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Wenn der Kunde nicht zahlt

Marketing & Betriebsführung
Wenn der Kunde nicht zahlt

Gründe für Nichtbezahlen Überschuldung Arbeitslosigkeit Betrügerisch Liquiditätsengpass Vergessen 10 20 30 40 50 60 70 80 90
Das kennt jeder Schreiner: Kunden, die ihre Rechnung nur schleppend oder überhaupt nicht begleichen. Manche gehen dabei höchst trickreich vor. Beispiele, wie Kollegen von Kunden hereingelegt wurden.

Alfred Neugebauer, Meisterschule Ebern

Das Zahlungsverhalten vieler Kunden hat sich in letzter Zeit verschlechtert. Eine Analyse ergab, dass immer häufiger schon bei Fehlern, die weniger als fünf Prozent des Wertes ausmachen, Rechnungen insgesamt nicht bezahlt werden. Hinzu kommt, dass sich Kunden mit immer raffinierteren Tricks ihrer Zahlungsverpflichtung entziehen wollen. Beispiele gefällig?
• Eine Firma für Spielgeräte vergibt Aufträge an einen Schreiner. Das Geschäft läuft gut an, die Gelder fließen. Der Handwerker liefert mehr und mehr auf Kredit. Als die Schulden des Geräteherstellers beim Schreiner »hoch genug« sind, meldet er Insolvenz an. Zwei Tage später gründet seine Tochter ein neues Unternehmen …
• Bei einer Submission ist Schreiner H. der günstigste Bieter. Bei der Vertragsunterzeichnung verlangt der Auftraggeber plötzlich eine Spende an die Einrichtung, sonst könne er den Auftrag nicht erteilen.
• Für einen Großauftrag über 900000 Euro vereinbaren Schreiner und Kunde eine Anzahlung von einem Drittel der Auftragssumme. Statt 300000 Euro überweist der Auftraggeber sogar 400000 Euro und erkauft sich so das Vertrauen des Handwerkers. Doch nach dem Abschluss der Arbeiten und der Zustellung der Schlussrechnung bleibt die Zahlung des Restbetrages aus.
• Kundin und Schreiner haben den Auftrag für eine schöne Küche unterschrieben. Nach einigen Tagen fragt die Kundin an, ob an den Fronten noch etwas geändert werden könne. Es folgen weitere Änderungswünsche. Schließlich ist der Auftrag so oft geändert worden, dass er nicht mehr mit dem Ursprungsauftrag identisch ist. Nach dem Einbau der Küche verweigert die Kundin die Zahlung wegen Nichterfüllung des Vertrages.
Tipp: Lassen Sie sich alle Änderungswünsche schriftlich bestätigen.
• Ziemlich dreist geht ein Kunde nach der Auftragserfüllung vor. Er sagte zum Schreiner: »Verlassen sie mein Haus! Wenn Sie nicht sofort gehen, zeige ich Sie wegen Hausfriedensbruch an.«
Tipp: Gehen Sie, andernfalls werden Sie zum Straftäter. Erstatten Sie Anzeige wegen ungerechtfertigter Bereicherung (§ 818, 3 BGB).
• Nach einer Montage soll der Kunde die Lieferung auf dem Lieferschein bestätigen. Er unterschreibt nicht.
Tipp: Anzahlung oder noch besser Barzahlung vereinbaren.
• In einem Wohnhaus sind Fenster eingebaut worden. Auf eine Anzahlung wurde verzichtet. Der Kunde zahlt nicht. Nach § 946 BGB darf der Schreiner die Fenster nicht wieder ausbauen. Mit einem Trick (»Nacharbeiten«) kommt er trotzdem ins Haus und baut die Flügel aus. Doch die Fenster sind auch ohne Bezahlung ins Eigentum des Kunden übergegangen; dieser verlangt ihre Herausgabe, da an den Fensterflügeln keine Nacharbeiten vorgenommen wurden, und er bekommt Recht.
• Nach der Abwicklung eines Auftrags für einen Großbetrieb zahlt dieser nicht, obwohl seine Bilanz einen Gewinn ausweist. Der Schreiner spricht mehrmals vor; schließlich werden 10000 Euro überwiesen. Außenstände von 25000 Euro sind jedoch bis heute nicht bezahlt. Und wer verklagt schon ein Riesenunternehmen mit Erfolg?
Schon gewusst?
• Die alte Ausrede »Sie müssen dreimal schriftlich mahnen!« gilt nicht mehr: Nach dem gültigem Zahlungsbeschleunigungsgesetz (§ 286, 3,1 BGB) müssen Handwerkerrechnungen innerhalb von 30 Tagen gezahlt werden. Danach ist der Kunde in Zahlungsverzug, und der Schreiner kann unverzüglich einen Mahnbescheid erlassen.
• Behauptet der Kunde, er habe noch keine Rechnung erhalten, tritt kein Verzug ein. Schicken Sie ihm die Rechnung noch einmal zu, und verkürzen Sie die Zahlungsfrist entsprechend.
• Bei Kunden, die eine »eidesstattliche Versicherung« abgegeben haben, ist meist nichts mehr zu holen. Selbst eine Pfändung hat wenig Erfolg, da für gepfändetes Gut kaum gezahlt wird. Wurde ein Auftrag nach der eidesstattlichen Erklärung erteilt, liegt wahrscheinlich Betrug vor.
Tipp: Im Zweifel gilt immer noch die alte Devise »Nur Bares ist Wahres«.

Vom Glanz der AG geblendet
Auch wenn Sie es als Handwerker mit einer renommierten AG zu tun haben, können Sie nicht sicher sein, dass Sie Ihr Geld bekommen.
Eine angesehene AG plant ein Großbauvorhaben. Zu diesem Zweck schreibt sie das Bauvorhaben an einen Generalunternehmer aus. Das Rennen macht eine GmbH, von der sich später herausstellt, dass sie erheblich unterkapitalisiert ist und von einem unerfahrenen Geschäfts-
führer geleitet wird. In zähen Verhandlungen drückt die AG das Angebot der GmbH um 18 Prozent.
Der Generalunternehmer fordert das Handwerk zur Abgabe von Angeboten auf. Der Schreinermeister fragt den stadtbekannten Geschäftsführer der AG, ob es Sinn macht, mitzubieten. Dieser erklärt, das könne man ruhig tun, hinter dem Bauvorhaben stehe ja die große AG. Der Handwerksmeister bietet mit und erhält den Zuschlag.
Weil die GmbH den Preis um 18 Prozent senken musste, kann sie den Schreinermeister nicht mehr bezahlen. Der Generalunternehmer meldet bei halbfertigen Arbeiten Insolvenz an. Der Schreiner kann nicht glauben, dass er auf seiner Forderung sitzen bleiben wird. Gegen die GmbH hat der Handwerker zweifellos einen Anspruch. Diesen kann er aber nicht durchsetzen, wenn der Generalunternehmer insolvent wird. Er kann allenfalls seine Forderung zur Insolvenztabelle anmelden; im Insolvenzverfahren erhält er jedoch in aller Regel nur eine Quote von bis zu zehn Prozent.
Gegen die AG hat er keinen Anspruch – sie ist nicht sein Vertragspartner. Zwar hat der Geschäftsführer der AG den Handwerker beruhigt, aber wohlweislich keine Garantie- oder Bürgschaftserklärung abgegeben, so dass eine Haftung der AG ausscheidet. Der Schreinermeister wird seine Forderung also kaum durchsetzen können.
Tipp: Lassen Sie sich nicht von Dritten, die keine Vertragspartner sind, zum einem Abschluss ermutigen. Prüfen Sie dafür um so sorgfältiger die Bonität Ihres Vertragspartners!

Auch schon reingefallen?
Bitte schreiben Sie uns, wenn Sie es bereits einmal mit einem ungewöhnlichen Kundentrick zu tun gehabt haben. Ihren Bericht verwenden wir selbstverständlich nur nach Rück-
sprache, auf Wunsch auch anonym.
dds-Redaktion, Ernst-Mey-Staße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, E-Mail: dds.redaktion@konradin.de, Stichwort »Kundentricks«
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