Startseite » Branche » News »

Möbel als Luftfilter?

News
Möbel als Luftfilter?

Eingebracht in Spanplatten reduzieren Zeolithe die Formaldehydemission aus dem Holzwerkstoff
Eine Entdeckung, die das bisher akzeptierte Weltbild auf den Kopf stellen könnte, haben die Forscher der Fraunhofer-Institute für Holzforschung WKI in Braunschweig und für Silicatforschung ISC in Würzburg gemacht: modifizierte Zeolithe, eingebunden in Spanplatten, können Formaldhydemissionen deutlich verringern und so die Raumluft verbessern. Möbel und Verkleidungen könnten so vom Problemverursacher gleichsam zu einem Raumluftfilter werden. Bei den Zeolithen handelt es sich um Alumosilicate, die aufgrund ihrer extrem großen inneren Oberfläche und ihrer porösen Struktur als Molekularsieb dienen und Formaldehyd besonders gut aufnehmen können.

Zeolithe werden zwar bereits seit längerem als Füllmaterial in Spanplatten eingesetzt. Sie zum Adsorbieren von Schadstoffen in Holzwerkstoffe einzubringen, sei jedoch ein Novum, sagt Dr. Katrin Bokelmann. Die Projektleiterin vom ISC war mit ihrem Team für die Herstellung der mineralischen Verbindungen verantwortlich.
Beste Adsorptionseigenschaften zeigte der synthetische Zeolith Y, den die Experten daher mit Aminogruppen modifizierten und dadurch weiter verbesserten. »Nachdem wir dem bearbeiteten Material in unseren Messkammern Formaldehyd zugeführt hatten, konnten wir eine Steigerung der Adsorptionsrate von 70 Prozent feststellen«, erläutert Dr. Jan Gunschera, Projektleiter am WKI. Fünf Gewichtsprozent dieses Zeolithpulvers wurden anschließend direkt in Probe-Spanplatten aus Fichtenrundholz eingebracht. Das Ergebnis: Die Formaldehydemission aus der Platte verringerten sich um 40 Prozent. Sowohl Kurzzeit- als auch Langzeittests von einem Monat zeigten dieses Resultat. »Die Raumluft wird damit eindeutig verbessert«, sagt Gunschera. Die Eigenschaften der Holzwerkstoffe seien durch die Zeolithe nicht negativ beeinflusst worden, so Gunschera weiter.
Die Forscher haben das neue Verfahren mittlerweile zum Patent angemeldet. Sie halten es für denkbar, dass die modifizierten Zeolithe – eingearbeitet in Möbel oder auch Deckenverkleidungen – künftig nicht nur Formaldehyd, sondern auch andere Aldehyde in der Raumluft abbauen könnten. Derzeit sind die Wissenschaftler auf der Suche nach Partnern aus der Holzwerkstoffindustrie, um die Spanplatten in Massenproduktion herzustellen. Eine Probeplatte ist auf der Messe Bau in München vom 17. bis 22. Januar am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle C2, Stand 131 zu sehen.
Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 9
Aktuelle Ausgabe
09/2020
EINZELHEFT
ABO
Anzeige
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »