Startseite » Betrieb » Marketing & Betriebsführung »

»Unnötiger Widerstand«

Marketing & Betriebsführung
»Unnötiger Widerstand«

Die Tischlerverbände lehnen vielfach einen eigenen Ausbildungsberuf zur »Fachkraft für Montage« ab. Michael Peter vom Wirtschaftsverband HKH Saar rät, »Berufsbilder am Rande« nicht zu bekämpfen, sondern unter dem Dach des BHKH zu vereinen.

Rechtsanwalt Michael Peter

Es gibt gute Gründe dafür, im Tischlerhandwerk eine Fachkraft für Montage zu etablieren. Ein Bedarf dafür besteht bereits. Unser Handwerk befindet sich im Umbruch, das beweisen alle Studien. Es teilt sich immer mehr auf in überwiegend produzierende und überwiegend montierende Betriebe. Nach den Befragungen in unserem Verbandsgebiet gehen wir davon aus, dass etwa 30 Prozent der Betriebe überwiegend fremd zugekaufte Teile montieren.
Betriebe, die alles machen und die vor 20 Jahren noch die Regel waren, werden immer weniger. Sie können mit den spezialisierten Produzenten oder spezialisierten Monteuren, die auf eine vergleichsweise teure Werkstatt verzichten, kaum noch konkurrieren. Daraus folgt auch, dass in überwiegend montierenden Betrieben Fähigkeiten des klassischen Tischlers nur noch sehr unvollständig vermittelt werden können.
Bedarf an breiter Front
Ein Bedarf besteht aber auch außerhalb des Tischlerhandwerkes und zwar in einem Berufsfeld, für das der BHKH zuständig ist. Neben den montierenden Tischlern gibt es eine große Anzahl von Anlage-B-Berufen, die mit dem Tischlerhandwerk verwandt sind oder einen Teilbereich davon darstellen. Bestes Beispiel ist der Baufertigteilmonteur. Diese Betriebe haben zum Beispiel Schwerpunkte im Trockenbau, im Einbau von Fenstern, Türen und Toren oder in der Küchen- und Möbelmontage. Oftmals sind das ausgesprochene Spezialisten und es gibt keinen Grund, einen solchen Betrieb als B-Klasse abzutun. Hier gibt es Betriebe (Beispiel Trockenbau), die technologisch besser aufgestellt sind, als die klassischen Schreinerbetriebe mit ihrem breiten Berufsbild. Diesen Betrieben ist es bisher verwehrt, auszubilden, es sei denn, sie bilden ihren Nachwuchs als Trockenbaumonteur aus. Es kann nicht das Ziel des BHKH als Spitzenverband der Anlage-B-Betriebe sein, die Berufsbildung und die Nachwuchsförderung der Industrie oder gar der (auch tarifpolitischen) Konkurrenz der Bauwirtschaft zu überlassen.
Einbinden statt ausgrenzen
Viele Anlage-B-Betriebe haben ihre Wur-zeln im Tischlerhandwerk. Sie einzubinden und zu fördern muss Ziel des BHKH sein. Nur das entspricht dem Selbstverständnis eines Spitzenverbandes und der handwerksrechtlichen Anforderung an einen Bundesinnungsverband. Dass sich Anlage-B-Betriebe so schlecht organisieren lassen, ergibt sich u. a. aus ihrer Heterogenität, aber auch daraus, dass unser Angebot bisher nicht mit den Bedürfnissen übereinstimmt. Auch fehlt den Betrieben die gemeinsame Identität. Diese erwächst im Tischlerhandwerk und im Handwerk allgemein ganz fundamental aus der gemeinsamen Wurzel der Berufsausbildung und Weiterbildung, aus dem Umstand, dass man etwa Schreinergeselle und Schreinermeister ist. Gäbe es einen »Montage-Gesellen« und »Montage-Meister«, hätten die Angehörigen dieses Berufs auch eine gemeinsame Basis und die Ansprache wäre viel einfacher. Wir glauben, genau das muss Ziel des BHKH sein. Dieser Aspekt korrespondiert mit der Veränderung der Mitgliederstrukturen. Damit zusammen hängt auch die Erschließung neuer Arbeitsfelder mit der Industrie: Bisher beschränkt sich diese Zusammenarbeit wesentlich auf den produzierenden Schreiner. Zulieferer und Förderer des Schreinerhandwerks sind Werkstofflieferanten oder Maschinenhersteller, aber kaum Hersteller von Fertigprodukten (Baufertigteile) oder Systemanbieter, etwa aus dem Bereich Trockenbau. Hier liegt erhebliches Potenzial brach, das wir nur gemeinsam unter Federführung des BHKH erschließen können.
Der unseres Erachtens ideologisch begründete Widerstand in Teilen der Berufsorganisation wird die Entwicklung neuer Berufsbilder in Baufertigteilmontage und Innenausbau nicht aufhalten. Der BHKH muss sich daher an die Spitze dieser Entwicklung setzen. Nur so wird er seiner Aufgabe als Bundes- innungsverband für diesen Bereich gerecht und kann auch die Zukunft seiner Stammklientel sichern.
Traurige Tradition
Der Verzicht auf Berufsbilder am Rande hat bei uns eine lange Tradition, ob es um Rollladenbauer, Parkettleger oder Bestatter geht. Die nächste Gruppe wäre die der Montageschreiner. Ohne auf deren Bedürfnisse einzugehen, wird sich der BHKH von seinem Ziel entfernen, Spitzenverband im Holzhandwerk zu sein. Vielleicht wollen auch einige lieber nur eine feine Adresse für kompetente Möbel- und Innenausbauer sein. Was wir sein wollen und welche Entwicklung wir prägen wollen, ist aber die Kernfrage, wenn es darum geht, wie fit wir für die Zukunft sind.
»Widerstand im BHKH wird neue Berufsbilder in Montage und Ausbau nicht aufhalten« Michael Peter
Anzeige
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 6
Aktuelle Ausgabe
06/2021
EINZELHEFT
ABO
Anzeige
dds-Zulieferforum
Grafik des Monats

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »