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dds vor Ort bei "Meine Möbelmanufaktur"

dds vor Ort bei "Meine Möbelmanufaktur"
Wie ein Uhrwerk

Die elterliche Schreinerei baute unter anderem Jachten aus und arbeitete bis zu zwei Monate an einem Möbelstück. Inzwischen heißt der Betrieb Meine Möbelmanufaktur, ist vom E-Shop bis zum Versand durchgängig digitalisiert und läuft wie ein Uhrwerk.

Wer das Werk von Meine Möbelmanufaktur in Ebersbach/Filz bei Göppingen betritt, gelangt zunächst in eine Halle mit vielen Menschen. Sie kümmern sich um den Versand, montieren Schubkästen oder verpacken Materialmuster. Die menschenleere Halle rechts daneben beherbergt das automatische Plattenlager.

Online bestellt und auf Maß gefertigt

Der Kunde von Meine Möbelmanufaktur kauft online. Nach und nach wählt er jeweils den Schranktyp, konfiguriert ihn Schritt für Schritt nach seinen Wünschen und legt den Schrank in den Warenkorb. Ist die Bestellung abgeschlossen, überprüft ein Sachbearbeiter die Schränke, klärt ggf. mit dem Kunden noch das eine oder andere Detail und gibt den Auftrag frei für die Produktion. Diese läuft wie ein Uhrwerk und liefert täglich 1000 speditionstauglich in Kartons verpackte Möbelteile. 17 Mitarbeiter im Büro und 34 in der Produktion halten das Möbelwerk am Laufen.

Vernetzte Produktion

Vom Plattenlager führt eine Rollenbahn durch einen Wanddurchbruch zur Zuschnittzelle in der großen Werkshalle. Ein Roboter hantiert das Material und legt jeden Zuschnitt auf eine von drei Paletten ab. Jede Palette umfasst ein Fertigungslos an der sich anschließenden Bekantungszelle. Vor dem Sägeportal ist ein verfahrbares Etikettieraggregat installiert, das jedem Werkstück alle Informationen für die weiteren Bearbeitungen über Barcodes maschinenlesbar und über Klartext für die Mitarbeiter lesbar auf den Weg durch die Produktion mitgibt. Wenige Meter hinter der Zuschnittzelle schließt sich die Bekantungszelle an. Sie besteht aus einer Kantenanleimmaschine, einer Portalzuführstation, mehreren Rollenbahnen sowie einer Entnahmestation. Ist an das soeben bekantete Werkstück noch eine weitere Kante anzufahren, legt die Entnahmestation es auf die Rückführbahn, ansonsten gelangt es entweder auf die Bahn zur sich anschließenden CNC oder auf eine Entnahmestrecke.

Die Kantenanleimmaschine ist mit einer PUR-Leimstation sowie einer Laserbekantungseinheit ausgestattet. An jeder Station befinden sich große Mehrfachkantenmagazine. Damit kann die Zelle, ohne dass jemand ständig die Kantenbandrollen austauschen muss, unabhängig von der Fertigungsreihenfolge die komplexen Anforderungen an die Kantenqualität erfüllen.

Flexible Produktion

Standard bei Meine Möbelmanufaktur ist die besonders hitze- und feuchtebeständige PUR-Verklebung, und zwar in Nullfugenqualität. Zum Möbelsortiment gehören auch Lackfronten, die Laserkantenbänder erhalten. Parallel zu den in Reihe aufgestellten Maschinen läuft in entgegengesetzter Richtung eine Rollenbahn zurück zur Versandabteilung. Am Ende gibt sie verschnürte Pakete aus. Entlang der Bahn stehen manuelle Reinigungs- und Kontrollstationen sowie Kartonstanz- und Falzmaschinen. Von den Auslaufbändern der Bekantungs- und CNC-Zelle kommissionieren die Mitarbeiter die Möbelteile auftragsweise in Handwagen, aus denen sich die Mitarbeiter am Band bedienen. Sie reinigen, kontrollieren und legen fest, welche und wie viele Teile in einen Karton kommen.

Die Tagesleistung liegt bei 1000 Möbelteilen. Bis vor drei Jahren war das Unternehmen in Köngen bei Esslingen ansässig und brachte es dort nur auf 350 bis 400 Teile pro Tag. Die Produktion auf nur 1200 m² und zwei Stockwerken erlaubte kein weiteres Wachstum mehr. Also hat sich das Geschäftsführerehepaar Birgit und Sebastian Schips für die jetzigen Räumlichkeiten mit 4500 m² entschieden.

Die Wurzel von Meine Möbelmanufaktur ist ein 1925 gegründetes Familienunternehmen. Reinhard Schips hatte es zuletzt auf den Jachtausbau und hochwertige Möbel ausgerichtet. Seine Schreinerei arbeitete auch mal zwei Monate an einem Möbelstück. Heute liegt die Bearbeitungszeit unter einer halben Stunde.

Pionier der Online-Möbelhersteller

2011 gründeten Sohn Sebastian und seine Frau Birgit ihr Unternehmen, um Möbel über einen Online-Konfigurator zu vertreiben. Beide haben in Rosenheim studiert, er Holztechnik, sie BWL. Sebastian programmierte den Möbelkonfigurator und entwickelte die Softwarearchitektur, während sich Birgit um das Betriebswirtschaftliche kümmerte. 2012 verkauften sie den ersten Schrank. Bis 2015 ließen sie beim Vater produzieren, danach haben sie die Schreinerei gekauft und beide Betriebe zusammengeführt. Ihr Unternehmen gilt als ein Pionier der Online-Möbelhersteller.


dds-Redakteur Georg Molinski besuchte Meine Möbelmanufaktur und lernte in Birgit und Sebastian Schips ein visionäres Unternehmerehepaar kennen, das bereits vor zehn Jahren erkannt hat, was heute angesagt ist.


Steckbrief

Anwender: Meine Möbelmanufaktur GmbH, 73061 Ebersbach, www.meine-moebelmanufaktur.de

Plattenlager, Automatisierungen: Barbaric GmbH, www.barbaric.at

Roboter-Plattensäge: Homag Group AG, www.homag.com

Kantenanleimmaschine:
Ima Schelling Deutschland GmbH
www.imaschelling.com

CNC: Biesse Deutschland GmbH
www.biesse.com

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