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»Wir spielen uns die Bälle zu«

Marketing & Betriebsführung
»Wir spielen uns die Bälle zu«

Der Erfolg von Handwerkerkooperationen hängt von der Auswahl der Partner, dem Engagement der Beteiligten sowie der Vertragsarchitektur ab. Die Mitglieder der Meisterteam-Gruppe Bonn-Rhein/Sieg spielen sich seit 2004 erfolgreich die Bälle zu.

Pro Monat investiere ich ein bis zwei Arbeitstage in den Zusammenhalt unserer lokalen Handwerkerkooperation. Wir sind zwölf Bauhandwerker verschiedener Gewerke, beschäftigen gemeinsam eine Architektin und erzielen allein über unseren Verbund zusammen jährlich etwa 1,2 Millionen Euro Umsatz. Hinzu kommen noch 40 000 bis 50 000 Euro Umsatz pro Mitglied und Jahr aufgrund gegenseitiger Empfehlungen«, sagt Tischlermeistermeister Josef Kolb in Bonn. Seit zehn Jahren ist er mit seiner 20-Mann-Fensterbau- und Möbeltischlerei Mitglied bei Meisterteam in Hamburg. Hier nutzt er günstige Einkaufskonditionen für Holz, Fensterkanteln, Glas, Beschläge oder Platten. Außerdem schätzt er den Erfahrungsaustausch mit den anderen Mitgliedern sowie das Seminarprogramm.

Angeregt von der Meisterteam-Zentrale in Hamburg gründete Josef Kolb in 2004 die erste lokale Handwerkerkooperation, die unter dem Meisterteam-Label auftritt. Dafür zeichnete Meisterteam die Kolb GmbH jetzt mit dem ersten Platz ihres Innovationspreises 2011 in Höhe von 3000 Euro aus.
Zunächst definierten die Bauhandwerksbetriebe ihre Ziele: Gemeinschaftswerbung und kooperative Zusammenarbeit sollen die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen fördern. Außerdem wollen sie mit einem gemeinsamen Budget eine größere Werbewirkung erzielen als das ein Einzelunternehmen könnte. Die Mitglieder erarbeiteten eine Satzung, die unter anderem die Ziele, Rechte und Pflichten der Mitglieder sowie die beschlussfassenden Organe der Kooperation benennt. Den Vorsitz der Kooperation teilt sich zurzeit im Halbjahresturnus Josef Kolb mit dem Elektrikermeister Michael Enzinger.
Pflichten und Nutzen
Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt zurzeit 150 Euro. Für besondere Aktivitäten kann die Mitgliederversammlung Sonderzahlungen beschließen. Gemäß Satzung verpflichten sich die Mitglieder bestimmte Regeln einzuhalten. So sind beispielsweise alle Meisterteam-Aufträge mit besonders hoher Priorität vorzuziehen, damit das gesamte Team erfolgreich ist. Angebote sind innerhalb von zehn Tagen zu erstellen.
Die wichtigste Marketingaktivität ist die gegenseitige Empfehlung der Betriebe. Diejenigen, die eine eigene Ausstellung unterhalten, zeigen dort auch Exponate der anderen Mitglieder. Außerdem legen sie einen 16-seitigen Prospekt aus, der die Kooperation und alle Mitglieder vorstellt. Alle Mitglieder legen ihren Rechnungen einen Einzelflyer mit dem Porträt eines monatlich wechselnden Partnerbetriebs bei. Weiterhin gibt es einen Pkw mit Meisterteam-Logo, das jeden Monat einem anderen Mitglied zur Verfügung steht. Außerdem stehen immer wieder andere Aktionen, wie Großflächenwerbung, Messeauftritte oder ein Tag der offenen Tür an.
Vor zwei Jahren hat der lokale Meisterteam-Verbund eine freiberufliche Architektin engagiert, die gewerkeübergreifende Aufträge akquiriert, koordiniert und bearbeitet. Hierfür stellt sie Mappen mit Einzelangeboten der Mitgliedsfirmen zusammen, sodass der Kunde praktisch ein Gesamtangebot mit aufeinander abgestimmten Leistungen erhält, jedoch mit jedem einzelnen Gewerk einen Vertrag abschließt. Mit der Beauftragung der Architektin hat sich die bis dahin lose Kooperation mit allen steuerrechtlichen Konsequenzen formal zu einer GbR zusammenschließen müssen. Davor hatte die Meisterteam-Zentrale in Hamburg die Bonner Gruppe in der Verwaltung gemeinsamer Projekte mit einem Anderkonto unterstützt.
Partner, die zueinander passen
»Wir alle profitieren von der Kooperation, müssen aber auch etwas dazu beisteuern. Wichtig ist, dass sich innovationsfreudige Partner finden, die in Bezug auf die Zielgruppe und die generelle Denkweise zueinander passen. Unsere Gruppe funktioniert, die Satzung stimmt«, resümiert Josef Kolb. »Allerdings haben sich drei Mitglieder aus unserer Runde wieder verabschiedet, etwa weil sich die Zielgruppe geändert hat, die Unternehmensgröße nicht passte oder es sonstige Differenzen gab. Einen Betrieb haben wir ausschließen müssen. Schön wäre es, wenn sich in anderen Städten weitere lokale Meisterteam-Gruppen bildeten. Dann könnten wir gewerkeübergreifend eine höhere Einkaufsmacht erzielen und mit attraktiveren Preisen unsere Marktposition stärken.« GM
»Unsere lokale Meisterteam-Gruppe kleckert nicht, gemeinsam kommen wir viel weiter!«
Josef Kolb, Tischlermeister
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