Startseite » Betrieb » Marketing & Betriebsführung »

Wohin die Reise gehen könnte

Marketing & Betriebsführung
Wohin die Reise gehen könnte

„Das Tischler-/Schreinerhandwerk muss die Heraus-forderungen positiv annehmen“. Dr. Dieter Fink (Applikatio) bei der Vorstellung der Studie am 7. Mai 2004
In einer groß angelegten Studie hat die vom VDMA Fachverband Holzbearbeitungsmaschinen getragene ProWood-Stiftung den Strukturwandel im Tischler- und Schreinerhandwerk untersuchen lassen. Erste Ergebnisse wurden jetzt vorgestellt.

Für die von der Applikation GbR im Auftrag von ProWood durchgeführte Studie wurden rund 1200 Fragebögen ausgewertet und zirka 380 Interviews mit Tischlern/Schreinern, Kunden, Zulieferern etc. geführt. Ziel der Untersuchung war es, Thesen abzuleiten, wie sich die Branche während der nächsten zehn Jahre entwickeln könnte.

Die Lage im Tischlerhandwerk
Mit über 42000 Betrieben, mehr als 220000 Beschäftigten und einem Umsatz von etwa 18 Milliarden Euro (Stand 2002) ist das Tischlerhandwerk der zweitgrößte produzierende Wirtschaftszweig der deutschen Holzwirtschaft nach der Möbelindustrie (20,3 Millarden Euro). Mit über 70 Prozent bildet der Wohnungsbau das wichtigste Betätigungsfeld des Tischlerhandwerks. 57 Prozent der Aufträge stammen von privaten Auftraggebern.
Kundenbefragungen haben ergeben, dass sich die Anforderungen an den Tischler und Schreiner verändert haben: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist an die erste Stelle der Werteskala vorgerückt. Dahinter folgen die Eckpfeiler Innovation/Individualität und Service/nachhaltige Kundenbetreuung.
Dabei hat sich die Ertragssituation des Tischlerhandwerks in der letzten Dekade kontinuierlich verschlechtert. Besonders ungünstig sieht es für kleinere Betriebe aus, die stark auf Aufträge aus dem Baubereich fixiert sind. Größere Betriebe, die sich eher im Innenausbau engagieren, schneiden besser ab.
Ursachen der gegenwärtigen Probleme
Als wichtigsten Grund für die unbefriedigenden betriebswirtschaftlichen Ergebnisse sieht die Studie eine mangelnde strategische Unternehmensausrichtung. Sie wird auf fehlende Managementkompetenz, zögerliche Umsetzung des zur Kostensenkung notwendigen Personalabbaus sowie eine schlechte Eigenkapitalausstattung in Verbindung mit der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken seit Basel II zurückgeführt.
Durch das rasch wachsende Angebot der Holz- und Zulieferindustrie an einbaufertigen, „genormten“ Bauelementen wie Fenster, Türen, Treppen etc. ist eine große Zahl von reinen Montagebetrieben entstanden. Der Umsatz dieser „B-Betriebe“ (nach ihrer Einordnung in die Anlage B der Handwerksordnung) hat sich laut Studie im Jahr 2002 auf 5,2 Milliarden Euro erhöht, gegenüber 1,66 Milliarden im Jahr 1995. Dieser Zugewinn entspricht etwa dem Umsatz, den das Tischlerhandwerk im gleichen Zeitraum verloren hat. In Zukunft wird ein weiteres Anwachsen des mit Montagearbeiten erzielbaren Umsatzes erwartet.
Zukunftsvision: Chancen und Risiken
Nach den Erkenntnissen der Untersuchung ergeben sich in Zukunft drei strategische Ausrichtungen für die Betriebe, die einzeln oder auch in Kombination besetzt werden können:
  • Spezialist: begrenztes Produktspektrum bei optimalem Preis-Leistungs-Verhältnis, hohe Fertigungstiefe, sehr gut ausgestattet und organisiert
  • Innovator: kunden-/projektspezifische Lösungen im oberen Marktsegment, geringe Fertigungstiefe, Komplettlösungen, Kooperationen
  • Servicebetrieb/Universalist: bietet das komplette Leistungsspektrum des Tischlers, Reparatur, Wartung etc.
Fazit: Auf das Tischlerhandwerk kommen Herausforderungen zu, denen nur durch eine strategische Unternehmensausrichtung begegnet werden kann, welche die komplette Wertschöpfungskette einbezieht. Zusätzlich sind – je nach Betätigungsschwerpunkt – eine Verstärkung der Marketingkompetenz und die Anpassung der Ablauforganisation an die neuen Anforderungen notwendig.
Die komplette Studie steht zunächst nur den Mitgliedern des VDMA Fachverbands Holzbearbeitungsmaschinen zur Verfügung. (Für weitere Infos: www.prowood.org) HJG

1995 2002
Anzahl 14900 41000 B-Betriebe
Beschäftigte in 35400 95000 B-Betrieben
Umsatz der * 1,66 Mrd. € ** 5,2 Mrd. € B-Betriebe
* basierend auf ** basierend auf Erhebungsdaten Hochrechnung
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 11
Aktuelle Ausgabe
011/2021
EINZELHEFT
ABO
MeistgelesenNeueste Artikel
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »