verarbeitung des Holzes zum Erliegen gekommen. Ein substanzieller Anteil der Holzprodukte des Kongobeckens wird nach China und Vietnam exportiert. Durch die Schließung der Häfen wurde dieser Handelsweg unterbrochen. Die Wälder verlören dadurch schlagartig ihren Wert und das Risiko einer Umwandlung des Waldes steige an. In der Mekong-Region in Asien seien aufgrund sinkender Einnahmen im Tourismus und aus dem Verkauf von Waldprodukte wie Honig, Nüssen oder Beeren viele Menschen in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt und nutzten jetzt den Wald verstärkt als Brennholz- und Einkommensressource.

Zum Schutz der Wälder der Welt fordert der WWF eine Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellenländer. Technische und finanzielle Hilfe könnte dazu beitragen, die illegale Entwaldung einzudämmen. Dazu gehöre nicht nur die bessere Durchsetzung von Gesetzen, sondern auch die Schaffung alternativer Einkommensquellen und die Abmilderung sozialer Probleme durch Folgen der Corona-Pandemie. Der mächtigste Hebel seien jedoch die internationalen Handelsbeziehungen. Hier brauche es dringend bessere und verbindliche Sozial- und Umweltstandards, insbesondere zu entwaldungsfreien Lieferketten. Die Europäische Union habe hier eine besondere Verantwortung. Rund ein Sechstel aller hier gehandelten Lebensmittel trügen zur Entwaldung in den Tropen bei. Derzeit wird auf EU-Ebene ausgelotet, mit welchen Maßnahmen wie die Entwaldungsfreiheit für Produkte auf dem gesamten EU-Markt gewährleistet werden kann.

»Der Schutz der Wälder ist eine gemeinsame Aufgabe der Staatengemeinschaft, der sich keiner entziehen kann. Wir müssen die weltweite Entwaldung dringend stoppen und neue naturnahe Wälder aufbauen, sonst könnte COVID-19 nur ein Vorgeschmack auf künftige Krisen sein. Wir wissen mittlerweile, dass die Ausbrüche vieler Infektionskrankheiten in direktem Zusammenhang mit Waldrodungen stehen. Eine intakte Natur ist ein Bollwerk gegen Krankheitserreger und muss endlich als Schlüsselfaktor für unsere Gesundheit wahrgenommen werden. Wenn wir nicht zügig handeln, wird die Plünderung des Planeten mit aller Macht auf uns zurückfallen«, so Christoph Heinrich.

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